Tag 1 19 km

die Anreise dauerte 20 Stunden. eigentlich unkompliziert, aber eben 5 mal Verkehrsmittel wechseln und lang...
Um 9 war ich vor Ort und um 10 bin ich gestartet. Der weg war extrem vielseitig und sehr sehr wild. Es geht über Felsbrocken und Bäume, viel Steigung hoch und runter und dann gibt's hier so Flächen aus dickem Moos, nur dass darunter Wasser ist. Also bisher schwieriges Gelände. 


Mittags gab's Spaghetti Bolognese und einen Snickers. Ich habe an einem 6 m breiten Bach 3 Liter Wasser gefiltert und mich satt getrunken. 
Nach 19 Km war ich alle. Zumal mich den ganzen Tag Kopfschmerzen begleitet haben, ich war wohl etwas groggy von der Busfahrt.
Ich gab mein Camp 5 m vom trail entfernt aufgestellt, einen geeigneten Platz zu finden, ist gar nicht so einfach, es gibt kaum ebene Flächen dafür.

Ausser ein paar Reiterspuren am  Anfang scheine ich allein zu sein auf dem Trail. Ich habe noch niemanden gesehen und auch keine Fusspuren vor mir. Fuchs/Marder-Spuren und viele Elchspuren, aber keine Menschen.
Es soll die nächsten 3 Tage regnen....
Jetzt ist es Zeit zu schlafen (auch wenn hier die Sonne erst um 23:30 untergeht.)

Die Reise beginnt

Heute gehts los!

Nach dem Mittagessen gehts zum Bahnhof und von dort mit dem Zug nach Kopenhagen.
Dort angekommen habe ich ca. 3 Stunden Aufenthalt und fahre dann mit dem Bus um 21:30 los, die Nacht durch.

Um 06:00 Uhr komme ich dann in Oslo an, von wo es mit Zug & Bus an die Grenze zu Schweden geht. Ich schätze gegen Mittag werde ich los laufen, nachdem ich mich noch einmal voll gegessen und meine Wasserflaschen aufgefüllt habe.

Ich habe viel und lange geplant. Wie gut der Plan war, wird sich zeigen :)
Ab jetzt lässt sich nichts mehr planen, denn ab hier ist alles Schicksal!

Und tschüss!

Das Essen dazu

Und das Essen ist auch fertig gepackt :)

 Das ist all mein Essen, nach dem Einkaufen.

Kaffee, Müsli und Nüsse, Energie-Riegel und Snacks, ein paar leichtere Gerichte und zig mal Haupt-Mahlzeit! Boah ist das viel, das kriege ich nie in meinen kleinen Food-Bag rein...

Ich hab all dies gewogen und es ergab 6,2 Kg. Das war mir zu schwer/zu viel und ich habe angefangen, mit einer Waage bewaffnet, Sachen aus dem Haufen zu nehmen.
Tortillas und Erdnussbutter (zusammen 1 Kg) habe ich weggelassen, zumal mir die Erdnussbutter zu schwer war, und ich sonst für die Tortillas nix habe..... Mal sehen, sie liegen nebenan und schauen mich traurig an. Kartoffelpüree und einige Snickers sind auch rausgeflogen, und schließlich noch 5 der Hauptmahlzeiten.

Das ist übriggeblieben und kommt in ein paar Tagen mit mir:



Ein bisschen Packwunder und ich hab tatsächlich alles in den 12 Liter Food-Bag bekommen, gerade eben noch :) Der passt so sicherlich auch noch in einen Bärenkanister (in Schweden ist keiner vorgeschrieben).

4,1 Kg ist das Gewicht meines Gesamten Essens.
7 mal Hauptgerichte, 8 mal Nebengerichte. Tonnenweise Nüsse und Müsli, Kaffee für Lange. Ich schätze mal 8 Tage lang viel essen oder 10-12 Tage wenig. Das gibt mir ein bisschen Puffer, den 2ten Resupply-Punkt zu finden.

Damit steht es fest:
15 Kg Rucksack,
davon 8 Kg Basisgewicht.
3 Kg trage ich am Körper.

Die Spannung steigt.

Ausrüstung ist fertig

So,
Ich hab jetzt alles was ich an Ausrüstung habe gepackt und an die richtige Stelle gesteckt.

Jetzt kommt nur noch Essen und Wasser dazu.

Über ein Jahr lang habe ich meine Listen erstellt und nach und nach eingekauft. Enthalten ist alles was ich brauche und jedes Teil hat eine ganz spezifische Funktion. Ein Teil, dass ich nicht jeden Tag nutzen werde, bleibt zu Hause.
80% passen gut, der Rest ist improvisiert :) Falls ich etwas vergessen habe, dann muss das zu den "Erfahrungswerten" hinzugezählt werden und bei der nächsten Tour optimiert und verbessert werden.

Auf dem Bild von links nach rechts und oben nach unten:
- Mein Rucksack, Schlafsack (in der Mülltüte unterm Rucksack), Isomatte und Zelt (grün). Schlafklamotten und Flip-Flops (Camp-Schuhe). In der Mitte oben Regen-Sachen samt orangenen Rucksack-Regenschutz, Bandana, Moskitonetz und Elektronik. Rechts Kochset, Wassersystem, Brillen, Hygiene-Artikel und Erste-Hilfe-Tüte.
Die weißen Unterlagen sind mein "Tisch" (unten) und der gefaltete Footprint fürs Zelt, beide aus einem Stück Tyvek geschnitten.

Die genaue Liste ist unter meinem lighterpack - Profil zu sehen: 8,5 Kg Basisgewicht, plus Essen und Wasser.

An meinem Zelt wurden noch ein letztes Mal die Nähte überprüft, es sieht alles OK aus:


Hach ist das spannend!!
Und nun ans Essen...




Und immer das Wasser

Es dreht sich letztendlich alles ums Wasser.

Wasser erhält auf einer Fernwanderung eine ganz besondere Bedeutung , sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Ohne Wasser geht es gar nicht. Lebensnotwendig und nicht zu ersetzen, sollen 2 Liter mindestens täglich getrunken werden. Zum Kochen und, wenn was übrig ist, auch zum Waschen kommt noch ein Liter hinzu. Dabei ist Wasser so schwer! Wenn ich versuche möglichst wenig Gewicht zu tragen, ist ja jedes Gramm wichtig und 3 Liter Wasser sind eben 3 Kilogramm Extragewicht, die ich tragen muss.

Ich denke, Jeder der noch nicht in der Situation war, wo die einzige Menge an Wasser, die zur Verfügung steht, kilometerweit am Körper zu tragen bis sie aufgebraucht ist und die Strecke  zur nächsten Wasserquelle erst gelaufen werden muss, versteht nicht, welch ein außerordentlicher Luxus es ist, zu jeder Zeit fließendes Wasser zur Verfügung zu haben.
Man lernt sparsam mit dem vorhandenen Wasser umzugehen. Wie gesagt  Trinken ist vorrangig und zwar dermaßen, dass die Gedanken ständig um die Menge Wasser, die man noch im Rucksack hat und um den Aufwand, bis zur nächsten Wasserquelle zu gelangen, kreisen.

Zum Glück, Wasser brauche ich nur zu finden. Ich habe einen guten Wasserfilter (Sawyer Squeeze Water Filter, 72g), der mit 0.1 Micron (das sind 0,0001 mm) (fast) alles raus filtert, was einem gefährlich werden kann. Selbst Cryptosporidium und Giardia (Protozoen, die unangenehme und gefährliche Darm- und Atmungs-Erkrankungen erzeugen können), ebenso wie allen Bakterien, werden raus gefiltert. Nur Viren können von dem Filter nicht zurückgehalten werden, aber Viren im Wasser in der Natur sind eher selten.
Idealerweise ist es ein klarer, fließender Bach im Gebirge, notfalls tut es aber auch ein grüner, stehender Tümpel. Nur ohne Wasser geht es nicht.

Wo das Einnehmen von Wasser so wichtig ist, ist andersherum das ungewollte Begossen-werden unbedingt zu vermeiden. Wieder spielt Wasser eine große Rolle. Denn es darf nichts nass werden! Ist einmal die Daunenjacke oder der Schlafsack pitschnass, geht die Funktion (Wärmewirkung) verloren. Nass ist kalt und klamm und damit wieder gefährlich. Denn am Ende eines anstrengenden und/oder feuchten Tages sich trocken aufwärmen zu können ist extrem wichtig. Nass ist auch noch schwer, Klamotten, Zelt, Schlafsystem.... wenn die nass sind, sind sie viel schwerer als sonst.
So versucht man sich auf jeden Fall vor Nässe zu schützen. Bei der Auswahl eines geeigneten Platzes zum übernachten, muss darauf geachtet werden, dass Der Regen nicht erreicht außer der Außenschicht des Zeltes. Es darf keine Pfütze unter dem Zelt entstehen. Es darf bloß kein Wasser ins Zelt oder in den Schlafsack kommen.
Und gleichzeitig darf bloß kein Wasser fehlen um die Trinkflaschen aufzufüllen. Ein brutales Dilemma, das uns als Wanderer ständig beschäftigt.

GPS und Navigations-App, und Rekorde

Das Smartphone darf auch in der Wildnis nicht fehlen.

Und jeder hat für seine Zwecke seine Apps: Navigation, Gps, Musik, Lesen, Kompass, etc. ...
Für GPS und Navigation benutze ich Viewranger (http://www.viewranger.com/de)

Es ist eine kostenlose App, die auf Karten, die auch offline benutzt werden können, über echtes GPS-Tracking Routen und Tracks aufzeichnet.

Routen werden vorher gebaut und über die Karten sagen Dir GPS und Kompass wo Du hinsollst. Und Tracks sind andersrum: Das GPS Signal markiert eine Strecke die Du zurücklegst.

Ich bin unterdessen ein Riesen-Fan von Viewranger. So kann ich am PC an einer Riesen-Karte eine Route bauen. Ich wechsle unter den "free" Karten zwischen Google-Satelliten-Bildern, Viewrangers eigene Topografische Karten und Open Street Map hin und her, um Pfade zu finden, die mir gefallen. Jeder Punkt der Strecke kann besonders designiert werden mit Symbolen und Texten, die dann später auf dem Smartphone auftauchen würden und sogar akustische Signale senden können. Anhand von Höhenprofil und Streckenlänge kann ich mir so meine Wanderungen planen. Sogar einen geeigneten Rastplatz finden, kann man so im Voraus. Abgespeichert und synchronisiert kann ich jederzeit die Route auf meinem Smartphone ablaufen.

Auf dem Smartphone wird nach dem Starten der Route die Navigationskarte angezeigt und die Richtung zwischen den Wegpunkten. Man kann sich so auch in unbekannter Umgebung kaum noch verlaufen.
Ich habe es so eingestellt, dass der Kontakt zum Satelliten gehalten wird, und nur alle 5 Minuten ein GPS-Loc angefordert wird. Die Karten sind entweder im Cache zwischengespeichert, oder auf dem Smartphone gedownloadet. Flugzeug Modus an, keine Emissionen mehr. Bildschirm aus, passives Tracken. So kann am besten Strom sparen. Messen tue ich nur Strecken, die länger als 2 km sind.

Wenn man dann die vielen gelaufenen (und gemessenen) Strecken anschaut und vergleicht, lernt man eine Menge über sich selbst, über seine Grenzen. Ich kann unterdessen genau sagen, wie lange ich für 12 oder 25 km brauche, welche Durchschnittsgeschwindigkeit ich habe, usw.

Seit genau einem Jahr messe ich nun mit und bin super stolz auf meine Ergebnisse:
- Ich bin tatsächlich 1000 Meilen gelaufen (= 1600 Km) !!
- 2017, in diesen ersten 6 Monaten sind es schon 988 km.

Nahtversiegelung

Ich habe meinem Zelt eine Nahtversiegelung verpasst.

Und die Häufigste Spontanfrage, die ich kriege wenn ich davon erzähle, ist:
"wieso? Ist denn das Zelt noch nicht wasserfest?"

Die Schnelle Antwort ist "nein", es ist nicht wasserfest genug.
Wie schnell Wasser durch das Material dringt und besonders: unter welchem Druck, wird mit der "Wassersäule" bemessen. Soll heissen: wenn das Zelt mal einen Regenschauer abbekommt, dann geht nichts durch, aber wenn es 2 Tage lang Starkregen gibt, was dann? Das Wasser wird mit Kraft durch das Material gedrückt: sie Wassersäule.
Das Material am Boden des Zelts (die Wanne) hat eine größere (höhere) Wassersäule als das Obermaterial, beides ist ein Silikon-Nylon Gewebe. Das Silnylon ist sehr leicht und "inert" (rutschig, nichts haftet daran). Es ist in Gitterform hergestellt, "ripstop" und kann zwar durchstochen werden aber kaum reißen. Die Verbindungs-Streifen von den Silnylon, die Nähte, sind die einzigen Schwachstellen, wegen der Perforation beim Nähen.
Für das Material an meinem Zelt gibt es ein Silikonbasiertes Mittel "SilNet", womit die Nahtversiegelung gemacht werden sollte. Es ist das einzige das haftet, ins Material eindringt und nach dem trocknen versiegelt. Silikon: biegsam, reiß- und wasserfest. Das Zelt wird woanders vorher kaputtgehen, bevor die behandelten Nähte wieder undicht werden.

Wegen dem schlechten Wetter habe ich das Zelt auf dem Dachboden aufgebaut, mit Seilen und ein paar schweren Ziegeln. Als es gut gespannt war, habe 50 cm-Abschnitte mit SilNet behandelt. Im leichten Zick-Zack direkt aus der Tube über die Naht drücken und mit Verwendung von Latex-Handschuhen verstreicht man es gut mit der Fingerspitze. Ich hatte meine Stirnlampe auf (und an), man konnte so sehr gut erkennen, wo schon SilNet war, da es stark glänzt.

Ich habe SilNet nur von oben angewendet. Ein paar Leute machen es innen. Mein Zelt stand dann 4 oder 5 Tage auf dem warmen, trockenen Dachboden. Beim Abbauen habe ich jede Naht mit Baby-Puder eingerieben (damit nix an noch nicht ganz trockenen SilNet-Stellen kleben bleiben sollte).

Es ist nun nicht mehr so hübsch aber dafür ist ein stabileres "shelter" geworden Und sollte auch Starkregen abkönnen. Zumindest von oben..... :)

Ich liebe meine Stöcker!

Meine Trekking-Stöcker, ich liebe sie :)

Seit dem ersten Versuch, hieß es bei mir eigentlich: nie wieder ohne! Das fällt bei jedem anders aus, die meisten hassen es, dass es so ungewohnt ist. Die Lernkurve ist bei mir auch noch voll im Gange.
Ich würde aber tatsächlich nie wieder ohne laufen, so gewinnbringend finde ich sie.

Trekking-Stöcker sind bei einem Wanderer wertvolle, ständige Begleiter, ist doch der direkte Hand-Kontakt zu jeder Zeit, den ganzen Tag lang gegeben. Meine heißen Max und Moritz, aber meistens nenne ich sie nur Rechts und Links. Aber die Intimität zu den Trekking-Stöckern ist nicht nur der handkontakt, es ist auch die unbewusste motorische Empfindung. Sie sind äußerst punktgenau und man fühlt die Bodenbeschaffenheit durch die Fingerspitzen.

Ich finde an Trekking-Stöckern so viele Vorteile:

Zum einen ist da das Laufen an sich: man ist schneller und hält länger aus, weil das Laufen mit Stöckern sehr energiesparend sein kann, wenn man sie richtig einsetzt. Wenn ich lange laufen muss, bewege ich die Arme kaum, habe eine saubere Pendelbewegung drin und drücke nur kurz durch wenn die Spitze hinter mir ist. Das beschleunigt und spart Bein-Energie. Fuß heben und schieben, wie beim Ski-fahren. Ich versuche nicht zu jeden Schritt zu begleiten, sondern lasse immer wieder einen aus: "tap-tap ... tap".
Will ich schnell gehen, wird jeder Schritt begleitet. Ansetzen in Höhe der Fußseite, kurz unterhalb des kleinen Zehs und sowie der Schwerpunkt über die Spitze ist, durchdrücken. Das fühlt sich ein bisschen so an, wie kraulen. Und sie geben einem dieses schöne Gefühl zu "cruisen" (schweben? fahren?)
Ich glaube, die richtige Einstellung der Höhe ist extrem wichtig. Man sollte viel und oft rumprobieren, bis man "seine" richtige Höhe gefunden hat. Ein paar Tips: Hände in Bauchnabel-Höhe, denn was man schiebt (bzw. womit man steuert) sind die Beckenknochen. Die Stöcker sind sehr selten genau vertikal, meist sind die Spitzen unter und hinter einem. Zum messen also gerade stehen, ansetzen an der Fußseite zwischen Mitte und dem letzte Drittel, dann Fäuste vorstrecken, bis über die Fußspitzen. Nun sollte der Arm locker gewinkelt sein und die Hände auf der Höhe der Beckenknochen.

Dann gibt es die Vorteile beim bergauf / bergab-gehen! Stell Dir vor Du läufst bergauf, vor Dir ist eine Stufe (Fels). Ohne Stöcker stehst Du bei diesem Schritt auf einem Bein, legst den anderen Fuß auf den Fels und hebst mit diesem Bein Dein gesamtes Gewicht plus Rucksack hoch. Mit Stöckern kannst Du das Gewicht auf 3 Beine verteilen und je nach Bedarf mehr oder weniger Kraft in die Arme setzen. Kriegt man da ein regelmäßiges Pendeln rein, ist man echt schnell beim Aufstieg.
Abstieg habe ich selber noch nicht ganz als richtig empfunden, vielleicht ist das immer doof? Ohne Stöcker trägt wieder ein Bein das ganze Gewicht und das andere Bein muss den Aufprall / Auffangen verkraften. Wie schön ist es doch dann, das Gewicht vorher auf die Arme zu setzen und leicht runterzugleiten.  Logischerweise werden die Stöcker beim Aufstieg kürzer und beim Abstieg länger eingestellt, ein wenig. Denn bergab muss man auch noch bremsen, also die Stöcker viel weiter vorne ansetzen.

Stabilität und Gleichgewicht sind mit Stöckern so viel höher als ohne, dass man schon sagt es macht süchtig und tut Dir nicht gut. Angeblich verlernt man dann ohne Stöcker noch stabil zu laufen/stehen. Alles Neid und Verruf. Im ernst, bei unwegsamen Gelände, Wurzeln, Gräben, Böschungen, Wellen und Furchen, sind die ideal. Man läuft sehr viel stabiler, und braucht nicht mal immer Gewicht auf einen Fuß setzen.

Was kann man noch alles schickes mit Trekking-Stöckern machen?
- Man kann sie nutzen um die Tiefe von Pfützen oder Schnee auszuloten und die Konsistenz von Eis zu prüfen.
- Man kann anderen Wanderern deutliche und typische Zeichen auf dem Boden hinterlassen
- Beim Lagerfeuer Marshmellows grillen
- sich vor Bären, Elchen und nicht angeleinten Hunden verteidigen.
- Fern-zeigen, um unmissverständlich eine bestimmte Richtung zu verdeutlichen
- Weit-Winken, so dass selbst Wanderer auf der anderen Seite des Tals es sehen.

Und ich benutze Sie um mein Zelt aufzubauen.

Nie wieder ohne!

Aufgeregt!

Oh Mann,
Ich bin sehr aufgeregt! in 2 Wochen geht es los: im unbesiedelten Skandinavien eine 240 KM Strecke laufen, den "Finnskogleden". Solo.

Es ist ein Wanderweg so ziemlich in der Mitte Skandinaviens und geht stetig auf der Grenze entlang, zwischen Norwegen und Schweden.
Er kreuzt hauptsächlich Wälder in einer Mischung von Pfaden und alten Waldstrassen, geht aber auch teilweise über Berge. Kleine Berge.. alte, runde Hügel aus Stein, der Höhenunterschied liegt bei ca. von 200m bis 800m Höhe und das auf und ab.

Und viel mehr weiß ich nicht. Es gibt nicht viel Informationen zu finden, der Weg ist nicht allzu bekannt. Es gibt eine hübsche, offizielle Seite auf schwedisch/norwegisch mit ein paar englischen Seiten:  finnskogleden.com



Wenn ich überlege warum ich diesen Weg ausgesucht habe (Eine gute Freundin fragt immer "Wieso genau der?") tja, da kommen einige Kriterien ins Spiel:
- Einmal sollte er in Skandinavien sein, weil der goldene Gral von Langstrecken-Wanderungen ist, überall schlafen zu dürfen, wo einen die Müdigkeit bringt (wild zelten dürfen, "Allemansrätten").
- Er sollte nicht "so voll" sein (voll, wie in dem Gegenteil von Einsamkeit) - Nicht durch Städte oder so.
- Er sollte nicht so schwer zu erreichen sein.

Inspiriert wurde ich durch einen Reise-Bericht eines Freundes in Norwegen: Nach Röros und an/um den See, sei nur meist kalt. (Ach ja: Er sollte nicht kalt sein, nicht klimatisch brutal :). Und auf der Karte schien Oslo leichter zu erreichen als Stockholm. Und dann auf den Karten gesucht, wo es in der "Nähe" einen Wanderweg gäbe. Und da war er: Finnskogleden. Perfekte Länge: den in 2 Wochen zu machen ist nicht banal. Perfektes Wetter (tagsüber 18-22 Grad, nachts runter auf 8 Grad), die Regenwahrscheinlichkeit könnte etwas tiefer sein :) Die Mückenwahrscheinlichkeit ist hoch, sehr hoch. Wasser soll es zuhauf geben, es sind sogar einige gepflegte Wasserstellen geben. Aber das ist alles nur meine Vorstellung, von den Informationsfetzen, die ich bisher gefunden habe. Es wird sich zeigen (und ich werde berichten)

Ich denke oft und viel daran, immer wenn im meinem Kopf freier Platz ist. Ob ich alles hab, was ich übersehen haben kann, was noch fehlt, usw...
Ich mache mir Gedanken, wie ich mit dem Essen umgehen soll. Nach 87 km (nach einem guten Drittel der Strecke) kommt eine Resupply-Möglichkeit. Für die weiteren 150 km weiß ich aber noch keine. Ich bringe also Essen für 5 Tage mit, und kann neu einkaufen. Mehr als 5 Tage Essen zu tragen werde ich aber nicht. Garantiert nicht für 8 Tage und dann durchpushen müssen. Es muss eine Möglichkeit geben, bzw. ich muss mir eine suchen.
Was mache ich, wenn es tagelang regnet? Falls ich mehr als 2 Tage nicht weiter kann, weil es zu stark regnet, werde ich weder die ganze Strecke schaffen noch mit Ruhe zum nächsten Resupply-Punkt
Ich schwanke zwischen dem Wunsch den ganzen Weg zu schaffen und mir einen gemütlichen Hike zu machen, egal wie weit ich komme. Ich hoffe es wird eine gute Mischung aus beiden :)

Die Geschichte mit den Stockspitzen.

Als Trekkingstöcker habe ich die LEKI Khumbu AS - AS steht hier für Anti-shock.

Im Prinzip sind die nicht schlecht. Die Anti-shock-Bestandteile sind je eine Gummikugel, die sich zusammenpresst. Das macht sie viel "härter" als die herkömmlichen Anti-shock-Varianten, die eine Feder im oberen Rohr oder im Griff haben. Auch sind sie nicht so laut.

Aber ich habe mit den Sptizen kein Glück gehabt.

Zuerst habe ich mir einen Stickpick gekauft Ein ultralight Kamera-Stativ für den Trekkingstock (Selfie-Stick) - die Größe 2 gilt als "für alle LEKI Modelle geeignet". Aber nicht für meine! Bei den Stöckern meiner Tochter passt er wie angegossen, dort kann ich sehen wie es sein sollte. Meine Spitzen sind dicker und laufen im Profil nicht wie eine Kurve zu, sondern haben eine Kante. Für den inneren Zylinder des Stickpics eine Katastrophe: es passt nicht mal annähernd.

Ich messe den Durchmesser des Stocks aus und schreibe dem Retailer des Stickpic.
"Versuchen Sie doch mit Panzertape oder die Größe 6, die hat den nächstbesten Durchmesser".  Hoffnung macht mir das nicht gerade.

Während ich noch über eine Lösung nachdenke, bricht auf der Wanderung um den Schaalsee nach 20 Km die Spitze meines rechten Stocks ab. Und ich hab es gar nicht mal bemerkt. Irgendwann wundere ich mich dass der Boden rechts von mir hohl klingt - und da bemerke ich, dass ich nur noch mit dem Alu-Stumpf laufe.

Bei den Khumbu AS gibt es einen kleinen Metallstift, der quer durch die Spitze geht und diese innen an der Halterung im Alu-Rohr hält. Der Stift ist offenbar gebrochen.

Ohne Spitze, kann ich den Trekkingstock nicht benutzen, ohne Stöcker hab ich ein Problem: nicht nur dass ich langsamer vorankomme und das Gehen auf Dauer schmerzhaft wird, ich benötige meinen Trekkingstock auch, um mein Zelt aufzubauen. Also bin ich noch 2 km zurück und habe die Spitze tatsächlich gefunden!

Ich hab am rechten Stock immer ein gutes Stück Panzertape um den Stock gewickelt, etwa 50 cm. Damit weiß ich immer welcher Stock der Rechte ist, und hab für Notfall-Reparaturen etwas dabei. Die Spitze des Trekkingstock also mit Panzertape wieder angebracht.

Beim Retailer hieß es zuerst: "Kein Problem, Sie können die Stöcker abgeben und der Hersteller wird Ihnen die ersetzen".
"Wie lange dauert das denn in etwa?"
"Och, so 2 bis 3 Wochen ungefähr". Er bemerkt die Panik, die in mir aufsteigt "Sie geben uns die Stöcker und wir fragen beim Hersteller nach, wie lange er braucht.
"Können Sie auch nachfragen OHNE dass ich meine Stöcker abgebe?" frage ich "Ich möchte die ungern hergeben". Er versprach sich zu erkundigen und sich bei mir zu melden.

Am nächsten Abend dann, nach der Strecke am Deich, meldet er mir dass das neue Modell von LEKI Khumbu AS den Metallstift gar nicht mehr hat. Sie würden mir die alten Stöcker gegen Vorlage der Quittung einfach gegen ein Paar des neuen Modells ersetzen.!  Woot!

Ich wage zu hoffen, dass 1) die Spitzen der neuen Stöcker halten besser als zuvor und 2) vielleicht passt ja sogar mein Stickpic, das wäre der Hammer!

Am Deich entlang

Es gibt da eine Strecke, hinter Wedel an der Elbe entlang in Richtung Mündung. Man läuft stundenlang auf dem Deich entlang.

Die Sicht ist natürlich irre, so als snapshot. Diese Weite, diese flache, leere Landschaft.... wird schnell langweilig, und schon bald zur Qual, denn es gibt keine Abwechslung.
Ich laufe eine Stunde lang und alles sieht noch genauso aus wie vorher. Ich krieg das Gefühl, ich komme nicht voran.
Und Eine Pause anzulegen inspiriert hier auch nicht wirklich etwas. Es gibt keine gemütliche Stelle, es ist als würde man sich in die Mitte eines leeren Parkplatz setzen.

Wie gut dass mein Etappenziel nur 8 km Deich beinhaltet.

neulichs am Wegrand

Eine Kreuzung der Pfade, und ich, der dringend meine Socken lüften wollte. Ich machs mir gemütlich, sitz auf meiner Matte, Socken und Schuhe vor mir auf dem weißen Tyvek-Tuch.
Kommen 2 Fahrradfahrer, fragt die Dame "Wo kommen Sie her?" und beginnt ein Gespräch. Etwa 15 Minuten lang plaudern wir über die Umgebung, und dass der Weg den ich nehmen wollte, sauber aber wellig sei. Freundlich, ungezwungen.
Wenig später kommen wieder 2 mit dem Rad vorbei: "Einmal um den See?". Diese war neugierig über die Entfernungen und die Unterschiede zwischen zu Fuß und mit dem Rad. Wieder nett und "Adieu". Vor kurzem noch begegnete ich 2 Einwohnern, die haben mich sehr sehr misstrauisch vorbeigehen sehen.

Auf einer Wanderung  ist jede Begegnung ein Highlight. Sie sind besonders und pendeln zwischen diesen beiden Extremen. Jeder weiß, ich gehöre da nicht hin, ich bin auf der Durchreise. Die einen reagieren freundlich, ohne große Filter, und sind vollkommen direkt - weil sie wissen, man wird sich nie wiedersehen. Und die anderen mit Misstrauen denn auch sie wissen, morgen um diese Zeit bin ich weg und komme nie wieder.

Hiking - Rund um den Schaalsee, 59 km

Ich bin am Wochenende einmal rund um den Schaalsee gelaufen.

Das Auto geparkt in Neuenkirchen, auf der Südost-Ecke des Schaalsees, und am ersten Tag 32 km gelaufen an der West-Seite des Sees entlang.

Wunderschöne Landschaft, tolles Wetter. Doof war, dass Schwärme von Mücken einem keine Ruhe ließen. So habe ich die sonst üblichen Pausen so kurz wie möglich halten müssen. Diesmal keine 45 minütigen Ausruhpausen, sondern immer nur ein paar Minuten. Das führte natürlich dazu dass der Marsch nordwärts extrem anstrengend war.

Nach ca 20 km ist mir die Spitze des rechten Trekking-Stocks abgebrochen! Und ich hab es erst später gemerkt. Bin dann noch 2 km zurückgelaufen und zum Glück habe ich die Spitze gefunden. Offenbar ist der Metallstift, der die Spitze auf ihrem Platz hält, durchgebrochen. Mit Panzertape die Spitze provisorisch befestigt bin ich so erst gegen 19 Uhr auf dem Campingplatz angekommen.

Am nächsten morgen um 07:30 aufgebrochen, um die Nordspitze herum und südwärts an der Ostseite des Schaalsees entlang. Diesmal war der UNESCO-Wanderweg allerdings gesperrt, wegen Brutschutz. Einzige Ausweichmöglichkeit war ein Umweg über Landstrassen - für Wanderer eine Qual. Bei 30 Grad war der Asphalt hart und sehr heiß, meine Füße haben geglüht und nach 25 km Asphalt hatte ich an beiden Füßen mehrere Blasen, obwohl ich alle 2 Stunden meine Socken gewechselt habe.

Aber 59 km geschafft!! Wheeee


Das Gewicht dieser Welt

8,5 Kg ist nun mein Basisgewicht

Nur Essen und Trinken kommen dazu.

Es ist mir eigentlich noch zu schwer. Denn Ziel ist es ja viele Tage damit auszuhalten, also viel Essen und Trinken tragen können. (Richtig "ultralight" ist man erst ab 5,5 Kilo,)
Pro Tag 1 Kg Essen, kann man rechnen - zumindest habe ich das in den US Outdoor Blogs gelesen. Also 5 Tage 5 Kilo. Wasser kann man finden, aber pro Tag trage ich so 3 Liter mindestens.
Das sind dann nochmal 8 Kilo dazu, also 16,5 Kg. Und das ist ein bisschen viel um es gemütlich zu tragen. Gut wäre unterhalb von 15 Kg für 5 Tage - dann dürfte der Basiswert nur auf 7 Kg sein.

Mein Profil (https://lighterpack.com/r/be00o7) sagt mein Basisgewicht sei 8,650 Kg:












Es kann losgehen!

Endlich ist mein Zelt aus den USA angekommen.

Das war ja Voraussetzung um meine Reise überhaupt anzutreten. Nun kann es auch losgehen: Urlaub einreichen, mit dem Zelt noch etwas üben und los geht's.

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