Tag 8 - durch die Mojave-Wüste -17,3 Mi (27,7 km)-

 Es war heute morgen angenehm, bei ca. 13 Grad. Der böse Wind ist nicht erschienen. Hab mich nachts nur 7 statt 20 Mal umgedreht.

Inmitten dieser Windfarm schien der Morgenhimmel riesig. Die meisten waren schon los, als ich erst um 8 den Weg angetreten bin.



Voraus, auf der anderen Seite der Mojave, sehe ich das Bergmassiv, wo mein Weg mich durchführt. Geradeaus geht's hoch, dann links entlang der Bergkämme bis an dem dicken, weißen und schneebedeckten vorbei. Die nächsten 1-2 Wochen, etwa.





Für mich geht's erstmal durch, meist auf rötlichen Sandsstraßen, hartgebacken von der Sonne, schnurgerade Strecken, kaum Schatten zu finden. Es geht entlang des LA aqueduct, der Wasser aus dem Bergen in das Großgebiet Los Angeles bringt.

Es geht mir sehr gut, ich mag die Wüste und die Hitze. Mein trainings-hike in die Negev-Wüste hat durchaus was gebracht. Und meine Ausrüstung / Wüstenkluft funktioniert top.

Die ersten 1,5 Stunden bin ich in kurze Ärmel und Shorts gelaufen, um den körpereigenen Sonnenschutz zu animieren. Danach mit dem Sun-hoody, Hut drauf, festbinden. Sonnen-Handschuhe an und Ärmel unten festmachen, und die ZIP-Hose lang machen. Somit kommt keine Sonne mehr auf die Haut, zudem sind die Fasern alle leicht und luftig, und trocknen schnell. In der Hitze schwitze ich und das kühlt dann sehr schnell ab. Toll.

Es sind ca 30 Grad, manchmal kommt ein Hauch Wind.

Nach 3 Stunden hab ich mich in den Schatten eines Joshua-trees gelegt und ne Stunde geruht. Siesta =schlafen konnte ich nicht, den ich war halt nicht müde.




Der Weg entlang des aqueduct war lang, heiß und eher langweilig. Nur die harte Sandstraße, links und rechts eingezäunt. Der Camp-spot, dem ich eigentlich erreichen wollte, war keiner. Exponiert, hässlich, unpraktisch. Kurzerhand entschieden ich mich also noch Mal 8 km bis nach hiker-Town zu laufen. Ziemlich K.O kann ich dort um 17 Uhr an. Das "Zimmer" kostete 30 dollar die Nacht: eine kleine holzbox mit Fenster, ein Bett, ein Autositz draußen vor der Tür.




Hiker-Town ist aber cool, ikonisch. Und ich bin froh heute nicht draußen schlagen zu müssen.

Die Besitzer haben uns (6 hiker) zu dem Market im nächsten for gefahren und da habe ich einen wunderbaren Burger gegessen.

Wie der Plan für die nächsten Tage aussieht, werde ich morgen austûfteln. Jetzt brauche ich Schlaf.

Eine Woche auf dem trail, yay!! Heute war der 17. April

Tag 7 - runter in die Wüste - 14,7 mi

 In meinem Zelt waren heute morgen 1,6 °C, die Grenze für meinen Schlafsack. Es ging aber, klar war's kalt nachts, aber nicht schlimm.

Der Sonnenaufgang oben auf dem Berg war glorreich. Der Weg ging von 6300 ft auf 3000 ft runter, den ganzen Tag lang. In ewigen switch-backs (Serpentinen) ging es im zick-zack die Berghänge runter durch Felder von gelben Blumen und silbrigen Gras. 




Der Weg durch die Wüste war wunderschön! Meist Sand, ist der Boden gesprenkelt mit Gras- Büscheln, Blumen-Büscheln und kleinen dornigen Büschen. Der Blick geht über die Fläche Wüste vor mir auf die gegenüberliegende Bergkette mit dem schneebedeckten Baden-Powell in der Mitte. Mit jeder Serpentine word es wärmer.





Ich habe den Weg heute so genossen, fantastischer Bilder überall um mich herum.

Etwa 8 hiker getroffen heute, alle NoBo (northbound), und habe viele interessante Gespräche gehabt, sowie ne Menge Infos von der Strecke vor mir.


Wasser filtern am bach


Nach etwa 23 km , an einem Fluss der durch die riesige Windfarm geht, cable ich mit denselben Leuten wie gestern auf dem Berg.

Hiker-Town liegt 28 km entfernt.

Es ist ein Zipfel von Boden der Mojave-Wüste, den ich durchqueren muss. Flach und heiß. Ich denke ich werde nicht die ganze Strecke gehen, sondern noch in Ruhe einen Tag in der tief-Wüste genießen, bevor ich nach Hiker -Town gehe.

Mir geht's wunderbar, habe unterdessen Hunger, und mein Husten ist gestern wohl eingefroren. 





Ich habe bestimmt 50 Fotos gemacht heute, ich kann leider nur wenige davon hochladen, weil die Verbindung nicht besonders gut ist.

Tag 6 - noch einen Berg hoch - 16,8 mi (27 km)

 Heute lief alles viel besser und es gab einige Erfolgserlebnisse.

Gleich morgens in der Hotel Lobby sitzen beim Frühstück 3 PCT hiker: Vollbart, Daunenjacke, dicke Schuhe und dreckige Hosen und dieses Leuchten im Gesicht.

Wir sind zwar zur selben Zeit gestartet (auch nach Süden), aber nach ner Stunde waren die weg, wir voraus.

Aber das coolste war, in dem Auto das mich abholen sollte, saßen noch 3 hiker, und 2 davon waren die beiden die ich vor Wochen schon auf YouTube angeschrieben hatte. Ich hatte kommentiert wir würden uns vielleicht treffen zwischen Tehachipi und hiker Town, und da saßen die beiden im Auto. Allerdings laufen die nach Norden

7:30 ging's los und ich war im 16 Uhr auf meinem (wirklich hübschen) Camp-Spot. B von den 8,5 Stunden warten 6,5 Stunden nur bergauf. Und es ging!!! Kraft war da, Ausdauer war da. (Und der blöde Husten war da).



Bin von tehachipi aus hoch auf den Berg, auf 6300 Fuß Höhe (knapp unter 2000m). Es bleibt ein eisiger Wind, aber die Wolken haben sich weitestgehend verzogen.



Bin ganz oben auf dem Berg und es ist ein tolles Licht. Ich kann von hier sehen wo ich die nächsten 3,5 Wochen hinhauen werde. Das Bergmassiv vorne, mit dem ganzen Schnee, ist Baden-Powell, der erste 3000 er, der Schneeberg links im Hintergrund ist Big Bear. Und das riesige Tal davor ist die Mojave Wüste. Da geht's morgen runter und entlang des LA aqueduct nach Hiker Town, das ich in ein paar Tagen erreichen sollte.



Heute Nacht wird es hier oben wohl unter den Gefrierpunkt kommen, aber es soll nicht regnen. (Hoffentlich, weil ich lasse mein Zelt offen.

Es ist 19:20, und ich mümmel mich jetzt in mein Schlafsack. Gute Nacht

Tag 5 - zero-day (0 Meilen) in Tehachipi

 Der Wetterbericht meinte es würde heute, Sonntag, noch regnen/schneien, also habe ich noch eine Nacht gebucht im Belmont Hotel und mache hier einen zero-day, einen Tag wo keine PCT-Meilen gemacht werden.

Draußen schmilzt der Schnee, die Berge ringsum sind weiß. Ich habe sehr lange von dem Frühstücksbuffet profitiert, an meisten tat mir der Orangensaft gut. Dann lag ich lange in der Badewanne und habe meine Füße massiert und meine Ausrüstung im Zimmer zum trocken verteilt.



Die Empfangsdame hat mir eine Liste mit Nummern von trail-angel gegeben, Leuten die freiwillig PCT hiker helfen. Mit "Mike" habe ich vereinbart, das er mich morgen früh um 7 zum trail fährt. Denn morgen soll es weitergehen.



"Chris" habe ich auch erreicht, der kann um mich abzuholen und in die Innenstadt zu fahren. Chris ist 78 Jahre alt und ist vor 10 Jahren den PCT gelaufen. Stolz hat er mir die alten Fotos gezeigt, wie er in Canada an den monument steht. Er hat mich ganz genüsslich in der ganzen Stadt runterfahren, mir jeden Supermarkt und jedes Restaurant gezeigt, und mir viele Ratschläge für den PCT mitgegeben. U.a. meinte er meint Schlafsack sei wohl ausreichend. Was mir allerdings fehlt, meint er, Seiten Regenhosen. Ich saß ne halbe Stunde bei Walmart in seinem Truck (hier fährt niemand normale Autos) gesessen während wir uns Unterhalten haben. Schließlich sagte er wenn ich Lust habe würde er heute Abend seine Frau mitbringen und mit mir essen gehen. Wahnsinn!

Einkaufen in Walmart (Thunfisch für 5 Tage) und dann im Regen zur Stadt in eine deutsche Bäckerei, wo ich nun eine heiße Schokolade und irgendein Gebäck zu mir nehme um auf 17:30 warte um Chris anzurufen. In der Bäckerei wollte die Maschine meine internationale Kreditkarte nicht annehmen. Also bekam ich alles umsonst!

2 hiker have ich getroffen, ein junges Pärchen aus der Schweiz. Die waren von weitem vom Stadtvolk zu unterscheiden: ganz in Regenkluft eingehüllt. Und wie so typisch wenn sich hiker treffen, wenn man in kürzester Zeit so viel wie möglich erzählen und fragen will , standen wir praktisch auf der Straße, im strömenden Regen uns haben alle möglichen Informationen ausgetauscht. Die beiden gehen ebenfalls morgen nach Süden, vielleicht laufen wir uns bald noch Mal über den Weg.

Ich traf am örtlichen Barbecue-Restaurant Chris und seine Frau. Nicht nur gab's für PCT hiker einen Rabatt von 20% wenn man seinen permit vorzeigen konnte, Chris übernahm auch noch die gesamte Rechnung!

2 Stunden lang haben wir uns Unterhalten und gut gegessen. Er hat so viele Geschichten erzählt, Orte beschrieben und mir Tipps gegeben, dass mir das eine Menge Kraft gegeben hat, den Teil weiter zu erleben.

Er meinte noch, am 4 Juli wurde er am Crater Lake sein in der teuersten Lodge der Gegend um seinen 50 ten Hochzeitstag zu feiern. Früher konnte er sich so was nicht leisten, aber heute sei er alt und nun geht's. Ich soll am 4. Juli dort sein, forderte er mich heraus, dann sollte ich ihn anrufen.



Aber nun: resupply organisieren, Sachen vorpacken und schlagen gehen. Um 7 werde ich abgeholt und dann geht's wieder auf den trail. 

Ab morgen werde ich wieder ein paar Tage kein Internet haben.

Tag 4 - 3,1 Meilen, der Wintersturm

 Es war kalt bei mir oben auf dem Berg aber ich hatte mein Zelt so gut hinter einen Stein aufgebaut dass bei mir kein Wind war.

Ganz langsam bin ich um 7 los und fühle immer noch diese Schwäche, jede Anstrengung ist so schwierig. Meine Muskeln sind steif aber es scheint ein bisschen besser zu gehen.




Ich wollte wegen der Schneesturm-Warnung nur ein paar Meilen weiter nach Landers meadow campground, weil ich gelesen hatte dass es dort besser vor Wind geschützt sei. Kurz nach 9 war ich bereits da. Und dort stand eine große Gruppe Trucks mit etwa 25 Männern. Eine Kirchengruppe wie sich herausstellte, die mit Kids aber ohne Frauen ein Camping Wochenende machten. Die hatten alle erdenklichen Ausrüstung mitgebracht, sogar Generatoren für Strom.

Mit würde ein Frühstück angeboten: ein gut gewürzter Ei-basierter Mischmasch, mit Bacon vom Lagerfeuer, eingerollt in tortillas.

5 Stunden lang blieb das Wetter schön, kalter Wind aber wolkenlos.



Es sah partout nicht danach aus dass heute ein Wintereinbruch kommen sollte. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl ich hätte 8 oder 10 Meilen weiterlaufen sollen, und habe mit mir gerungen, sicherheitshalber dazubleiben. Der Ort war geschützt und es waren andere Menschen dort. Ich hatte hier etwas weniger Angst vor dem was kommen mochte.

Ich habe eine halbvolle Gaskartusche geschenkt bekommen und ein paar Haferflocken-päckchen.

Vorher blauer Himmel und um 14 Uhr kamen die ersten paar Wolken. Eine Stunde später ist die Temperatur von 16 auf 6 Grad gefallen. In dem Tannenwipfeln rauscht der Wind und es wird dunkler. Manchmal kommt ein kalter Lufthauch von oben, das mein Atem schlagartig weiß wird.

Die Hälfte der Gruppe ist abgefahren, aber einige bleiben hier, gut. Ich werde mich einfach ans Lagerfeuer dazustellen, ich kenne die kulturellen Spielregeln der USA nicht, ob das OK ist. Besonders willkommen fühle ich mich nicht.

Mein Zelt ist mit Felsen sturmfest gemacht, und ich werde die Seitenwände herunterziehen zum Schlafen. Das habe ich bisher nur einmal in Schweden gemacht, sonst immer offen geschlafen. Ich habe keine Ahnung wieviel Schnee kommen mag. Auf jeden Fall kommt heute mein Wasserfilter, Handy und Akku mit in den Schlafsack.

Und dann!!

Kommt einer um 17 Uhr mit seinem Truck ( Spitzname "Truck Norris") zurückgefahren und erzählt was er im Wetterbericht gerade gelesen hat, als er endlich Internet gefunden hatte: Schnee bis 15 cm, 90% Wahrscheinlichkeit, Temperaturen gehen in der Nacht runter auf -7°C mit wind-chill auf -15°C !!

Das glaube ich, ist wirklich gefährlich, besonders da mein Schlafsack nur bis ca 0° geht.

Alle anderen haben sofort entschieden, den Camp abzubrechen und nach Hause zu fahren. Die würden mich mitnehmen (Gott sei Dank).



Kurz darauf ging es auch schon an zu schneien.

Ich hatte die Wahl zwischen Lake Isabella ( mein Ursprungsort) oder Tehachipi (mein Etappenziel), und nur kurze Zeit zum Nachdenken.

Tehachipi ist es dann geworden. Mit dem Jeep aus dem Bergen runter in die Wüste, bei dunklen Wolken und Schneegestöber. 80 km und 3 Stunden später stehe ich an der Tankstelle an der Highway bei Tehachipi im Schneechaos. Einen frag ich die Frau von Subway, wie komme ich da hin wo ich eine Nacht verbringen könnte? Da meint ein Typ hinter mir "ich kann dich fahren" und der war ein Highway Patrol, ein Polizist.

Ich bin also mit so einem dicken, schwarz-weißen US Polizeiwagen mitgefahren (vorne, weil hinten war mein Rucksack), bis zum Hotel wo ich jetzt warm, trocken und sicher sitze!



Da hatte heute das Schicksal ganz komischen Humor.

Tja und ich bin in Tehachipi, 40 Meilen des trails habe ich damit übersprungen. Zum einen hab ich geschummelt, zum anderen spiele ich nach meinem eigenen Regeln und die dürfen bei Bedarf auch gebrochen werden.

Übrigens, ich habe mit mehreren Leuten darüber gesprochen und es scheint klarer: ich leider unter Symptomen der Höhenkrankheit!

Die Effekte die ich gespürt habe seien normal bei über 6000 Fuss,v wenn man das nicht gewohnt ist und brauchen einige Tage bis der Körper lernt mehr Sauerstoff zu verarbeiten. 

Tag 3 - 12,4 Meilen (19,6 km)

 Die Nacht war relativ warm (11 Grad) und daher hab ich ne gute Menge geschlafen. Ich fühle mich immer noch schwach, Kreislauf und Atmung schlagen immer noch bei jeder kleinen Bewegung an.

Mein Camp-Spot ist eigentlich wunderschön gewesen, habe nicht viel davon mitbekommen gestern weil ich so erschöpft war.



Es ging nun erstmal zum nächsten water-cache. Weitergehen bergab, was gut war. Um 13 Uhr war ich dort und hab 2 Liter aufgefüllt.

Die nächste Wasserquelle ist etwa 10 kilometer entfernt, das schaffe ich heute nicht mehr. Aber ich will zumindest den Berg schaffen der davor liegt. Also wieder Anstieg.

Wie hunderte von Stufen steigen, ohne Ende. Hier geht's andauernd bergauf. Das ist so anstrengend und ich hab die Kraft einfach noch nicht. Mühsam Schritt für Schritt geht es hoch



Ich habe heute einen hiker aus Österreich getroffen, gestern einen Engländer und einen Ami. Alles Leute die früh gestartet sind in Mexico und nun nicht weiterkommen weil die Sierra noch voller Schnee ist. Anscheinend springen die meisten umher auf der Suche nach Abschnitten ohne Schnee.



Ich hab meinen Camp-spot erreicht, oben auf dem Berg. Sehr hübsch und eine tolle Aussicht. Morgen früh muss ich nur 3,2 Meilen bis zum Campingplatz schaffen.




Es geht mir etwas besser, mir fehlt immer noch Kraft und Ausdauer und es macht es nicht leichter dass ich immer noch die Erkältung aus Deutschland mitbringe... Die will einfach nicht weg.

Ich konnte ein bisschen essen: Nudeln, Beef-jerky und Kartoffelpüree. Heute Nacht ist Sturmwarnung angesagt, Böen bis 100 km/h und es soll sehr kalt werden. Morgen ab 11 Uhr soll es 24 Stunden langen regnen (in meiner Höhenlage schneien! ) der Plan ist mich auf dem Campingplatz einzustellen und abzuwarten. Ich kann körperlich einer Pause gebrauchen, aber ich fürchte mich vor der Kälte. 

Tag 2 - 14,2 Meilen (22,6 km,)



Morgens 5,8 Grad, ich hab die erste Nacht kaum geschlafen, der Boden war hart und ich habe gefroren. Bin dann gegen 7 Uhr los. Durch den Sequoia-Wald und einen Berg hoch.

So wunderschön war der trail dass ich alle 20 Schritte ein Foto nehmen wollte. Eine tolle Postkarte nach der anderen. Über 30 Fotos habe ich geschossen von dem Abschnitt. Der Trail war so wunderschön, das hat mich vollkommen beeindruckt. Manchmal hab ich geheult, als mir bewusst wurde, das dies genau das ist, was ich mir erträumt hatte. Eine Szenerie später hab ich laut gelacht weil jeder Blick schöner war als der zuvor.






Dann ging's runter ins Tal und damit in die Wüste. Die Landschaft änderte sich von liegen zu Sand und Joshua-trees, krumme, verzweigte yucca-Palmen. Und unten im Tal war das water-cache, wo jemand Dutzende Gallonen Wasser gelagert hat weil es sonst hier keine natürlichen Wasserquellen gibt. 2,5 Stunden Pause gemacht und sogar geschafft was zu essen: Tortillas mit Tunfisch.




Danach ging's bergauf, stundenlang in der Hitze. Mit mir allerdings ging's bergab. Nicht genügend Kalorien, nicht genügend Herz-Pumpe, nicht genügend Kraft.

Mehrmals wollte ich schon stoppen und campen, aber ich MUSSTE weiter. Der nächste water-cache war 27 km entfernt und das könnte ich nicht an einem Tag schaffen, also müsste ich einen Teil der Strecke heute noch machen. Am Samstag morgen soll Regen, Schnee und niedrige Temperaturen kommen, für 2 Tage, das wird ich einen sicheren Platz finden wo ich mich notfalls verkriechen könnte,

Also hab ich mich gezwungen weiter zu torkeln und ich war schon so erschöpft. Natürlich ging's auch noch bergauf.

Um 7 Uhr abends fand ich endlich einen Platz und habe gerade noch geschafft mein Zelt aufzustellen. Ohne zu essen, ohne irgendwas zu machen hab ich mich in mein Schlafsack gewickelt und bin erschöpft eingeschlafen.

Tag 1 - 13,7 Meilen (22 km)

 Der Tag war... Intensiv! Gut und schlecht aber am Ende gut.

Um 7 stand ich auf dem Pacific Crest Trail. Endlich! Und der trail ist einfach bildhübsch!! Die erste Stunde war ganz langsam, nur staunen und Bewunderung und der Versuch meine Gefühle unter Kontrolle zu kriegen. Die erste Pause war eine reine Gemütlichkeitspause. Und dann ging's bergauf 4 Stunden hab ich gebraucht um auf 2200 m zu kommen. Um 10:30 traf ich auf den ersten Schnee! Anstrengend klar, aber irgendwas stimmte nicht. Mein Herz hat laut und schnell gehämmert und konnte doch den Sauerstoff nicht liefern. Mein Puls ging viel zu schnell.




Ich wollte den Bach erreichen nach 12 km und dann noch 8 weiter zu einem Zeltplatz. Für die ersten 12 km hab ich über 6 Stunden gebraucht und war vollkommen fertig, erschöpft. Da wollte ich meine Tag schon beenden. 3 Stunden habe ich dort verbracht, sogar eine Stunde geschlafen und mein Puls war immer noch viel zu schnell. Ich nehme an, dass mein Körper die Höhe nicht gewöhnt war. Ich habe mir tatsächlich Sorgen gemacht.

Hunger hatte ich noch keinen, v also habe ich mich gezwungen tortilla mit Erdnussbutter und eine Handvoll M&M's und Nüsse zu essen. Der letzte Kokosnusswasser hat sich geholfen.




Danach ging's mir etwas besser und um nicht am nächsten Tag 20 km bis zum Wasser machen zu müssen, bin ich gegen 15:30 noch Mal losgezogen, hochmotiviert und Hannes am Ende geschafft den gewünschten campspot zu erreichen. Morgen Brauch ich somit nur 11 km zum Wasser.




Mit sind im Laufe des Tages 6 hundert begegnet, alles PCTler, immer so im Abstand von einer Stunde. Amis, einen Schweizer, einen Franzosen und ein Mädel aus Taiwan. Am camp tag ich dann noch 2 hinter mir denken ich mich Lake und gut unterhalten habe.

Es ist stockdunkel und ziemlich kalt. Es ist meine erste Nacht im Zelt und Schlafsack.

Nach Lake Isabella

 Eigentlich war heute nichts weiter zu tun, als nach Lake Isabella zu kommen. Und dennoch....

Schon wieder war ich gegen 3 Uhr morgens wach. Ich hab's noch geschafft mich bis 4 hin und her zu wälzen, dann konnte ich aber nicht weiter schlafen. Bin also runter zum draußen vor der Tür eine zu rauchen und treffe auf eine Deutsche, die ich gestern zur selben Uhrzeit bereits im Donuts-laden gesehen hatte und mit dem Worten "Jetlag ist doof, oder?" begrüßt hatte. Das war so lustig, den heute standen wir schon wieder im Dunkeln wach auf der Straße als die Stadt noch gar nicht erwacht war!

Ich habe mich glänzend unterhalten, mit Hannah & Christoph, die einen spannenden Roadtrip im Südwesten der USA machen.

Mein Bus fuhr erst um 11 von der Union Station ab und bevor ich wusste wie ich das hinbekomme, haben die beiden angeboten mich da hin zu fahren!!!

Hannah & Christoph, falls ihr dies lest, noch Mal vielen Dank uns einen lieben Gruß!

Ich hatte nun 2,5 Stunden Zeit an der Union Station totzuschlagen und hab mich die ganze Zeit mit einem alten Schwarzen unterhalten, der nur noch wenige Zähne im Mund hatte. Er hatte seinen Anschluss verpasst und musste vier Stunden auf den nächsten Bus nach Las Vegas warten. Als mein Bus kam, hat er mir schnell noch eine ganze Tüte voller Snacks in die Hand gedrückt. Das waren auch zwei Töpfchen mit eingelegten Pfirsichen drin, wunderbar!



Auf der Fahrt nach Bakersfield hab ich mich zwei Stunden lang mit einem jungen Latino unterhalten, der nach Abschluss seiner Armee-Zeit zum ersten Mal seit drei Jahren nach Hause fuhr. Der hat mir beim Aussteigen noch einen Liter Kokosnusswasser mitgegeben, was ich morgen mit auf den Teil nehmen werde!

Dann kann die Irre Fahrt mit dem Kern Transit Bus nach Lake Isabella. Ein Fahrzeug wie die amerikanischen Schulbusse, 18 Sitze und blau metallic angemalt, von einem dürren mitt-sechziger gefahren der nur geschimpft hat und der Kanzler nur zwei Fahr-modi: Vollgas & Vollbremsen.

Es war scary mitzuerleben wie ein Bus mit 120 die Autos auf der engen, kurvigen Canyon-Straße überholt.



Ich hab die verrückte Fahrt genossen, besonders als es die Berge hochging (ich kann den Druck in den Ohren spüren) in eine merkwürdige und beeindruckende Landschaft, in den Sequoia National Park: massive Berge, enge steile Täler übersät mit Granit-Felsblöcken und diesen blassgrünen Kiefern und grünem Gras und einem wilden, dunklen Fluss dazwischen.

Und ich habe auch überlebt: pünktlich um 3 kam ich in Lake Isabella an. Ich hab den Hotelbesitzer angerufen und er hat mich von der Bushaltestelle abgeholt (das Motel ist 10 km von den Zentrum entfernt), und hat mich zu einem Armee-Ausrüster gefahren, wo ich meinen ersehnten Gas-kanister kaufen konnte.

Lake Isabella ist alles was ich mir vorgestellt hatte: eine winzige "back-country" Stadt, inmitten einer kargen, imposanten Bergkulisse und hier fahren nur riesige Pickup-Trucks.



Jeder kennt jeden und die Menschen sind herzlich. Das Motel ist alt und schäbig im Stil der 50er Jahre. Vor der offenen Tür Picknick-Tische mit bunten Laternen drauf (und Aschenbechern!). Natürlich direkt an der Hauptstraße wo die Pickup-Trucks vorbeirauschen. Perfekt!



Und ich bin angekommen! An der letzten Ecke Zivilisation. Morgen früh fährt hier der Bus vorbei, der raus in die Wüste fährt wo ich irgendwo aussteige an trail-head Walker Pass. (Liegt auf etwa 1500 m Höhe)

Und dann starte ich meinen thruhike auf dem Pacific Crest Trail !!

Bus zur nächsten Stadt sind es 140 Kilometer, ich schätze also eine Woche. In der Zeit werde ich wahrscheinlich kein Empfang haben. Wenn ich wieder Internet habe schicke ich die Posts die ich bis dahin geschrieben habe online.

Die Prognosen für die nächsten Tage sind gemischt. 12 km bis zur ersten Wasserstelle (habe aber Infos von gestern, dass der nach kaum noch Wasser führt) und gleich auf 2200 Meter hoch. Die ersten 2 Tage soll es warm werden (und ich bin in der Wüste!) zum Wochenende hin kühlt es dann massiv ab und soll 2 Tage lang Schneeregen geben bei 3 Grad... So hoch in den Bergen könnte das schon ne Menge Schnee sein... An Sonntag wird es dann wieder besser.

Ich habe wie immer viel zu viel essen dabei, das reicht wahrscheinlich für 2 Wochen.... Nun ja, kann ich ja dann gaaanz langsam gehen. Und Hunger hab ich noch gar keinen, ich musste mich zwingen heute Abend noch ne Portion Nudeln mit Bohnen und Thunfisch, ne Tüte Chips und eine Cola zu mir zu nehmen.... Allerdings habe ich auch bisher kaum was verbraucht. Mal sehen.

Ich sitze im Lakeview Motel auf der Terrasse, mit Daunenjacke weil ein kalter, scharfer Wind bläst. Der Mond ist eine ganz dünne Sichel und damit ist es sehr dunkel. Es sind viele Sterne zu sehen und keine einzige Wolke. Von irgendwo her höre ich Frösche (und hin und wieder ein Pickup-Truck). Und ich bin sehr aufgeregt und ein wenig eingeschüchtert. Aber ich freue mich auch wie Bolle!

Dann ist dies vorerst mein letzter Post.

Stay tuned!

Resupply in LA

 Tja um 4 Uhr konnte ich nicht weiterschlafen, meine innere Uhr war schon auf 13 Uhr eingestellt, also runter in die verlassene Lobby wo ich mich Lake mit dem Nachtportier unterhalten habe. Einen großen Kaffee gab's gegenüber bei Dunkin Donuts. Bei 6 Grad war's ziemlich kalt in der noch dunklen Stadt der Engel.

Langsam wird's hell und ich Versuche die Stimmung der Stadt aufzunehmen, während ich an der Ecke stehe und meine Zigarette rauchen und die Menschen beobachte. So merkwürdig anders, und doch die ganzen Stereotypen vertreten, die man aus Filmen und GTA kennt.

In einer halben Stunde macht Target auf, dahin mache ich mich jetzt auf den Weg, um einen Gaskanister und Essen für die erste Woche auf dem trail zu kaufen.

Der Telefon Shop für die SIM Karte macht erst in 2 Stunden auf, kommt also danach.



Der Tag hatte gemischten Erfolg. Was eher schlecht gelaufen ist, war meine SIM-karte: ich wollte mit einem Prepaid-Vertrag 6 Monate unlimited Internet, aber die akzeptieren für solch einen Vertrag keine internationalen Kreditkarten! Somit musste ich jeden Monat einzeln kaufen (hab erst Mal 3 Monate gekauft) und das war sehr teuer: 110 Euro für den ersten Monat und 130 für die anderen zwei.

Nun ja, jetzt habe ich 3 Monate unlimited Internet und US Telefon, da hab ich erst Mal Ruhe.

Überhaupt ist die USA extrem teuer!!! Ein Kaffee oder ne Cola kosten je 4 Euro. Toastbrot mit Spiegelei und Speck 17 Euro. Und so weiter, fast das doppelte wie in Deutschland. Eigentlich sollte ich was essen, aber so macht das gar keinen Spaß.

Ich konnte meinen ersten Resupply einkaufen und hab für die 2 Tüten im Supermarkt 120 Euro bezahlt.

Aber ich hab nun auch die wertvollen Kalorien, electrolyte und Proteine, die ich brauche.

Das zweite was nicht geklappt hat, ich könnte keinen Gas-Kanister finden!!! Vier Stunden bin ich durch die Stadt gelaufen und etliche Läden abgeklappert, ohne Erfolg. Einzige Möglichkeit wäre zu REI zu fahren, aber das kostet die Fahrt mehr als 100 dollar.

Ich hab daher bei dem Motel in Lake Isabella angerufen und die Frau meinte sie sei fast sicher dass es die dort zu kaufen gäbe. Los Angeles hat nicht so viele hiker wie wir, meine sie.

Aber die 4 Stunden durch LA zu laufen war toll! Die Menschen und die Stadt so aufzunehmen war Klasse. Zwischendurch war die Sonnenfinsternis und alle Leute standen begeistert auf der Straße um sich das anzuschauen. Ich bin auf meiner Suche nach dem Gas-kanister durch zig Stadtteile gelaufen, downtown, financial district, fashion district und jewelry district. Aber auch durch neighborhoods wo nur Spanisch gesprochen wurde. Der Unterschied zwischen arm und reich ist krass deutlich, die Luxuskarossen oder pink-metallische Minis überall, unter den Brücken die Zelt- und Lumpensiedlungen der Obdachlosen prägen die Umgebung. Auf dem Parkplatz des Baumarkts kann man sich aus den Scharen der Mexikaner die Arbeitskräfte gleich mitkaufen.

Mit dem Gas in Lake Isabella morgen, habe ich alles erledigt was ich brauchte. Jetzt muss ich nur noch die Zeit totschlagen bis zum Bus morgen





Anreise

 Es geht los!

Abschied von meinem Töchtern und meiner Frau zu nehmen war schwer. Nach außen hin versuchen alle die Fassung zu wahren, und innerlich möchte man schreien. Oh boy.

MOIA kam pünktlich und die Straßen waren frei. Der erste Zeitpuffer der keine Verwendung hatte. Am Check-in waren 3 Leute vor mir, ich bekam sofort beide Bordkarten und hatte dann eineinhalb Stunden Zeit bevor ich durch die Kontrolle musste. Bin also mehrmals gemütlich durch den Flughafen geschlendert und mir bei McDonald's ein Frühstück gegönnt.

Die Flüge waren OK, keine Komplikationen. Der große Flug war natürlich lang, besonders da er "tagsüber" war und schlagen war eher schwierig.

"Welcome to the US", hieß es dann vom Zollbeamten, als ich in LA ankam. Mein Rucksack hat die Reise gut überstanden und ich stand plötzlich draußen.

Ein Chaos, der Flughafen von LA!

Ein Gewusel an Menschen, hauptsächlich hispanischer und asiatischer Herkunft.

Es gab am ganzen Flughafen keine Geldautomaten!! Ich bin eineinhalb Stunden lang alle 8 Terminals abgelaufen, unten und oben, ohne Erfolg.

UBER soll ja billiger als Taxi sein, hatte ich gehört, von Flughafen zur downtown wollten die 130 Euro haben!

Zum Glück konnte ich den Bus zur Union Station mit Kreditkarte bezahlen, und dort endlich einen ATM finden. Frisch mit Bargeld bewaffnet bin ich dann mit dem Taxi ins Hotel

Bin ziemlich schnell ins Bett gegangen, und um 21 Uhr schon geschlafen.

Gegen Mitternacht kam mein Mitbewohner mit einem Mädel ins Zimmer das er auf einer Party aufgegabelt hatte. Am Morgen war er nicht im Zimmer, hatte also wohl Erfolg, bei ihr Zuhause

Todo-Listen und die Versuche zur Vorbereitung

 Nun fehlen nur noch 13 Tage.

Und irgendwie fällt es mir schwer, mir das vorzustellen: in einigen Tage stehe ich plötzlich am anderen Ende der Welt auf einem kleinen Pfad, mitten in der Wüste Kaliforniens. Dann gibt es keinen Stuhl mehr, keinen Tisch, kein Bett, auch keinen Strom und fließendes Wasser. Und ich bin draußen, im Freien dem Wetter ausgesetzt. Und in dem Zustand bleibe ich fast ein halbes Jahr lang!

Ich habe meine Todo-Listen und Vorbereitungen weitestgehend abgeschlossen, ein paar Dinge schiebe ich noch auf "noch nicht". Ich habe meinen Flug, die Erlaubnis, die Zeit, das Geld dafür, die Versicherung Inland und Ausland geklärt, Steuererklärung gemacht und Daueraufträge angepasst, alle Hotels bis ich auf dem Trail stehe, sind gebucht.

Mein Rucksack braucht noch ein bisschen Aufmerksamkeit, ist aber ebenfalls weitestgehend fertig. 

So "weit" bin ich auch noch nie gekommen, das letzte Mal, ist 3 Wochen vor Abflug die Corona-Pandemie eingeschlagen und die Grenzen wurden dicht gemacht. Dieses Mal klappt es :)


So einen langen Trail präzise zu planen ist fast unmöglich. Zu viele Dinge können sich ändern und machen Prognosen immer schwammiger, je weiter man plant. Ich versuche daher nur die ersten Tage, bzw. den ersten Abschnitt zu planen. Und die Anreise, sogar ziemlich genau. 

Ich komme spät Nachmittag in LA an, da wird es wohl gerade dunkel. Irgendwie muss ich es bin ins Hotel in Downtown LA schaffen, und brauche dann nur noch zu schlafen. Am nächsten Morgen geht's die Straße runter zu einem Telefon-shop, wo ich eine 6 monatige Prepaid-Karte abschließen will. Danach geht's zu "Target", wo ich hoffe sowohl einen Gas-Kanister als auch Essen für 7 Tage kaufen zu können. Falls ja, bin ich durch für den Tag und kann das look & feel von LA ein bisschen auf mich einwirken lassen. Mit meiner neuen unbegrenzten SIM-Karte ein bisschen auf Entdeckungstour gehen :)

Am nächsten Morgen muss ich früh los (Bus fährt um 05:30 Uhr) und die Reise nach Lake Isabella antreten. Hierbei habe ich eventuell ein paar Stunden Aufenthalt in Bakersfield und würde am späten Nachmittag in Lake Isabella ankommen. Dort ist es schon sehr "Wüste". Ich habe mich entschieden, nicht das Motel an der Innenstadt zu nehmen, sondern 8 Meilen weiter aus der Stadt raus, am See ein Zimmer im Lakeview Motel zu buchen. Das sieht super sympathisch aus. Dann kann ich versuchen mich ein bisschen zu entspannen.

Früh am nächsten Morgen soll der Bus dort vorbeikommen, und nach 2 Stunden steige ich aus, drehe der Straße den Rücken zu und stehe am Trailhead in Walker Pass, mein Startpunkt für den PCT.

Von hier geht es dann südwärts, bis zur mexikanischen Grenze (1100 km).


Ich weiß dass sich die Dinge dort im Laufe der Zeit von selbst ergeben werden,  auch die Tagesplanung auf dem Handy im Zelt, aber die ersten Tage wollte ich versuchen zu planen, weil mir der Zustand noch so fremd ist. Wie weit bis zur nächsten Wasserstelle und vor allem zu der danach? Wo kann man schlafen? Wie weit schätze ich, komme ich am ersten oder den ersten Tagen? 

Alle Punkte des PCT sind mit ihrem "Mile Marker" benannt. Die Entfernung in Meilen vom Startpunkt in Mexiko aus. Das Monument an der Grenze ist also Mile Marker "0". Walker Pass, der Punkt an dem ich starte, hat den Mile Marker ("MM") 652,5. Die nächste Wasserstelle hat MM 644,7. 

Tja und da geht das los, eine Meile sind 1,6 Kilometer. Und da ich südwärts laufe (die Amis sagen "southbound" oder nur "SoBo" - im Gegensatz zu "NoBo = northbound"), muss ich die Zahlen voneinander abziehen. Also 7,8 Meilen bis zum Wasser, rechne rechne, 12,5 km! Ok.....die nächste ist dann weitere 20,3 km und die darauffolgende 23,9 km entfernt! Dann kommt dasselbe mit den "camp-spots", den möglichen Stellen zum Zelten. Komplex! Und ich muss mir dringend ein instinktives Verständnis für Entfernungen in Meilen aneignen!!

Dazu kommt die Steigung, die ich noch gar nicht beurteilen kann. In Israel habe ich gelernt, dass ich ein paar Tage brauche, körperlich, bis ich Steigungen erfolgreich bearbeiten kann. Ich starte "unten an dem Highway", aber schon auf 1560 m Höhe, und bevor ich meine erste Wasserstelle erreiche , muss ich hoch auf 2120m Höhe. Und das als "Flachland-Hamburger". vielleicht brauche ich für diese ersten 12 km 5 Stunden! Ob mein Körper da überhaupt mitmacht, so "auf Anhieb", weiß ich noch nicht.

"Einfach drauf loslaufen", werde ich sicherlich bald machen (ist auch viel angenehmer) aber noch traue ich mich nicht, weil wenn ich mich verschätze / verrechne laufe ich das Risiko, kein Wasser zu haben, wenn ich welches brauche.

In dem Sinne geht es schließlich im ersten Abschnitt bis zur nächsten Stadt: Tehachipi, 140 km entfernt. Daher Essen für 7 Tage mitnehmen. Jeder sagt allerdings, dass das am Anfang zu viel ist, dass der Appetit erst später größer wird. 


Training, gestaltet sich schwierig. Ich habe immer noch mit Resten einer hartnäckigen Erkältung zu kämpfen und da draußen ist es nasskalt-ungemütlich. Und doch: ich muss dringend Ausdauer & Kraft aufbauen.

Früher habe ich zum Trainieren möglichst lange und große Strecken gemacht (in der Heide, 1 mal wöchentlich am Wochenende). Hier habe ich mich jedoch, instinktiver Weise, für ein alternatives Training entschieden: oft (mind. 3 mal die Woche) 2 Stunden lang "power-hiken", ohne Unterbrechung. Ich glaube, so besser Kraft und Ausdauer aufbauen zu können, und meine Sehnen & Gelenke zu Gewicht und Gleichgewicht beim Laufen zu stärken. Seit heute übe ich nebenbei stündlich meine Oberschenkel. 

Insgesamt vermutlich zu wenig (Ich weiß dass die meisten PCT Hiker behaupten, sie bereuen es, nicht vorher mehr trainiert zu haben). Aber es ist, wie es ist. 

It's getting real !

 



in 42 Tagen geht es tatsächlich los! Ich gehe auf den PCT !!!

Ich wollte dieses Jahr endlich meinen Traum realisieren, und ein thru-hike des gesamten PCTs durchführen. Die RNG-Götter waren mir beim Auswahlverfahren allerdings gar nicht freundlich gesinnt, ich bekam in beiden Instanzen den letzten Platz und alle Tage waren bereits belegt (es dürfen nur max 50 Leute pro Tag von Mexiko aus starten). Also habe ich Plan B aktiviert: 

Ich laufe den gesamten PCT: zuerst die 1100 km Wüste (im Frühling), danach die 1700 km Nord-Kalifornien und die Sierras und am Ende die 1400 km Oregon + Wasington bis Kanada. Aber ich laufe die ersten beiden Abschnitte in die falsche Richtung! 

Ich starte also am 10. April im Norden der Wüste und laufe bis zur mexikanischen Grenze, bis etwa 25. Mai. Dann fliege ich ganz nach oben an die Grenze zwischen Kalifornien und Oregon, nach Ashland OR und laufe, wieder in die falsche Richtung ganz Nordkalifornien nach Süden, und im Juli dann durch die Sierras bis zur Wüste. Dann fliege ich (ca. 30. Juli) wieder nach Ashland um den letzten Abschnitt nach Norden zu laufen, zusammen mit den anderen, bis nach Kanada.

So habe ich mir meinen Flip-Flop gebaut. So habe ich den Permit erhalten, ohne die Limitierung von max 50 Leuten pro Tag zu berücksichtigen. Alternative wäre, dieses Jahr nicht zu laufen, aber ich wollte nicht länger warten, die Chancen 1:6 wären nächstes Jahr dieselben gewesen.

Das Ganze hat Vor- und Nachteile: 
Nachteile z.Bsp. es gibt 2 mal eine Unterbrechung im "flow", ich kaufe meistens alleine und "gegen den Strom", es bilden sich hierbei keine "trail-families", also Gruppen von Hikern die zusammen laufen. dadurch fehlen Informationsfluss, Unterstützung, geteilte Hotelzimmer und lange Freundschaften. Die Mile-Marker verlieren auch ihre Bedeutung, wenn plötzlich auf dem Weg eine "500" steht feiern die anderen an diesem Platz, während meine "500 meilen" irgendwo unmarkiert und einsam sein werden. 

Vorteile sind bspw. Der Trail ist schöner zu erleben und die Nächte sind ruhiger, wenn nicht Massen von Leuten mit einem laufen. Ich laufe trotzdem dieselbe Strecke, Meile für Meile. Nordkalifornien ist bei der "normalen" Strecke der psychisch schwierigste Teil, wo die Hälfte der Hiker abspringen, weil die Monate davor spannend und voller toller Aussichten waren und es nun einen Monat lang durch den "grünen Tunnel" (Wald) geht. Ich werde Nor-Cal gleich im Anschluss an die Wüste durchqueren, da ist alles noch aufregend und anders, und das ganze steigert sich dann je näher ich an die Sierra Nevada komme. Die Sierras (5 Wochen zwischen 3000m und 4000m Höhe ist bei der "normalen" Strecke Ende Mai gefährlich: Schnee und Eis, kalte Nächte, reißende Flüsse und Schmelzwasser-Kaskaden durchqueren.... Ich laufe im Hochsommer durch die Sierras und brauche mir wegen Schnee kaum noch  Sorgen zu machen.

Nun ja, es ist ein bisschen merkwürdig aber es wird "mein" thruhike, ganz einzigartig und ist immer noch der gesamte PCT. Und ich habe meinen Permit dazu bekommen.


Meine Stimmungslage ist ..  kompliziert :) Ich schwanke ständig hin und her zwischen Euphorie und Zweifel, zwischen Freude und Angst, zwischen Begeisterung und Lethargie. Und die Frequenz dieser Wechselstimmung nimmt zu! Es ist so merkwürdig weil zum Einen war das jahrelang ein Traum, also vorgestellt und nun plötzlicvh ist es real. Zum Zweiten fällt es mir schwer, mir diesen Wechsel vorzustellen, dass sich mein üblicher Tagesrhytmus mit all seinen Verzweigungen, also meine Realität bald so drastisch  ändern wird. 

Ich habe die letzten Jahre Trainigs-hikes gemacht in Skandinavien und Israel aber eben immer nur 3 Wochen. Die Skala hier ist so gewaltig größer. 6 Monate bin ich dauerhaft draußen und werde JEDE Wetterlage überstehen müssen. Feuer und Eis kommen dazu. 6 Monate und alles nur mit meinen armen kleinen Füßen durchgeführt!

Informationen über den PCT und meine Ausrüstung habe ich im Blog in der Top-Navigation verankert. Sonst sind hier noch mal die direkten Links: 
- PCT: Jetlag hikes: Der PCT
- Ausrüstung: Jetlag hikes: Gear/Liste

An meiner Ausrüstung habe ich nur wenige Veränderungen vorgenommen. Ich habe meinen Hut, meine Iso-Matte, das Merino-Baselayer und mein Sitzkissen erneuert, sowie neue Schuhe gekauft (1,5 Schuhgrößen mehr als normal). Zelt und Rucksack und Hose habe ich geflickt. Der Rest bleibt weitestgehend beim Alten. Ich darf in die USA keinerlei Nahrungsmittel einführen, also muss ich alles nochmal kaufen.

It's getting real!!

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