Tag 9 - Trail-magic in Schweden - 38 km

Heute war ein eindrucksvoller Tag.
Aus der Hütte bin ich natürlich spät losgekommen, erst um 8 bin ich losgelaufen. Oben auf dem berg, bewölkt, verregnet und nass - wie gewohnt.



4 mal hab ich mich verlaufen, 2 mal bin ich durch den falschen Sumpf gewatet nur um kurz darauf nochmal durch zu müssen um den richtigen Trsil zu finden....für die ersten 2,5 km hab ich eineinhalb Stunden gebraucht.



Um 11 traf ich dann auf den Vadaloppet, eine berühmte Ski langlauf rennbahn, zw Mora und Sälen. Eine Rennspur!! 15 Meter breit mit nivelierten Boden. Da kann ich doch etwas der verlorenen Zeit aufholen dachte ich mir. Das Wetter blieb weitestgehend ok.




Um 17 Uhr erreiche ich dann einen Camp-Platz, mit Hütte und guter Infrastruktur. 23,3 km hatte ich und es war erst 17 Uhr....eine Stunde mache ich noch, dachte ich mir, obwohl ich schon sehr ko war.

Und als 18 Uhr kam, sah ich ein Schild: noch 7 km bis Evertsberg. Meinen Recherchen nach gab's dort ein Restaurant!! In meinem Geiste formten sich Bilder vondanpfenden Pizzas, Hamburgern und Pommes, und sehr unvernünftigerweise entschied ich die 7 km auch noch zu pushen. "Höre auf deinen Körper", hatte ich gelernt und hab das voll ignoriert: jeder Schritt Schmerzen, meine Schulterblätter kreischten , mehrmals musste ich meine matte auf den Boden werfen und mich hinlegen, ein paar Minuten ausruhen.

Tatsächlich habe ich Evertsberg erreicht, und auch den einzigen Läden gefunden - und der hatte zu!! Ratlos bin ich in der Gegend umhergetsumelt, als ich Stimmen hörte: zwei Jugendliche beim Tennis spielen. Ich komm hin und frag ob sie wussten wo man hier irgendwo essen kaufen könnte. Der junge meinte nur nee, hier in der Gegend hat alles zu. Das Mädchen jedoch fragte: hast du grossen Hunger? Komm doch mit zu mir. Nein das stört gar nicht.
Und so dass ich eineinhalb Stunden bei ihnen in der Wohnküche; sie haben mir drei verschieden Sorten Brot, Eier, Saft käse und Tee gegeben, so viel ich haben wollte. Und ich ihnen beim meiner Reise erzählt.
Am Ende hat mich die ganze Familie mir dem Auto bus zu einer wunderbaren Wanderhütte gefahren, die mehr oder weniger auf meiner Strecke lag.
Vielen Dank an Luva, Liam und Luvas Vater

So bin ich heute 38 km gelaufen, aber mir tut auch alles weh. Die Hütte liegt 5 km weiter, die ich zwar spare, aber nicht selbst gelaufen bin, sonst hätte ich heute einen Marathon geschafft.

Tag 8 - endlich bisschen Sonne - 30,6 km

Puh es ist tierisch schwierig vorwärts zu kommen. Ich kraxel Berge rauf und wieder runter, stapfe durch Moore und kämpfe mich durch die hüfthohe Vegetation.



Dazu kommt dass meine Füße zu 90% in Wasser stecken. Meine Schuhe halten super auch wenn nass, aber meine Insoles lösen sich auf, bilden Wellen und knickte, was das Laufen stark erschwert.

Aber ich hab auch spass dabei. Dinge laut, Tänze im Wald rum und sehe so viele wunderschöne Stellen.



Es erfordert nur so viel Kraft, dauerhaft. Ich versuche im Moment Vormittags eine 4-6 Stunden Session zu laufen, dann ein paar Stunden ausruhen und dann nochmal 4 Stunden. Auf gerader Strecke könnte ich so 50 km laufen....aber auf diesem sehr unregelmäßigen trail voller Hindernisse und dann noch mit klazschnassen Sachen zu kaufen ist sehr schwergängig.

Dass es an 2 von 3 Tagen schüttet und der Boden patschnass ist, das nehme ich nun so hin. Durch oder aufgeben. An aufgeben habe ich schon ein paar mal gedacht, wenn ich durchnässt und durchgefroren einen Platz zum schlafen suche. Aber ich will nicht aufgeben. Diese tollen Plätze zu sehen kostet eben seinen Preis. Und sollte ich je zu diesen Verhältnissen ans Ziel kommen wollen, dann muss ich Gas geben.



Bin an Mora vorbei und suche den trail der Mora und Sälen verbindet. Von da geht's in die Berge. Abs Wetter versuche ich nicht zu denken. Zumindest wird es endlich wärmer.



Tag 7 - eine woche auf dem Trail - 36,4 km

Schon um 04:30 los, zusammen mit der aufgehenden Sonne. Um 7 kam wie angekündigt der Regen.




Um kurz vor 11 erreiche ich den Campingplatz. Kein Personal weit und breit, ich hab geduscht (heiß) und mein Füsse und Schuhe eine Weile getrocknet.
Ich hatte aber erst 17,6 km geschafft. Draussen Dauerregen. Ich könnte mich nicht entscheiden: bleiben oder noch Meilen machen. Hütte dort hätte 70 Euro, wegen dem shit-Wetter 50 Euro gekostet.
Habe 3 trailrunner kennen gelernt, die mich etwa 8 km begleiten würden,
Also durch den Regen weiter, ich hab keinen guten Platz zum schlafen gefunden, also immer weiter...
Endlich eine Windschutzhütte!! Mein Zuhause für die Nacht. Ich trockne meine Sachen so gut es geht, verkriechen mich in den Schlafsack und schlafe.
11,5 Stunden bin ich heute gelaufen und 36,6 km sind mein persönlicher Rekord. Und bisher noch keine blasen, ausser dass meine perma-nassen Füsse ganz schrumpelig sind.

Tag 6 - Ten by ten, Baby - 26,6 km

"Ten by ten", Baby!!! Ich habe damit einen lang ersehnten Rekord gebrochen: bis 10 Uhr 10 Meilen (16 km) geschafft zu haben. Heute hat's geklappt. 
Sehr früh (mit Wecker) los aus der kalten Hütte in Ljusbodarna. Um 05:30 schien die Sonne. Leider ist immer noch dieser schnittige, Kälte Wind da, die Temperatur geht nicht über 10 Grad.



Eineinhalb Stunden lang sind meine Füße sogar trocken geblieben. Der Rest der ingesant 9 Stunden hiken hatte ich ständig Wasser in den Schuhen. Es ist einfach überall Wasser. Nur etwa 10 Prozent des trails sind trocken, ich glaub das wird so bleiben.



Ich habe nun meinen "pace" gefunden. Bin nach 26,6 km um 14:45 Uhr auf eine Windschutzhütte am See getroffen. Ich werde hier übernachten, es ist ein hübscher Ort.



Morgen soll um 7 Uhr der Regen anfangen und den ganzen Tag anhalten. Nach einem Tag Sonne, geht das wieder los.


Ich rufe den Regenwolken immer entgegen sie sollen weg, sie spielen auf verlorenem Posten. "Summer is coming !!"



Tag 5 - happy Vatertag - 21,1 km

Tag 5 - happy Vatertag - 21,1 km

Was für ein krasser Tag! Bis 9 war noch kein Regen aber Hindernis #13 hatte mir schon mal Wasser in beiden Schuhen beschert. Um 09:30 Kamera dann der Regen.

Und ich stapfte durch die überschwemmte Landschaft. Immer wieder umspült 4 Grad kaltes Wasser meine Zehen. Mit dem Wind zusammen ist es kalt. Das einzige was mich noch warmhält ist die Körpertemperatur bei Kraftanstrengung. Es sind 6 Grad immer wenn ich verschnaufe fange ich schnell an zu frieren. Also weiter: ich pushe und kämpfe mich den Trail entlang. Keine Rücksicht auf Verluste, wunden lecken kann ich später. In 6,5 Stunden bin gerade ich 21,1 km gelaufen.

Der Resolution ist wunderschön, aber schwer. Und es ist nass. Hoch und runter, Felsen, Wurzeln, umgefallene Bäume und eben Wasser überall, flächendeckend! Das ganze Land ist überflutet mit 4Grad kaltem Wasser.

Ich habe heute alle Kräfte aufgeboten um zu parieren was mir der trail entgegenschleudert. Ich hing an einem Baum bin meterweit gesprungen und die ganze Zeit gepusht um Meilen zu machen

Bis halb zwei, wo ich nass und durchgefroren das Glück hatte eine Hütte mit Kamin zu finden. Ich trockne meine Sachen (alles ist nass und eiskalt), trinke Tee und werde wieder warm. 
Obwohl ich nur den halben Tag gelaufen bin, entscheide ich mich zu bleiben. Da draussen ist widerliches Wetter, peitschender Regen und kalter Wind. Es soll erst um 01:00 aufhören zu regnen und ich wäre jetzt dabei mein Zelt aufzustellen. 
Laut Wetterbericht kommt noch mehr Regen: übermorgen (morgen soll die Sonne scheinen) und dann nochmal 3 Tage lang Regen. Wie soll ich das schaffen? 
Wahrscheinlich so wie bisher: einen Tag nach dem anderen, einen Schritt nach dem anderen.

Keine Fotos heute? Nein, war nur mistwetter und das Handy hat die meiste Zeit in einer ziplock Tüte verbracht.



Tag 4 - Schnee, Wind und Hagel, spater sonnig - 25 km

Ich habe in der warmen Hütte naturlich länger geschlafen und erst 08:30 bin ich los. 
Durch eine Schlucht geklettert und da drin lag noch Schnee!! Dann müsste ich aus dem Sumpfgebiet raus und musste irgendwann einfach durchs wasser. Um 09:30 war ich bereits erschöpft und hatte mal wieder klatschnasse Socken. War auch kaum zu verhindern, die Schneeschmelze ist noch nicht lange her, überall läuft Wasser ab, alle Bäche laufen über.



Geregnet hat es heute nicht, dafür war es aber den ganzen Tag saukalt. Den ganzen Vormittag war um die 5-6 Grad.
Da wollte ich in einer Pause meine Socken und Schuhe trocknen, und schon kam ne dunkle Wolke und hat mir Hagel über den Kopf gegossen! 
Gegen 13 Uhr kam ich in eine neue Gegend. Es muss hinter einer wasserscheide liegen, denn der Boden war deutlich weniger nass. Ausserdem würde es nerviger, wilder.



Ich habe wieder zahlreiche schöne Stellen gesehen. Es ist schwer zu beschreiben, die Natur ist seit hundert Jahren allein gelassen. Kippt ein alter Baum um, dann bleibt der da.. Abflüsse graben sich ihren weg um Felsen herum und gestalten die Landschaft und überall zwischendrin zarte Blumen, Farbe, Birken und zig ungewöhnliche Vögel. 

Ich habe mich heute sehr gepusht. Da ich gestern nur 13 km geschafft habe, brauche ich langsam grössere strecken. Ich komme nur so ewig langsam voran.....1,5 bis 2 km/h in diesem Gelände....gnnnn 

Erste Etappe ist durch. Ich hab mir an einem schönen See ein Plätzchen für mein Zelt ausgesucht. Jetzt abends ist es hübsch. Ich bin so kaputt ich schlafe bestimmt gut. An morgen kann ich denken, wenn Morgen da ist 😊



 (aber bisschen geluschert: um 10 kommt der Regen. 90% mit viel Wasser, dazu frischer Wind mit Temperatursturz, Max 10 grad, und es soll in der Nacht drauf weiterregnen.....also ist die nächste Phase mit nass und durchgefroren vorprogrammiert.)



Tag 3, was für ein Tag! - 13,7 km

Heute morgen gab ich gefroren. Um 4 Uhr wachte ich dadurch auf. Kopf, Rumpf und Füsse waren ok, Meine Schenkel und mein Hintern waren kalt. Überhaupt war es ein schwieriger morgen, es regnete immer noch.
Mein nasses Zelt hab ich aussen am Rucksack aufgehängt.

Um 06:50 bin ich los. bei massivem "Bush-whacking" per GPS durch die Landschaft, hab ich fast ne Stunde gebraucht um 1 Kilometer zu schaffen und meine Füsse waren wieder mal klatschnass. So ist es schwierig die Füsse zu schonen. Die müssen nun durchhalten.



Um 10:15 erreiche ich eine Hütte, die offen für Besucher steht. Mit Strom! Und Heizung!! Ich nutze die Gelegenheit mich auszuruhen, meine Socken und Schuhe zu trocknen und meine Elektronik wieder etwas aufzuladen. Bei Regen und Wolken ist nichts mit Solarpanel 😊 ich hatte nur noch für 2-3 Tage Strom.

Ich habe die letzten Tage viel innerlich durchgemacht. Am ersten Tag, die 3 Stunden Regen...Boa ey!! Es wäre so einfach, umkehren und mich wieder in den Zug setzen. Aber ich bin vorwärts gegangen, wenn auch zaghaft und misstrauisch. Die Wetterprognosen die weitere Tage Regen vorhersagten und die verdammte Kälte, ein riesiges, ominöses Hindernis, das mir Angst machte. Heute querfeldein zu müssen, das Moor zu durchqueren, es fühlt sich alles so unüberwindbar an, solange die "Tür hinter mir noch offen ist"!  Unterdessen ist die Tür weit entfernt, ich bin mitten drin. Die schlimmen Situationen werden sich nicht ändern, es sei denn ich gehe weiter. 
Und nach und nach fühle ich mich wohler dabei. Klar gibt es noch schlimme Zeiten, aber die gehen vorbei, solange man sich bewegt. Irgendwann kommt auch die Sonne wieder raus und dann sitze ich mollig warm und trocken irgendwo. Für die harten Phasen: Zähne zusammenbeissen und durch!!

13:30 die Hütte verlassen. 5,3 km bis zur nächsten. Die Landschaft wird anspruchsvoller. Das Wetter wurde besser, mehr Löcher in den Wolken. Die Sumpfgebiete sind alle prall mit Wasser vollgesogen. da durchzukommen ohne die Schuhe nass zu machen ist fast unmöglich. Irgendwann hab ich es aufgegeben: dann müssen die eben wieder trocknen. 



Dennoch war das Vorankommen schwer und mühsam: 3,5 Stunden hab ich fur die 5km gebraucht. 
Um 17 Uhr erreiche ich eine Hütte, mit Ofen, Koje und Tisch. Die nächste ist 3 Stunden entfernt. Ich bleibe, auch wenn ich nur wenig Strecke geschafft habe. Gut für die Füße und das Equipment zu trocknen. 



Es waren heute so viele Eindrücke, so viele Erlebnisse! Die Landschaft ist traumhaft. Kein eintöniger Wald, er ist wie ein Meer mit Inseln drin. Sümpfe und Felsbrocken von klein bis so groß wie ein Hochhaus! Uralte Bäume stehen neben jungen, keine 5 Minuten vergehen ohne dass sich die Stimmung ändert. Wahnsinn, deshalb bin ich hier draussen und sehe Dinge die man kaum erreichen kann.





Tag 2 - Durch den Regen gehts voran, 25,3 km

Heute war ein intensiver Tag. 11 Stunden war ich unterwegs, um die 25 km zu erreichen. 
Um 4 bin ich aufgewacht weil mir kalt war und mich bis 6 nicht getraut aus dem Schlafsack zu kommen. 4 Grad zeigte mein Handy.
Um 06:50 bin ich dann los. Vormittags blieb es weitgehend trocken und ich habe einige wunderschöne Plätze gesehen.

Früh morgens könnte ich den gegenüber liegenden Gipfel in der Sonne sehen, während unter uns im Tal alles in einer Wolke lag.



Die Landschaft ist traumhaft. Habe heute Biber, Störche, Kraniche und meinen ersten Rehbock gesehen 😊

Seit 12 regnet es aber...erst häufige Schauer und gegen Abend Dauerregen. Und die Hälfte der Strecke war Roadwalk, was anstrengend auf die Füße ist. 
 


Einigen Schauern könnte ich ausweichen, andere musste ich voll durch. Es war ein steter Wechsel heute, Regenklamotten anziehen und wieder ausziehen. Meine Socken sind meistens patschnass. 



Die Windschutzhütte wo ich eigentlich halt machen wollte, gab's nicht...da standen lauter private Häuser, also musste ich ein Stück weiter und mir ne ruhige Ecke für mein Zelt suchen.


Der Regen ist echt Schade. Darin macht wandern eher wenig spass. Die Momente zwischendurch sind dann wertvoll und die Tatsache dass man hinterher wieder trocken wird.  

Das soll  erst in 4 Tagen besser werden. Ich könnte mich einigeln, oder abbrechen, oder wo ich schon mal hier bin, kann ich auch einfach weiterlaufen.


Tag 1 - 12,1 km und klatschnass

Sehr erstaunt war ich diesmal über Flixbus, denn der Bus nach Stockholm war nach der 10-stündigen Reise auf die Minute genau pünktlich. Um 08:55 bin ich in Stockholm angekommen. Es ist kalt (heute morgen waren es 3 Grad!), grau und es regnet in Strömen.
Mit dem Zug geht es weiter 3 Stunden nach Smedjebacken, wo ich letztes Jahr meinen Trail beendet hatte. 

Um 13 uhr regnet es immer noch. In einer überdachten Bushaltestelle baue ich meinen Rucksack um, so dass alles was nicht nass werden darf geschützt ist. Nach einem dicken Bürger und einen letzten Blick auf den immer noch ungünstigen Wetterbericht laufe ich los.

Es dauert 3 Stunden bis ich von den Straßen runter bin und den Trail erreiche.



 Es giesst ohne Unterlass. Meine Regenjacke taugt nix mehr schon nach einer halben Stunde ist sie durch und meine Daunenjacke wird nass... Also musste ich sie ausziehen.



Ich pushe noch fast 2 Stunden weiter und um 18 Uhr finde eine Windschutzhütte!!! Hier bleibe ich. Meine Füsse schaffen heute sowieso nicht mehr viel und hier werde ich zumindest trocken und aus dem Wind schlafen.



Gott sei Dank. Ich war schön am verzweifeln: ich wollte nicht auch nachts vollgeregnet werden.
Morgen früh sollen es 4 Grad sein. Eine Verbesserung hehe 😊 erst gegen 13 Uhr klettert die Regenwahrscheinlichkeit auf 90% hoch, dann wird's wieder nass! 


Tag 0 - Die Reise beginnt

Immer wenn man entlegene Gebiete und unberührte Natur aufsucht, so muss man da erst mal hinkommen! 
Meine Reise startet am Nachmittag mit dem Einsteigen in den Flixbus nach Kopenhagen. 5 Stunden Fahrt. 
Das Wetter ist freundlich, die Sitze im Bus sind hart und für mich wie immer zu kurz, es gibt kein Platz um meinen Kopf anzulehnen.
Eineinhalb Stunden Wartezeit bis ein weiterer Flixbus mich nach 10 Stunden Fahrt nach Stockholm bringt. Und dann geht es 3 Stunden mit dem Zug nach Westen. Von da laufe ich dann los. Aber erst morgen. Heute schlafe ich trocken und warm (wahrscheinlich zum letzten mal...) im Bus. 

Frische Luft satt auf der Fährüberfahrt. 😊



19Kg im Rucksack ist zu schwer!

Ich habe an diesem Wochenende meine Ausrüstung fertig gepackt. Es ist zwar toll dass alles reingepasst hat (braver Rucksack) aber ich bin etwas irritiert: mein Rucksack ist viel zu schwer!!

Aber zum Packen:
Die letzten Male habe ich meine Ausrüstung gepackt indem ich alles auf eine Plane gelegt habe und dann aussortiert, was mitkommt und was nicht, bevor ich die Sachen im Rucksack verstaut habe. Das war immer eine "großflächige" Aktion, die den halben Garten beansprucht.
Dieses Mal habe ich meine Methode verändert: Ich habe zuerst mein Zelt aufgebaut (und gesäubert) und alles was ich habe einfach in einem Haufen vor das Zelt gelegt. Dann habe ich mich ins Zelt begeben und es mir darin gemütlich gemacht und nach und nach Dinge aus dem Haufen draußen ins Zelt genommen, die ich im Camp brauchen würde: Isomatte, Schlafsack, Klamotten und nach und nach alle Beutel nach innen genommen. Im Zelt selbst konnte ich dann jeden einzelnen Beutel auf Sinnhaftigkeit und Inhalt prüfen: Elektronik, Hygiene, Erste Hilfe, usw...

Das hat viel besser geklappt als die Jahre zuvor, setzt allerdings die Erfahrung voraus, die ich auf den letzten beiden Trips gesammelt habe, den so weiß ich was ich auf dem Trail brauche.

Dieses Jahr wollte ich mein Base-Weight reduzieren und daher den Deckel des Rucksacks (130g) und meine Regenhülle für den Rucksack (160g) weggelassen.

Essen habe ich wie immer eine Menge mit. Mein Resupply-Punkt erreiche ich erst nach 12 Tagen, also wollte ich für 12 Tage Essen mitnehmen. Das Essen wiegt nun 7 Kg und hält wahrscheinlich länger als 12 Tage...   aber beim Essen mache ich mir nicht so viel Sorgen mit dem Gewicht, denn erstens kann ich Dinge einfach wegwerfen oder eben aufessen.



Aber was mich überrascht hat dass mein Rucksack ohne Essen & Trinken (Base-Weight) bei 9,1Kg liegt. Den Base-weight zu reduzieren hat irgendwie nicht so richtig funktioniert.
Allerdings wird beim Nachmessen schnell deutlich wo das ganze Gewicht herkommt: 2 x Babywipes (180g), 2 x Gas zum Kochen (732g), Zigaretten (240g), und meine Flaschen wurden alle voll aufgefüllt: Seife, Mückenzeug, Hand-Sanitizer, Olivenöl, etc.... da kommt einiges zusammen.

Weil so, mit Essen und 3 Liter Wasser dabei wiegt mein Rucksack 19 Kg. Das wird definitiv schmerzhaft.

Hier ist der Link zu meiner Gepäck-Liste: Jetlag's Ausrüstung Schweden 2019

Solo-Trip Schweden 2019


Dieses Jahr geht es (mal) wieder nach Schweden, genauer in die Region Dalarna.

Ich plane einen solo-hike über 450km, starte an dem Punkt wo ich letztes Jahr meine Reise beendet hatte und von dort aus weiter nach Nordwesten. Dieser Trip ist diesmal nicht ein einzelner bekannter Trail sondern besteht aus Strecken von insgesamt 6 verschiedenen Trails: Sméleden, Romboleden, Olafsleden, Siljaleden und Södra Kungsleden und deckt damit einen Abschnitt des E1-Europawanderwegs ab.

Starten werde ich in der kleinen Stadt Smedjebacken, die ich mit dem Zug von Stockholm aus erreichen kann. In nordwestlicher Richtung geht der erste Abschnitt (180 km) über zahlreiche Dörfer bis kurz vor der 12 Tausend Einwohner Stadt Mora. Dort ist auch der erste garantierte Resupply-Punkt, denn es gibt hier sowohl einen ICA Maxi als auch einen Lidl-Markt. Allerdings muss ich 13 km vom Trail ab (und wieder zurück).

Hiernach geht der 2te Abschnitt los, wo ich bald auf/an die Offroad-Rennstrecke Vasaloppet gelange, der ich eine ganze Weile lang folgen werde (90 km). Besonders im Winter ist die Gegend stark von Langlaufski-Liebhabern besucht. Wie es dort im Sommer aussieht, wird sich zeigen. Zunehmend bergig geht es nordwestlich an Särna vorbei in Richtung norwegische Grenze. IN Särna selbst, ein beliebter Wintersport-Ort, soll es zahlreiche Supermärkte, Tankstellen, Burger-Läden und Pizzerias geben (ich freue mich jetzt schon)

Im 3. Abschnitt geht es auf dem "südlichen Königsweg", wild und bergig durch mehrere Naturschutzgebiete in die 1000 meter Höhenlage weiter, bis zur norwegischen Grenze wo sich der Königsweg und der E1 trennen. Im Dorf Grövelsjön hoffe ich auf einen Regionalbus, der mich irgendwie zurück zur Zivilisation und nach Stockholm bringt.



Insgesamt 18 Tage im Wald, plus An- und Abreise sind für dieses Jahr geplant. Diese Reise ist mein letzter Trainings-Hike bevor ich nächstes Jahr den Pacific Crest Trail in den USA versuchen werde.

Meine 3 Luxury-Items

Meine Top 3 Luxus-Gegenstände


Im Netz kursiert momentan unter den Wanderen eine Aufforderung: Benenne 3 Deiner Luxus-Gegenstände, denn jeder Wanderer gönnt sich insgeheim ja doch solche Gegenstände :)

Luxury-items sind Ausrüstungsgegenstände, die man eigentlich nicht mitnehmen dürfte, weil sie extra Gewicht verursachen und nicht absolut notwendig sind. Sie werden als Luxus bezeichnet, weil sie dem Langstreckenwanderer etwas sehr kostbares bringen: Komfort! Und diese Luxury-items kennt daher jeder Wanderer: Das kleine bisschen Komfort das man sich zum Preis von Extragewicht zusteht.
Die Entscheidung, welche Ausrüstungsgegenstände mit auf die Reise sollen, ist eine sehr persönliche: ob ein Kissen, ein Plüschtier, Musikinstrument oder Zusatz-Elektronik, jeder Einzelne hat da seine eigenen Prioritäten.

In diesem Post möchte ich meine 3 Luxury-items vorstellen:

1) Z-Seat


1) Meine Sitzmatte von Thermarest: Z-seat




Eigenschaften:
mit 41g Federleicht, einfach zu verstauen. Genau wie meine Schlafmatte isoliert das Material vor Kälte, ist unkaputtbar und wasserfest.

Nutzung:
Ich bin immer wieder selbst erstaunt wie praktisch und wie wunderbar es ist, die Sitzmatte dabei zu haben. Jede Benutzung erinnert mich daran, nie wieder ohne diese Matte loszugehen :)

Vorne in der Mesh-Tasche verstaut, kann ich die Sitzmatte herausholen ohne den Rucksack aufmachen zu müssen. Auflegen, raufsetzen, seufzen. Egal ob auf einem Felsen, einem Baumstamm, auf einem Haufen Schnee oder einfach ins nasse Moos. Ich bleibe trocken und warm.
In der Mitte gefaltet kann ich damit das Feuer anfachen, oder aufgestellt als Windschutz zum Kochen verwenden. Nachts ist dies meine Fußmatte, genau vor dem Zelteingang, wo ich meine Flip Flops ablegen kann und bei Bedarf eben mit Socken aus dem Zelt (auf die Fußmatte) steigen kann.


2) Silk Liner



Eigenschaften:
hauchdünn, 100% Seide, wundervoll angenehm auf der Haut, allerdings etwas (zu) schwer: 110g. Wird innen im Schlafsack verwendet.

Nutzung:
in Seide zu schlafen ist einfach wundervoll. Punkt.
Bei Wärme, kühlt die Seide, bei Kälte wärmt sie einen. Tatsächlich erhöht sie die Wärme-Fähigkeit des Schlafsacks um fast 2 Grad Celsius. In einer besonders heißen Nacht, wenn der Schlafsack viel zu warm ist, reicht der Liner zum Zudecken.
Die Hauptfunktion allerdings ist die Hygiene. Wenn ich wochenlang ohne zu duschen, jeden Abend direkt in meinen Schlafsack steigen würde, wäre dieser nach kurzer Zeit stark verdreckt und stinkig. Einen Schlafsack zu waschen ist eine riesige Aktion, die draußen auf dem Trail nicht möglich ist. (Man benötigt dafür Tennisbälle :) )
Also steige ich stattdessen in die Seidenhülle und dann in den Schlafsack. Den Seiden-Liner kann ich im Camp, an einem See oder so, leicht waschen und mein Schlafsack bleibt deutlich sauberer und hält damit länger.


3) Mein Solar-Panel



Eigenschaften:
3-flächiges Solar-Panel von Anker. 2-facher USB Ausgang, 21W Leistung (max), 429g

Nutzung: 
Bei Sonnenlicht-Einfall wird Strom generiert. Gratis-Strom. Einfach "aus dem Nichts".
Allein das Prinzip ist doch schon genial. Auf der letzten Reise (Bergslagsleden, 2018) habe ich 16 Tage lang keine Steckdose gebraucht.
Ich lade normalerweise Nachts mein Handy an meiner Powerbank wieder auf. 5 Tage lang kann ich mein Handy voll behalten, nur durch die Powerbank. Tagsüber, wenn die Sonne scheint, habe ich mein Solarpanel auf dem Rucksack gespannt, und lade damit permanent meine Powerbank, die in der Nackentasche steckt. So bleibt meine Powerbank voll geladen, und falls es mal regnet habe ich noch 5 Tage lang Strom.
Das Teil ist allerdings schwer: 429g für ein Ausrüstungsgegenstand ist eine ganze Menge. Meine Powerbank (20000 mAh, auch schwer: 350g) möchte ich nicht tauschen, die ist für mich essentiell. Also ist das Solar Panel, das mir das tolle Gefühl schenkt, unabhängig vom Strom-Netz zu sein, eindeutig ein Luxus-item :)



Fotos zum Bergslagsleden 2018

Fotos vom Bergslagsleden - Solo-Tour 400 km


Meine Kamera ist nach der ersten Woche auf dem Trail kaputt gegangen. Hundertmal den Handgriff gemacht und einmal falsch gegriffen, Kamera rutscht ab und fällt frontal mit der Linse auf einen Felsen. Verschluss ist verbogen, die Kamera ist nicht mehr zu benutzen. Die restlichen Fotos vom Trail musste ich mit dem Handy machen und die hatte ich gepostet...
Hier sind nun die Fotos aus der Kamera :)

1) Der Trail

Der Bergslagsleden ist 360 km lang und extrem gut beschildert. Jede Kreuzung oder Abzweigung ist in beide Marschrichtungen gut und deutlich markiert.

In einem Gebiet das übersät ist mit großen runden Felsen (einige so groß wie ein Haus) wird die Gegend "Troll-Höhen" und "Troll-Wald" genannt. Auch der Trail selber ist voller Felsen, was das Vorwärtskommen deutlich erschwert. Das geht fast einen ganzen Tag lang so. Die kleinen Felsen überall im Boden habe ich daher "Troll-Eier" getauft.


Im Wald ist wenig Wind. Wenn man dann an einen See kommt, wie diese Raststätte, ist das Wasser spiegelglatt. Der Platz war so schön, dass ich obwohl es noch nicht spät war, hiergeblieben bin und mein Camp aufgebaut habe für die Nacht. Wunderbarer Platz.


Man muss in Bewegung bleiben, sonst holen einen die Mücken ein, die es hier zu zig Tausenden gibt. Schade eigentlich weil so viele Plätze laden ein, mal stehen zu bleiben und die warme Luft einzuatmen und die Umgebung zu bestaunen.


Sonnenlicht ist von 4 Uhr morgens bis abends um 10 reichlich vorhanden. Dieses Foto ist im Abendlicht gemacht worden, wo ich nach einem langen Tag auf der Suche bin nach einem Platz wo ich mein Zelt aufschlagen kann bevor es dunkel (und kühl) wird.


Auf einen Sonnenuntergang muss man bist 23 Uhr warten :) Dann allerdings ist die Belohnung groß. Hier wird auf der Feuerstelle noch mal ein Liter Tee gekocht, während der Mond sich auf der Oberfläche des Sees spiegelt. Das Feuer hält die Mücken fern.


Die Schweden lieben und genießen ihre Natur sehr. Viele schöne Stellen haben diese Rastplätze wo es eine Feuerstelle und Sitzmöglichkeiten gibt. Wenn ich nach stundenlangem Laufen plötzlich an so einen Platz komme, bin ich so erleichtert und freue mich tierisch auf die nun folgende Pause.


Trotz der großen Hitze 2018 bietet der Wald immer wieder Strecken mit Schatten und kühler Luft. Gerade wenn ich eine Anhöhe erstiegen habe weht oben manchmal sogar ein bisschen Wind. 


Auf jeden bekannten Trail gehört "Trail-Art" einfach dazu. Die Wanderer nehmen sich Zeit kuriose Skulpturen und Steintürme zu bauen, aus den Materialien die überall herumliegen. Wenn ich an solchen Beispielen von "Trail-Art" vorbeikomme, muss ich lächeln und an die Leute vor mir denken, die das erstellt haben.


 
Schweden ist übersät von Tausenden kleiner und größerer Seen. Wasser ist definitiv nicht knapp. Ich habe zwar immer gefiltert aber die schwedischen Wanderer trinken meist direkt aus den Seen.


Während in Deutschland die Waldstücke meist künstlich angelegt sind und sie fühlen sich daher immer gleich an. In einem naturbelassenen Wald, besonders einer der sich wie man hier sieht hunderte Kilometer in alle Richtungen erstreckt, ist der Abstand der Bäume meist viel größer als wir es gewohnt sind. Alle 10 bis 15 Minuten ändert sich der "Look & Feel" drastisch. Die Lichtverhältnisse, der Bodenbelag, der Geruch und die Temperatur der Luft scheinen nie gleich zu sein. 


Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu und ich erreiche wieder einen See. Ich erkenne einen weiteren Rastplatz mit Feuerstelle und Windschutzhütte. Nur diesmal ist er voller Menschen die hier baden. Ohh, ich will auch!!!

Je weiter der Abend (und der Sonnenuntergang) fortschreitet, wird der Platz leerer, bis ich wieder allein bin und den Strand, den Rastplatz und den riesigen See für mich allein habe.


Diesmal warte ich bis zum Sonnenuntergang (bis 23 Uhr) denn was ich hier erlebe ist atemberaubend schön. Die windstille Luft ist noch warm, nach dem Sprung in den See bin ich sauber und glücklich. Ich sitze nur still da, lausche den Geräuschen des Waldes und fühle mich so stark an diese Welt, an den Himmel und den Boden gebunden wie nie zuvor.




Ist es nicht langweilig, wochenlang nur durch den Wald zu wandern? Das werde ich oft gefragt. Die Antwort ist nein. Definitiv nicht. Man muss seinen Blick auf andere Dinge richten, als die die man gewohnt ist (Informationsflut in der Zivilisation) und eher auf die kleinen Dinge achten und die subtilen, die im Wald plötzlich ganz deutlich hervortreten: Temperatur, Feuchtigkeit und Geruch der Luft, Geräusche von Tieren und Pflanzen die man über das gesamte Tal hört, Farben und Untergrund des Waldes, die sich ständig verändern. Nicht. Langweilig. :)

2) Die Ausrüstung

Als Langstreckenwanderer bin ich natürlich mega-stolz auf meine Ausrüstung. Die meisten Teile liebe ich denn erstens sind sie das einzige was ich dabei habe und das einzige worauf ich mich verlassen kann. Bei ein paar Teilen muss ich mich erst noch dran gewöhnen und herausfinden ob sie das bieten was sie versprechen :)

Spontane Pause mitten auf dem Trail. Es ist ein tolles Gefühl, alles was man braucht dabei zu haben. Irgendwann schultert man einfach den gepackten Rucksack wieder, und es geht weiter zu unbekannten Gebieten. Was steckt wohl hinter dem nächsten Baum, dem nächsten Tal? Egal was passiert, ich habe alles dabei. Mobiles Wohnen :)


Zu Beginn ist das "häuslich etablieren" an einem neuen Camp-Spot noch ungewohnt. Nach ein paar Wochen sitzt jeder Handgriff und die Ausrüstungs-Gegenstände landen immer auf derselben Position. So vermindert man auch das Risiko, etwas zu verlieren oder zu vergessen (eines der Schlimmsten Dinge, die einem auf dem Trail passieren kann).
Hier sieht man meine morgendliches Frühstücken :) 7 Uhr morgens, Kaffee wird gekocht, links im Bild steht die Tüte mit dem Müsli, Zelt und Rucksack sind schon eingepackt, weil gleich geht es wieder los und weiter!



Viel Platz brauche ich nicht für einen guten Camp-Spot: 2x3 meter, eine möglichst ebene Fläche. Natürlich mit Vorliebe ein Platz der sowohl geschützt ist und trotzdem eine tolle Aussicht hat!
Mein Zelt (Skyscape Trekker von SixMoonDesigns) wiegt 800 gramm. Mit seiner 2,60 meter langen Liegefläche passe auch ich da gut rein. Man kann die 8 cm hohe "Wanne" sehen, die als Sturzwasser- und Regenschutz gilt. Wenn die Seitenwände wie hier hochgespant sind, liegt man praktisch in einem durchsichtigen Moskitonetz und hat wunderbare Sicht in alle Richtungen. Ich habe in den 16 Nächten immer offen geschlafen. Nur bei Regen hätte ich die Seitenwände runtergelassen. 
Innen im Zelt. Rot ist mein Schlafsack, gelb die Isomatte. Blau ist mein Kleider-Sack, Schwarz am Fußende mein Rucksack. Draußen stehen mein Kochtopf, 2 Gaszylinder und 3 von den 4 Wasserflaschen.


Ich will beim Wandern so wenig wie möglich anhalten (außer bei Pausen). Daher muss der Rucksack so gepackt sein, dass man ohne ihn abzunehmen, alles notwendige schnell erreichen kann. Hier sieht man mein "Cockpit".
Rechts hängt an dem lila Karabinerhaken mein Kompass. In der Brusttasche sind Feuerzeug, Moskito-Kopfnetz und Anti-Mücken-Öl. Links hängt meine Bandana, zum Gesicht ab- und Spinnweben weg-wischen, als Atemschutz bei Staub oder Sonnenschutz im Nacken, ein extrem vielseitiges Ausrüstungsstück. Am linken Karabiner hängt mein "Juju", ein Bildnis der heiligen Fatima, von meiner Frau. Von meiner Tochter habe ich ein rosanes Haargummi und ein Abzeichen von Nissan (tja..). Wenn man wochenlang allein im Wald ist hat Aberglaube und Symbolik einen hohen Stellenwert :)
Ganz links am Rucksack hängt mein Aschenbecher (Plastiktüte mit Ikea-Klappverschluss) und man sieht die Wasserflasche, die ich im Laufen unterm Arm herausziehen kann. Über den Rucksack gespannt ist mein Solar-Panel, das meine Powerbank (im Deckelfach verstaut) wieder auffüllt. Bei dem guten Wetter Mai/Juni 2018 habe ich 16 Tage lang keine Steckdose gebraucht!


Der womöglich wichtigste Ausrüstungsgegenstand bei Langstrecken-Wanderungen: gute Schuhe! Ich habe dieses Jahr Salomon-Schuhe vom Modell X Ultra 3 verwendet. Leicht, extrem guter Grip, fest und stabil, sogar hübsch und vor allem Luftdurchlässig & atmungsaktiv. Die  Bindung ist ohne Knoten und hat keine Schlaufen wo etwas drin stecken bleiben könnte. 
Letztes Jahr bin ich mit GoreText-Schuhen gelaufen (Salomon XA Pro 3D, GTX), das mache ich nie wieder. Denn Schuhe werden immer irgendwann mal nass. Bei den GTX-Schuhen läuft das Wasser oben am Schaft rein - und geht nie wieder raus. Bei den Ultras kann man bei jedem Schritt den Wind spüren, wie er unter den Socken durchfährt. Wasser in den Schuhen verdunstet tatsächlich relativ schnell...  feuchte Socken sind tausend mal besser als pitschnasse! :)


Kurz vor dem Abendessen. Die Hälfte des Gewichts das ich trage, macht das Essen aus und wird in den 2 blauen Taschen verstaut. Der große Deuter Dry-Bag ist Wasser- und Luftdicht und soll angeblich auch den Geruch halten. 
Nicht immer hat meine Küche eine echte, erhobene Sitzfläche, sogar mit integriertem Schneidebrett. Mein Wohnzimmer ist immer ähnlich aufgebaut und meine Terrasse ist die größte der Welt :)
Ich trage 30 Meter Paracord, halb so dünn wie ein Bleistift, hat eine Haltekraft von 550 Kilo und wiegt 55g. Da hängt gerade meine frisch gewaschenen Klamotten dran.
Unter dem Zelt liegt eine zugeschnittene weiße Tyvek-Folie. 100 Gramm schwer, dünn wie Klopapier aber unkaputtbar und wasserfest soll dieser "Footprint" meinen Zeltunterboden vor Schäden und mich vor nassen Überraschungen schützen.


Soo viel Platz habe ich in meinem 800g 1-Person-Zelt. Am Fußende immer noch 40 cm Luft, breit genug um auch meinen Rucksack im Zelt zu lagern. Die Position der einzelnen Ausrüstungsgegenstände ist immer gleich und hat sich so etabliert: Wanderklamotten am Fußende, Fuß drauflegen. Am linken Knie der Rucksack. Die Daunenjacke in blau kommt dann in den Klamotten-Sack und dient als Kopfkissen. Kosmetik- und Hygienepack liegt am rechten Knie. Elektronik linke Schulter, Brille, Kugelschreiber, Block und Karten an der rechten Schulter. 
Wie erwähnt schlafe ich immer wenn möglich mit offenem Zelt (Seitenwände weg), da ist die Aussicht einfach dauerhaft zu genießen.

3) Jetlag im Einsatz

Nur die Landschaft zu fotografieren ist eine Sache. Aber erst wenn man die Person(en) mit abbildet kann der Bezug richtig hergestellt werden. Und zweitens kann ich so sehen dass ich nicht geträumt habe sondern tatsächlich da war :)


Jetlag mit aufgespanntem "Rig", irgendwo im endlosen Wald. Deutlich happy :)


Wenn man tagelang Waldboden unter den Füßen hat ist das plötzliche Auftauchen einer "echten" Strasse fast ein Kultur-Schock! 


Nach einem langen anstrengenden Tag bin ich heilfroh ein Platz für mein Zelt gefunden zu haben. Jetzt wird erstmal ordentlich was gegessen und dann schlafen. 
Bisher bin ich immer trotz der Helligkeit an schwedischen Sommer-Abenden sofort eingeschlafen und habe volle 8 Stunden durchgeschlafen. Mein Körper braucht die Erholung.

Abends nochmal den Blog aktualisiert und dann brauche ich nichts mehr zu tun. Einfach daliegen, und ausruhen. Man sieht hier nochmal gut wie "durchsichtig" mein Zelt ist. Hier am Kopfende gibt es fast nichts mehr, was die Aussicht stört, auch nach oben nicht, wo ich die Baumwipfel beobachten kann. Die Luft geht widerstandslos durch das Zelt (die Mücken werden rausgefiltert) so dass auch alle Geräusche unverfälscht ins Zelt gelangen. Es ist so still im tiefen Wald, keine Motoren, Musik oder Stimmen, nur die Natur pur. Jeder Vogel der piept, jeder Fisch der springt, hört man im ganzen Tal, auch wenn am anderen Ufer ein Reh (oder so) raschelt. Wunderbar!


Es war dieses Jahr so warm, dass auch das Wasser der Seen gut zum Baden war. Was für ein tolles  Gefühl, ein Riesen-See, weit und breit keine Menschen (oder Häuser). 
Mein See! und ich bin der einzige Mensch auf der Welt :)


Es ist dasselbe wunderbare Gefühl, wenn man oben auf einem Berg steht (Hügel?), sich in jede Richtung die "Haut der Welt" (der Wald) erstreckt bis zum Horizont, nicht ein Haus zu sehen ist und über mir der riesige Himmel, ungefiltert, unverbaut. Der Geruch dieser frischen, unverschmutzten Luft ist der Hammer! 
Es ist anstrengend so lange Strecken zu Fuß zu bewältigen, und es dauert seine Zeit, aber man erreicht Orte die sonst fast niemand je zu sehen bekommt. Das ist das wunderbare am Wandern!

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