Tag 6 - nass von oben, nass von unten - 24 km

 Eigentlich war es ganz schön an meinem Zeltplatz. Ich meine, mitten im tiefen schwedischen Wald habe ich in einer Kuhle eine Flasche Stelle gefunden und hab ziemlich gemütlich in den Moospolstern gelegen. Nur die Mücken waren unangenehm. Ich hab im Zelt gekocht (ich weiß man soll das nicht). Mein Zelt ist wieder offen geblieben (nur Moskitonetz) so dass ich freie Sicht überall hatte. Zum Einschlafen echt schön, in der Stille des Waldes zu liegen.

Bis um 7 hab ich geschlafen, im Zelt Kaffee gekocht und eingepackt, und dann wieder losgezogen. Es dauerte ganze 20 Minuten bis ich Wasser in den Schuhen hatte. Die erste Tageshälfte war so: alle paar Minuten war der trail unter Wasser. Mal ein Schlammloch, Mal eine 15 m große Pfütze, Mal ein Bach der sich breit über den trail ergoss. Das ganze ist unter der Oberfläche der Vegetation und man kann das Wasser nicht sehen. Allein die Farbe des Mooses, oder die Art der Pflanzen (Schachtelhalme wachsen nur im Wasser) deuten auf Wasser hin. Ich bin ziemlich gut geworden von Büschel zu Büschel zu springen, aber manchmal gibt es kein entrinnen: Splash! 

Kurz vor 12 entsteht ein Gewitter über mir! Ich fahre das Solarpanel auf dem Rucksack, lade das Handy und die Powerbank und mit einem Mal ist Schatten. Genau über mir, vor der Sonne bildet sich eine graue Wolke... Innerhalb von 10 Minuten quillt dieser wollte auf, wird immer dunkler. Ein Donner und ich versuchte verzweifelt meine Elektronik wasserdicht zu machen, als die ersten Tropfen fallen. Wenig später erreiche ich eine Windschutzhütte, wo ich eine Mittagspause einlege, ein Feuer Anzünder (für die Stimmung) während ich beeindruckt zusehe wie das Gewitter wächst und blitzt und donnert.





10 Kilometer hab ich in den 4 Stunden geschafft. Ein Durchschnitt von 2,5 km/h. Damit werde ich nicht weit kommen. Ob des drohenden Gewitters kommt mir der Gedanke hier zu bleiben. Aber es ist erst mittags!! Auf der Karte sehr ich ein Etappenziel: Harsagården. 14 km. Ich entscheide mich : Ich esse mir jetzt den Bauch voll (food is fuel) und pushe bis dahin.
Es gibt eine Riesenportion Macaroni mit Emmentaler-Käsesosse, sehr lecker. Dazu meine erste Vitamin-Pille.




Eineinhalb Stunden verbringe ich dort, während die Gewitter-Front wächst. Ich ziehe voller Kampfgeist los. Ich rechne mit 5 Stunden, schaffe es  Ende in 4. Ich habe aber auch gepusht bis an meine Grenzen. Und bin dabei über 2 Berge mit >500 m Höhe.

Der trail ist hübsch aber leider sehr nass. Mit trockenem Füßen zu wandern bleibt wohl ein ferner Traum. Ich bin vollkommen allein, v seit 6 Tagen habe ich auf dem trail keinen Menschen gesehen. Nur Name den Siedlungen sehr ich manchmal Spaziergänger, aber der trail bleibt leer. Nun, wer mit gesundem Menschenverstand würde sich sowas antun? Dieser trail ist nur sporadisch markiert, ohne GPS hatte ich mich mehrmals verlaufen. Und schwer ist er auch. Die Beine müssen 8 Stunden pausenlos Pumpen, es ist ein einziger Hindernislauf.

Ich hatte keine Ahnung was mich in Harstagården erwarten würde, geschlossen, ein Restaurant? 4 km vor dem Ziel komme ich am einer Windschutzhütte vorbei, sauber, trocken, mit Holz. Mich übernommen Zweifel, schon oft haben meine Träume mich zu zu hohen Erwartungen geführt, nur um am Ziel vor verschlossenen Türen zu stehen. Laut dem schwedischen "allemansrätten" darf man überall zelten und Feuer machen, solange es mindestens 100 m vom nächsten Haus entfernt ist. Gerade in zivilisierten Gebieten ist es oft so, dass nirgends ein freier Platz zum Aufstellen des Zeltes zu finden gibt. Kurz entschlossen (ich habe Empfang) Suche ich in Google: Hotel, Sportanlage, Jugendzentrum, Ski-Resort.... Ich rufe dort an, sie haben noch ein Zimmer frei!! Ich habe fast geheult, in einer Stunde sei ich da, tief ich begeistert ins Telefon und laufe los. Durch den Regen, durch den Sumpf, alles egal. Um 17:30 bin ich da, gerade als der Regen nachlässt.




Ich nehme mir heute ein Hotelzimmer. Teuer aber egal. Heiße Dusche, heißes Essen, Frühstück, WLAN. Eine Nacht zum Entspannen. Und nachdenken, und planen.

Der nächste Abschnitt wird wild und bergig, die Wetter-Prognosen sind Mittel, halb Regen halb Sonne, 7 bis 18 Grad. Die Karte zeigt lange Zeit nichts. 75 km zur nächsten Siedlung, 122 km zum nächsten Supermarkt.
Ich bin bis heute Ingesamt 113 km gelaufen, also die 100er-Marke geschafft, aber es waren 6 hätte Tage. 10 habe ich noch. In diesem Tempo schaffe ich nicht 230 Kilometer bis ans Ende. Wenn ich mich committe, gibt es lange Zeit keinen Exit-Point und dazwischen liegt der 8 km breite Sumpfbereich und der 50 km Roadwalk. Weil ich mir das antun? Sind diese Entbehrungen der Inhalt meines Urlaubs? 



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