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Eine neue Reise steht an

 Nun packte mich nach dem ewigen Corona-Lockdown doch wieder die Wanderlust! Ich werde dieses Jahr noch einmal nach Schweden fahren und meinen Beinen (und Gedanken) freien Lauf lassen.

Die Strecke startet nördlich von Gävle (160 km nördlich von Stockholm) nahe der Küste und geht Richtung Nordwesten, nach Östersund. Genauer starte ich in Lingbo, etwa 60 km von Gävle entfernt und werde bis Svenstavik laufen (60 km vor Östersund - weil die letzten 60 km nur Asphalt durch Wohnorte sind) das sind insgesamt 340 km.

Ich habe mir die Strecke selbst zusammengebaut und werde mich 5 verschiedener Trails bedienen (und ein paar X-country und X-road Abschnitte):
- Gästrikeleden
- Hälsingeleden
- Lillskogsleden
- Kårböleleden
- Karl XI:s väg
Und da die Strecke "selbsgekocht" ist, sind die Abschnitte auch unregelmäßig und unausgeglichen. Den ersten Resupply-Punkt erreiche ich schon nach 3 Tagen (=Bollnäs bei 60km). Der längste Abschnitt ohne Resupply liegt zwischen Bollnäs und Ytterhogdal mit 175km. Während die erste Hälfte ziemlich wild ist und auch die Wasserquellen eher ungewiß sind, verläuft die zweite Hälfte weitestgehend über Straßen. Ich werde mindestens 80km auf Asphalt laufen müssen, kenne jetzt schon einen Abschnitt von 30 km ohne Wasser und muss ein Sumpfgebiet von 8km durchqueren. Das Ganze geht von dem Flachland der Küste hoch in die Berge in Richtung norwegische Grenze. 



Ich bin auch deutlich "unfit". Durch den Corona-Lockdown und meine eigene Träg- und Faulheit fühle ich mich eher schwach und wackelig. Als ich das Training wieder aufgenommen habe (Anfang Juni) hatte ich nach 8 km schon starke Wadenkrämpfe und etliche andere Schmerzen. Als wäre ich noch nie gewandert! Es ist erstaunlich wie schnell der Körper wieder degeneriert wenn man das Training nicht aufrecht erhält... 

Unterdessen habe ich mehr trainiert und die Gelenke und Sehnen sind etwas stärker geworden - aber ich bin immer noch Meilen von der Power entfernt, die ich Anfang 2020 hatte. Aus dem Grund habe ich für diese Reise auch eine kürzere Strecke gewählt, damit ich Zeit habe mich langsam an die Anstrengungslevel zu gewöhnen oder auch mal wenige Kilometer zu laufen. Ich weiß von früher, wenn ich fit bin und loslege, dann bekomme ich einen Tagesdurchschnitt von 27 km hin. Dann wäre ich nach 12 Tagen fertig :) 

Auch meine Ausrüstung ist nicht 100%ig - Ich habe zu wenig Seife, zu wenig Erdnussbutter und keine Papierkarten dabei. Zumindest nehme ich diesmal extra Kälte- und Regenschutz mit (500 gram mehr Gewicht). Die Wetterprognosen sind mittel: nachts zwischen 4 und 8, tagsüber max 12 bis 16 Grad Celsius. Meine Erfahrungen so weit im Norden zeigen auch dass es sehr nass werden kann, von oben als Regen, und von unten weil der Wald morgens pitschnass ist. 

Ich habe keine Ahnung was kommt und werde mich überraschen lassen und sehen wie weit ich komme. Ich freue mich auf die frische Luft und die rohe Natur Nordschwedens. Tatsächlich kommen in diesem Gebiet alle 4 großen Raubtiere Europas vor: Wölfe, Bären, Luchse und Vielfraße. Aber auch auf die Möglichkeit Biber und Elchen zu begegnen, freue ich mich. Und besonders auf die Freiheit des Geistes, einfach nur zu laufen und meiner Routine zu entkommen.

Was die Reislogistik angeht, so fahre ich wieder mit dem Flixbus nach Stockholm hin, fahre dann 2 Stunden mit dem Zug. Die Rückfahrt ist noch sehr unpräzise, von Östersund fahren Busse & Züge über Umwege nach Stockholm, von wo ich diesmal mit dem Flieger zurück nach Hamburg will....  hoffentlich nehmen die meinen Rucksack mit und lassen mich trotz dem Geruch einsteigen :)

Noch 3 Tage!


Ein Traum wird wahr - ich werde den Pacific Crest Trail in 2020 wandern!


Eine riesige Hürde konnte gestern überwunden werden, eine die sehr viel Bedeutung und am wenigsten zu beeinflussen war:

Ich habe erfolgreich einen Start-Termin beantragen können um wie geplant 2020 den PCT zu laufen.

Sehr viel Glück und die Hilfe von Freunden haben es ermöglicht, das Datum steht nun fest: 13. April 2020 starte ich an der mexikanischen Grenze und laufe dann nach Norden, um nach fast 6 Monaten die Grenze zu Kanada zu erreichen!

Ich kann es kaum fassen: seit 4 Jahren plane ich, um meinen Traum zu realisieren, den Pacific Crest Trail zu wandern, einen der berühmtesten und härtesten Wanderwege der Welt und ein lebensveränderndes Erlebnis zu vollbringen.

Die Verlosung der Start-Termine war wie jedes Jahr haarsträubend. 10 Tausend Menschen wollen zum Saison-Start zwischen Anfang und Ende April den Trail starten. Nur etwa 20 Prozent bekommen überhaupt einen Platz, da nur 50 Termine pro Tag verfügbar sind. Und ich habe einen Termin bekommen. Damit steht Startpunkt und Startdatum fest und beide sind ideal getroffen!

So viele Emotionen, die sich über Monate angesammelt haben, machen sich im Moment bemerkbar. Heulen vor Glück trifft es ganz gut :)

Nun beginnt eine Phase der konkreten Planung und das Ganze ist äußerst spannend. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Einen speziellen Dank an meine Arbeitskollegen und Freunde, ohne dessen Hilfe dies nicht zustande gekommen wäre.


Fotos zum Bergslagsleden 2018

Fotos vom Bergslagsleden - Solo-Tour 400 km


Meine Kamera ist nach der ersten Woche auf dem Trail kaputt gegangen. Hundertmal den Handgriff gemacht und einmal falsch gegriffen, Kamera rutscht ab und fällt frontal mit der Linse auf einen Felsen. Verschluss ist verbogen, die Kamera ist nicht mehr zu benutzen. Die restlichen Fotos vom Trail musste ich mit dem Handy machen und die hatte ich gepostet...
Hier sind nun die Fotos aus der Kamera :)

1) Der Trail

Der Bergslagsleden ist 360 km lang und extrem gut beschildert. Jede Kreuzung oder Abzweigung ist in beide Marschrichtungen gut und deutlich markiert.

In einem Gebiet das übersät ist mit großen runden Felsen (einige so groß wie ein Haus) wird die Gegend "Troll-Höhen" und "Troll-Wald" genannt. Auch der Trail selber ist voller Felsen, was das Vorwärtskommen deutlich erschwert. Das geht fast einen ganzen Tag lang so. Die kleinen Felsen überall im Boden habe ich daher "Troll-Eier" getauft.


Im Wald ist wenig Wind. Wenn man dann an einen See kommt, wie diese Raststätte, ist das Wasser spiegelglatt. Der Platz war so schön, dass ich obwohl es noch nicht spät war, hiergeblieben bin und mein Camp aufgebaut habe für die Nacht. Wunderbarer Platz.


Man muss in Bewegung bleiben, sonst holen einen die Mücken ein, die es hier zu zig Tausenden gibt. Schade eigentlich weil so viele Plätze laden ein, mal stehen zu bleiben und die warme Luft einzuatmen und die Umgebung zu bestaunen.


Sonnenlicht ist von 4 Uhr morgens bis abends um 10 reichlich vorhanden. Dieses Foto ist im Abendlicht gemacht worden, wo ich nach einem langen Tag auf der Suche bin nach einem Platz wo ich mein Zelt aufschlagen kann bevor es dunkel (und kühl) wird.


Auf einen Sonnenuntergang muss man bist 23 Uhr warten :) Dann allerdings ist die Belohnung groß. Hier wird auf der Feuerstelle noch mal ein Liter Tee gekocht, während der Mond sich auf der Oberfläche des Sees spiegelt. Das Feuer hält die Mücken fern.


Die Schweden lieben und genießen ihre Natur sehr. Viele schöne Stellen haben diese Rastplätze wo es eine Feuerstelle und Sitzmöglichkeiten gibt. Wenn ich nach stundenlangem Laufen plötzlich an so einen Platz komme, bin ich so erleichtert und freue mich tierisch auf die nun folgende Pause.


Trotz der großen Hitze 2018 bietet der Wald immer wieder Strecken mit Schatten und kühler Luft. Gerade wenn ich eine Anhöhe erstiegen habe weht oben manchmal sogar ein bisschen Wind. 


Auf jeden bekannten Trail gehört "Trail-Art" einfach dazu. Die Wanderer nehmen sich Zeit kuriose Skulpturen und Steintürme zu bauen, aus den Materialien die überall herumliegen. Wenn ich an solchen Beispielen von "Trail-Art" vorbeikomme, muss ich lächeln und an die Leute vor mir denken, die das erstellt haben.


 
Schweden ist übersät von Tausenden kleiner und größerer Seen. Wasser ist definitiv nicht knapp. Ich habe zwar immer gefiltert aber die schwedischen Wanderer trinken meist direkt aus den Seen.


Während in Deutschland die Waldstücke meist künstlich angelegt sind und sie fühlen sich daher immer gleich an. In einem naturbelassenen Wald, besonders einer der sich wie man hier sieht hunderte Kilometer in alle Richtungen erstreckt, ist der Abstand der Bäume meist viel größer als wir es gewohnt sind. Alle 10 bis 15 Minuten ändert sich der "Look & Feel" drastisch. Die Lichtverhältnisse, der Bodenbelag, der Geruch und die Temperatur der Luft scheinen nie gleich zu sein. 


Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu und ich erreiche wieder einen See. Ich erkenne einen weiteren Rastplatz mit Feuerstelle und Windschutzhütte. Nur diesmal ist er voller Menschen die hier baden. Ohh, ich will auch!!!

Je weiter der Abend (und der Sonnenuntergang) fortschreitet, wird der Platz leerer, bis ich wieder allein bin und den Strand, den Rastplatz und den riesigen See für mich allein habe.


Diesmal warte ich bis zum Sonnenuntergang (bis 23 Uhr) denn was ich hier erlebe ist atemberaubend schön. Die windstille Luft ist noch warm, nach dem Sprung in den See bin ich sauber und glücklich. Ich sitze nur still da, lausche den Geräuschen des Waldes und fühle mich so stark an diese Welt, an den Himmel und den Boden gebunden wie nie zuvor.




Ist es nicht langweilig, wochenlang nur durch den Wald zu wandern? Das werde ich oft gefragt. Die Antwort ist nein. Definitiv nicht. Man muss seinen Blick auf andere Dinge richten, als die die man gewohnt ist (Informationsflut in der Zivilisation) und eher auf die kleinen Dinge achten und die subtilen, die im Wald plötzlich ganz deutlich hervortreten: Temperatur, Feuchtigkeit und Geruch der Luft, Geräusche von Tieren und Pflanzen die man über das gesamte Tal hört, Farben und Untergrund des Waldes, die sich ständig verändern. Nicht. Langweilig. :)

2) Die Ausrüstung

Als Langstreckenwanderer bin ich natürlich mega-stolz auf meine Ausrüstung. Die meisten Teile liebe ich denn erstens sind sie das einzige was ich dabei habe und das einzige worauf ich mich verlassen kann. Bei ein paar Teilen muss ich mich erst noch dran gewöhnen und herausfinden ob sie das bieten was sie versprechen :)

Spontane Pause mitten auf dem Trail. Es ist ein tolles Gefühl, alles was man braucht dabei zu haben. Irgendwann schultert man einfach den gepackten Rucksack wieder, und es geht weiter zu unbekannten Gebieten. Was steckt wohl hinter dem nächsten Baum, dem nächsten Tal? Egal was passiert, ich habe alles dabei. Mobiles Wohnen :)


Zu Beginn ist das "häuslich etablieren" an einem neuen Camp-Spot noch ungewohnt. Nach ein paar Wochen sitzt jeder Handgriff und die Ausrüstungs-Gegenstände landen immer auf derselben Position. So vermindert man auch das Risiko, etwas zu verlieren oder zu vergessen (eines der Schlimmsten Dinge, die einem auf dem Trail passieren kann).
Hier sieht man meine morgendliches Frühstücken :) 7 Uhr morgens, Kaffee wird gekocht, links im Bild steht die Tüte mit dem Müsli, Zelt und Rucksack sind schon eingepackt, weil gleich geht es wieder los und weiter!



Viel Platz brauche ich nicht für einen guten Camp-Spot: 2x3 meter, eine möglichst ebene Fläche. Natürlich mit Vorliebe ein Platz der sowohl geschützt ist und trotzdem eine tolle Aussicht hat!
Mein Zelt (Skyscape Trekker von SixMoonDesigns) wiegt 800 gramm. Mit seiner 2,60 meter langen Liegefläche passe auch ich da gut rein. Man kann die 8 cm hohe "Wanne" sehen, die als Sturzwasser- und Regenschutz gilt. Wenn die Seitenwände wie hier hochgespant sind, liegt man praktisch in einem durchsichtigen Moskitonetz und hat wunderbare Sicht in alle Richtungen. Ich habe in den 16 Nächten immer offen geschlafen. Nur bei Regen hätte ich die Seitenwände runtergelassen. 
Innen im Zelt. Rot ist mein Schlafsack, gelb die Isomatte. Blau ist mein Kleider-Sack, Schwarz am Fußende mein Rucksack. Draußen stehen mein Kochtopf, 2 Gaszylinder und 3 von den 4 Wasserflaschen.


Ich will beim Wandern so wenig wie möglich anhalten (außer bei Pausen). Daher muss der Rucksack so gepackt sein, dass man ohne ihn abzunehmen, alles notwendige schnell erreichen kann. Hier sieht man mein "Cockpit".
Rechts hängt an dem lila Karabinerhaken mein Kompass. In der Brusttasche sind Feuerzeug, Moskito-Kopfnetz und Anti-Mücken-Öl. Links hängt meine Bandana, zum Gesicht ab- und Spinnweben weg-wischen, als Atemschutz bei Staub oder Sonnenschutz im Nacken, ein extrem vielseitiges Ausrüstungsstück. Am linken Karabiner hängt mein "Juju", ein Bildnis der heiligen Fatima, von meiner Frau. Von meiner Tochter habe ich ein rosanes Haargummi und ein Abzeichen von Nissan (tja..). Wenn man wochenlang allein im Wald ist hat Aberglaube und Symbolik einen hohen Stellenwert :)
Ganz links am Rucksack hängt mein Aschenbecher (Plastiktüte mit Ikea-Klappverschluss) und man sieht die Wasserflasche, die ich im Laufen unterm Arm herausziehen kann. Über den Rucksack gespannt ist mein Solar-Panel, das meine Powerbank (im Deckelfach verstaut) wieder auffüllt. Bei dem guten Wetter Mai/Juni 2018 habe ich 16 Tage lang keine Steckdose gebraucht!


Der womöglich wichtigste Ausrüstungsgegenstand bei Langstrecken-Wanderungen: gute Schuhe! Ich habe dieses Jahr Salomon-Schuhe vom Modell X Ultra 3 verwendet. Leicht, extrem guter Grip, fest und stabil, sogar hübsch und vor allem Luftdurchlässig & atmungsaktiv. Die  Bindung ist ohne Knoten und hat keine Schlaufen wo etwas drin stecken bleiben könnte. 
Letztes Jahr bin ich mit GoreText-Schuhen gelaufen (Salomon XA Pro 3D, GTX), das mache ich nie wieder. Denn Schuhe werden immer irgendwann mal nass. Bei den GTX-Schuhen läuft das Wasser oben am Schaft rein - und geht nie wieder raus. Bei den Ultras kann man bei jedem Schritt den Wind spüren, wie er unter den Socken durchfährt. Wasser in den Schuhen verdunstet tatsächlich relativ schnell...  feuchte Socken sind tausend mal besser als pitschnasse! :)


Kurz vor dem Abendessen. Die Hälfte des Gewichts das ich trage, macht das Essen aus und wird in den 2 blauen Taschen verstaut. Der große Deuter Dry-Bag ist Wasser- und Luftdicht und soll angeblich auch den Geruch halten. 
Nicht immer hat meine Küche eine echte, erhobene Sitzfläche, sogar mit integriertem Schneidebrett. Mein Wohnzimmer ist immer ähnlich aufgebaut und meine Terrasse ist die größte der Welt :)
Ich trage 30 Meter Paracord, halb so dünn wie ein Bleistift, hat eine Haltekraft von 550 Kilo und wiegt 55g. Da hängt gerade meine frisch gewaschenen Klamotten dran.
Unter dem Zelt liegt eine zugeschnittene weiße Tyvek-Folie. 100 Gramm schwer, dünn wie Klopapier aber unkaputtbar und wasserfest soll dieser "Footprint" meinen Zeltunterboden vor Schäden und mich vor nassen Überraschungen schützen.


Soo viel Platz habe ich in meinem 800g 1-Person-Zelt. Am Fußende immer noch 40 cm Luft, breit genug um auch meinen Rucksack im Zelt zu lagern. Die Position der einzelnen Ausrüstungsgegenstände ist immer gleich und hat sich so etabliert: Wanderklamotten am Fußende, Fuß drauflegen. Am linken Knie der Rucksack. Die Daunenjacke in blau kommt dann in den Klamotten-Sack und dient als Kopfkissen. Kosmetik- und Hygienepack liegt am rechten Knie. Elektronik linke Schulter, Brille, Kugelschreiber, Block und Karten an der rechten Schulter. 
Wie erwähnt schlafe ich immer wenn möglich mit offenem Zelt (Seitenwände weg), da ist die Aussicht einfach dauerhaft zu genießen.

3) Jetlag im Einsatz

Nur die Landschaft zu fotografieren ist eine Sache. Aber erst wenn man die Person(en) mit abbildet kann der Bezug richtig hergestellt werden. Und zweitens kann ich so sehen dass ich nicht geträumt habe sondern tatsächlich da war :)


Jetlag mit aufgespanntem "Rig", irgendwo im endlosen Wald. Deutlich happy :)


Wenn man tagelang Waldboden unter den Füßen hat ist das plötzliche Auftauchen einer "echten" Strasse fast ein Kultur-Schock! 


Nach einem langen anstrengenden Tag bin ich heilfroh ein Platz für mein Zelt gefunden zu haben. Jetzt wird erstmal ordentlich was gegessen und dann schlafen. 
Bisher bin ich immer trotz der Helligkeit an schwedischen Sommer-Abenden sofort eingeschlafen und habe volle 8 Stunden durchgeschlafen. Mein Körper braucht die Erholung.

Abends nochmal den Blog aktualisiert und dann brauche ich nichts mehr zu tun. Einfach daliegen, und ausruhen. Man sieht hier nochmal gut wie "durchsichtig" mein Zelt ist. Hier am Kopfende gibt es fast nichts mehr, was die Aussicht stört, auch nach oben nicht, wo ich die Baumwipfel beobachten kann. Die Luft geht widerstandslos durch das Zelt (die Mücken werden rausgefiltert) so dass auch alle Geräusche unverfälscht ins Zelt gelangen. Es ist so still im tiefen Wald, keine Motoren, Musik oder Stimmen, nur die Natur pur. Jeder Vogel der piept, jeder Fisch der springt, hört man im ganzen Tal, auch wenn am anderen Ufer ein Reh (oder so) raschelt. Wunderbar!


Es war dieses Jahr so warm, dass auch das Wasser der Seen gut zum Baden war. Was für ein tolles  Gefühl, ein Riesen-See, weit und breit keine Menschen (oder Häuser). 
Mein See! und ich bin der einzige Mensch auf der Welt :)


Es ist dasselbe wunderbare Gefühl, wenn man oben auf einem Berg steht (Hügel?), sich in jede Richtung die "Haut der Welt" (der Wald) erstreckt bis zum Horizont, nicht ein Haus zu sehen ist und über mir der riesige Himmel, ungefiltert, unverbaut. Der Geruch dieser frischen, unverschmutzten Luft ist der Hammer! 
Es ist anstrengend so lange Strecken zu Fuß zu bewältigen, und es dauert seine Zeit, aber man erreicht Orte die sonst fast niemand je zu sehen bekommt. Das ist das wunderbare am Wandern!

Oh, so aufgeregt!

Es ist zwar noch ein Monat hin, aber bald startet meine solo-Wanderung 2018 :)

Ich werde den Bergslagsleden gehen, der auf dem Europa-Fernwanderweg E1 liegt.
Ein älterer Trail in Schweden, liegt er etwa zwischen Göteborg und Stockholm und ist 280 km lang.
Die meisten gehen den Weg südwärts, aber ich möchte den Trail nordwärts gehen.

Es werden 16 Tage lang auf dem Trail sein, nur ich und meine Ausrüstung.

Die Anreise ist kompliziert, denn an den Startpunkt fährt offenbar kein Bus. (Letztes Jahr fuhr im Sommer einer, 1 mal die Woche, aber dessen websites ist nicht mehr aktiv.) Das Näheste was ich schaffe ist die Kleinstadt "Skövde", wo die Volvo-Motoren gebaut werden. Von da sind es noch 70 Kilometer, die ich vermutlich trampen werde.
Starten werde ich vor dem Wanderheim in Granvik, 10 km vom Trail entfernt. Dann die 280 km des Bergslagsleden und am Ende sehe ich dann, ob ich noch ein Stückchen weiterlaufe.

Damit ist das Ende mehr oder weniger ungewiss, ich werde einen Tag lang versuchen nach Stockholm zu kommen, von wo ich dann mit Flix wieder nach Hamburg fahren werde.



Die Klimatabelle sieht mittel aus: (Durchschnittswerte Mai - Juni):
Min-Temp:  3-8 C
Max-Temp:  15-18 C
Regen: deutlich tiefere Wahrscheinlichkeit als Juli+, ca 11-12 Tage im Monat
Sonnenstunden pro Tag: 7-8

Super-nett fand ich das gezeichnete Profil von bergslagsleden.se


Und da stecke ich mitten in der Planung. Vieles ist noch nicht klar, zum Beispiel welche Resupply-Strategie ich machen will: für 18 Tage muss ich versorgt sein mit Wasser, Essen und Strom. Und das Tragen des Essens ist das schwerste Kriterium. 6 Tage Essen lässt sich gut tragen, aber 9 oder mehr ist extrem schwer. Also 3x Resupply? Oder versuchen die ersten 8-9 zu schaffen?

Die Möglichkeiten für Resupply, soweit ich die Läden in der Umgebung ausfindig machen konnte, wären:

- ab Km 47 -> nach Laxa (Dorf, ca 1,5 Stunden vom Trail, soll einen Laden haben)
- ab Km 102 -> Leken (Straße/Bus in die "Groß"-Städte Karlskroga / Örebro, ca 4 Stunden)
- bei Km 150  berührt der Trail den Trailhead und Herberge in Mogetorp (dort gibt's Wasser for free und Lunch-Pakete für Wanderer)
- ab Km 170 -> Digerberget -> Nahe der Stadt Nora (ca 2 Stunden vom Trail)

Das müsste ich in 8 bis 9 Tagen erreichen, und wenn es in Mogetorp Lunchpakete gibt, reicht das noch einen Tag. Tragen müsste ich also Essen für 8 Tage.
Dann kämen nach dem Resupply noch 110 km bis zum Endpunkt hinzu, 6 Tage.

- 80 km nach Digerberget, bei Km 245 kurvt der Trail auch noch mal an einer größeren Stadt vorbei, wo es sicherlich einen Laden gibt. Ob hier ein Resupply stattfindet, richtet sich danach wieviel Zeit mir noch bleibt und ob ich weiter als bis zum Endpunkt des Bergslagsleden will.

Es gibt so viel vorzubereiten.... am Wochenende habe ich mich in die Sonne in unseren Garten gesetzt und alles auf eine Tyvek-Plane gekippt. Ich hatte beispielsweise noch 3 Paar Handschuhe im Rucksack :)  Ich habs geschafft, aus 5 Haufen 3 zu machen.




Der Battle-Modus

Wer lange Strecken wandert, ist auch großen Schwierigkeiten ausgesetzt.
Schmerz und Erschöpfung sind dauerhafte Begleiter und man ist dem Wetter erbarmungslos ausgesetzt. Und anders als in einem Park nahe der Zivilisation ist da draußen die "freie Natur"; die Hindernisse können riesig sein, der "Schwierigkeitsgrad" hat keine kontrollierten Grenzen mehr.
Beim Wandern gibt es nur eine Richtung: vorwärts. Umkehren, weil es schwierig wird, ist meist keine oder die letzte Option. Allerdings ist man es nicht gewöhnt, solche schwierigen Situationen zu durchqueren.
Wenn es so steil ist, dass man zu rutschen beginnt, wenn der Regen so stark ist, dass man klatschnass wird, wenn man im Sumpf steht, die Markierungen und der Trail nicht sichtbar sind und der Boden flüssig wird und man langsam immer tiefer einsinkt...  sprich: wenn man bis zum Hals in der Sch.. steckt, ändert sich nichts an der Situation, es sei denn man entscheidet selber, da rauszukommen, den nächsten Schritt zu machen.
Der "Schwierigkeitsgrad" ist oft so hoch, dass man erst mal meint: das schaffe ich nie. Aber eine Wahl hat man nicht, also beißt man die Zähne aufeinander, reißt sich zusammen und mobilisiert noch mehr Körperkraft und stemmt sich da durch, Schritt für Schritt. Der Wille und die Notwendigkeit sind ja vorhanden. Ich nenne das meinen "Battle-Modus". Zusammenreißen, die Kräfte mobilisieren und Schritt für Schritt durchstemmen. Und tatsächlich, die schlimmen Situationen werden gemeistert, man ist wieder sicher.
Das Gefühl ist toll! Durch Willens- und körperliche Kraft wurde die Situation entschärft. Dabei ist es erstaunlich, wie gut das geht. Man lernt davon und kann es, wenn die nächste schlimme Situation auftaucht, wieder verwenden. Und dabei ist es erstaunlich wieviel Kraft eigentlich verfügbar ist, es ist wie eine brodelnde Quelle, in einem drin, derer man sich bedienen kann. Man gewinnt ein neuartiges Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, und verliert die Angst vor scheinbar unmöglich schwierigen Situationen.
Unterdessen benutze ich den Battle-Modus auch in meinem normalen Tagesablauf. Zum Beispiel auf der Arbeit, wenn große, schwierige Situationen auftauchen, kann ich auf meinen Battle-Modus und die Kraftquellen in mir zurückgreifen und die Schwierigkeiten Schritt für Schritt lösen.
:)

Aufgeregt!

Oh Mann,
Ich bin sehr aufgeregt! in 2 Wochen geht es los: im unbesiedelten Skandinavien eine 240 KM Strecke laufen, den "Finnskogleden". Solo.

Es ist ein Wanderweg so ziemlich in der Mitte Skandinaviens und geht stetig auf der Grenze entlang, zwischen Norwegen und Schweden.
Er kreuzt hauptsächlich Wälder in einer Mischung von Pfaden und alten Waldstrassen, geht aber auch teilweise über Berge. Kleine Berge.. alte, runde Hügel aus Stein, der Höhenunterschied liegt bei ca. von 200m bis 800m Höhe und das auf und ab.

Und viel mehr weiß ich nicht. Es gibt nicht viel Informationen zu finden, der Weg ist nicht allzu bekannt. Es gibt eine hübsche, offizielle Seite auf schwedisch/norwegisch mit ein paar englischen Seiten:  finnskogleden.com



Wenn ich überlege warum ich diesen Weg ausgesucht habe (Eine gute Freundin fragt immer "Wieso genau der?") tja, da kommen einige Kriterien ins Spiel:
- Einmal sollte er in Skandinavien sein, weil der goldene Gral von Langstrecken-Wanderungen ist, überall schlafen zu dürfen, wo einen die Müdigkeit bringt (wild zelten dürfen, "Allemansrätten").
- Er sollte nicht "so voll" sein (voll, wie in dem Gegenteil von Einsamkeit) - Nicht durch Städte oder so.
- Er sollte nicht so schwer zu erreichen sein.

Inspiriert wurde ich durch einen Reise-Bericht eines Freundes in Norwegen: Nach Röros und an/um den See, sei nur meist kalt. (Ach ja: Er sollte nicht kalt sein, nicht klimatisch brutal :). Und auf der Karte schien Oslo leichter zu erreichen als Stockholm. Und dann auf den Karten gesucht, wo es in der "Nähe" einen Wanderweg gäbe. Und da war er: Finnskogleden. Perfekte Länge: den in 2 Wochen zu machen ist nicht banal. Perfektes Wetter (tagsüber 18-22 Grad, nachts runter auf 8 Grad), die Regenwahrscheinlichkeit könnte etwas tiefer sein :) Die Mückenwahrscheinlichkeit ist hoch, sehr hoch. Wasser soll es zuhauf geben, es sind sogar einige gepflegte Wasserstellen geben. Aber das ist alles nur meine Vorstellung, von den Informationsfetzen, die ich bisher gefunden habe. Es wird sich zeigen (und ich werde berichten)

Ich denke oft und viel daran, immer wenn im meinem Kopf freier Platz ist. Ob ich alles hab, was ich übersehen haben kann, was noch fehlt, usw...
Ich mache mir Gedanken, wie ich mit dem Essen umgehen soll. Nach 87 km (nach einem guten Drittel der Strecke) kommt eine Resupply-Möglichkeit. Für die weiteren 150 km weiß ich aber noch keine. Ich bringe also Essen für 5 Tage mit, und kann neu einkaufen. Mehr als 5 Tage Essen zu tragen werde ich aber nicht. Garantiert nicht für 8 Tage und dann durchpushen müssen. Es muss eine Möglichkeit geben, bzw. ich muss mir eine suchen.
Was mache ich, wenn es tagelang regnet? Falls ich mehr als 2 Tage nicht weiter kann, weil es zu stark regnet, werde ich weder die ganze Strecke schaffen noch mit Ruhe zum nächsten Resupply-Punkt
Ich schwanke zwischen dem Wunsch den ganzen Weg zu schaffen und mir einen gemütlichen Hike zu machen, egal wie weit ich komme. Ich hoffe es wird eine gute Mischung aus beiden :)

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