Ausrüstung für den PCT (mit Gewicht)

Hier ist die Ausrüstung, die ich auf dem PCT mitnehme. Ich habe sie mal nach Bereichen / Nutzen sortiert und das jeweilige Gewicht mit eingetragen. Auf so eine lange Wanderung kommt schon so einiges zusammen. Und "Ultra-Leicht" habe ich definitiv nicht geschafft.

1) Am Körper - was ich am meisten trage


Socken: Falke TK2 70g
Unterwäsche: Merino Shorts 60g
Wanderhose: Columbia Silver Ridge Zip-off 340g
T-Shirt: Funktionshirt (kurz) 139g
Wanderhemd: Columbia Silver Ridge (lang) 250g
Buff 38g
Trekking-Stöcke: Leki Khumbu Antishock 587g
Hut: OR Helios Sun Hat 60g
Schuhe: Salomon X Ultra 3 840g
Gamaschen: Dirty Girl Gaiters 40g
Bandana 29g
2453g

2) Shelter und Tragen 


Zelt: Skyscape Trekker 815g
Zeltunterlage: Tyvek Footprint 100g
Heringe: 5 Stck (MSR) 10g
Isomatte: Thermarest Z Lite Sol 426g
Schlafsack: Phantom Spark (bis -2C) 750g
Inlet: Seiden-Liner 110g
Rucksack: Osprey Exos 58L (ohne Deckel) 1037g
Sitzpad Thermarest Seat Pad 60g
3308g

3) Wechselkleidung


Socken (2tes Paar): Falke TK2 70g
Packbeutel: Sea to Summit Ultra Sil Packsack 9L 20g
Badeshorts: 120g
Fleecejacke: Jack Wolfskin Microfleece 250g
Camp- & Flussschuhe: TEVA Sandalen 470g
Mücken-Kopfnetz: Sea to Summit Headnet 11g
Sonnebrille: mit Hülle 28g
Microspikes: Kathula Microspikes 370g
1339g


4) Schlafkleidung


Leggins: Merino Longjohn, Icebreaker 182g
T-Shirt: Merino T-Shirt (kurz) 129g
Schlafsocken: Falke TK5 kurz 45g
aufblasbares Kissen: Sea to Summit Aeros 50g
Handtuch: Microfaser 49g
465g


5) Wetterschutz


Daunenjacke: Yeti Pike 310g
Regen-/Windjacke: OR Helium II 180g
Regenhose: Tschibo :) 220g
Handschuhe: LIOD Liner 20g
Mütze: OR Polartec Fleece 45g
775g

Kleidung gesamt
Wechselkleidung - Schlafkleidung - Wetterschutz 2579g

6) Kochen


1L Flaschen: Smart Bottles (4 Stck) 129g
Wasserbeutel 1L: Sawyer Water Bags (2 Stck) 25g
Wasserfilter: Sawyer Squeeze 100g
Topf inkl. Tasse und 1L Eimer: GSI Soloist 315g
Spork: Titan Spork 18g
Messer: Baladeo Steelcraft 57g
Beutel: Foodbag 116g
Gaskartusche: Primus medium (leer) 150g
Feuerzeug: Bic mini 33g
943g

In den Sierras dazu
+ Bärenkanister BV 500 (1160g) 2103g

7) Schreiben und Dokumente


Pass, Permits, Geld, Karten: 120g
Journal, Stifte, Reparaturzeugs: 143g
Dry Bag 2L: 17g
280g

8) Hygiene


Hygienebeutel samt Nagelknipser, Pinzette, Zahnseide, Zahnbürste und -Pasta, Katzenschaufel und Klopapier 183g
Sonnencreme: 47g
Mückenmittel: 92g
Body-Glide 46g
Hand Sanitizer: 52g
Labello UV 15g
Baby Wipes 90g
525g

9) Elektronik


Handy: Pixel 3 188g
Powerbank: Anker 20100 350g
Stecker: Anker Dual USB Ladegerät 78g
Adapter: Eu nach US 35g
USB Kabel: 2 Stck. 37g
Batterien AAA 3x Reserve 33g
Solar Panel: Anker 3er Panel 430g
Stirnlampe: Black Diamond Spot 88g
Dry Bag: Sea to Summit Ultra Sil Nano 2L 17g
1252g

10) Erste Hilfe


Ibuprofens, Pflaster, Verband, Watte, Blasenpflaster, Antibiotika-Salbe, Leuko-tape, Mull, Alkohol-Pads, Durchfall-Pillen 128g


Gewicht gesamt


Shelter und Tragen 3308g
Kleidung 2579g
Kochen 943g (2103g in den Sierras)
Dokumente 280g
Elektronik 1252g
Hygiene 525g
Erste Hilfe 128g
9015g

In den Sierras, 35 Tage, +Bearcan (10175g)

kommt Essen und 3L Wasser dazu   6-7 Kg


Ein Traum wird wahr - ich werde den Pacific Crest Trail in 2020 wandern!


Eine riesige Hürde konnte gestern überwunden werden, eine die sehr viel Bedeutung und am wenigsten zu beeinflussen war:

Ich habe erfolgreich einen Start-Termin beantragen können um wie geplant 2020 den PCT zu laufen.

Sehr viel Glück und die Hilfe von Freunden haben es ermöglicht, das Datum steht nun fest: 13. April 2020 starte ich an der mexikanischen Grenze und laufe dann nach Norden, um nach fast 6 Monaten die Grenze zu Kanada zu erreichen!

Ich kann es kaum fassen: seit 4 Jahren plane ich, um meinen Traum zu realisieren, den Pacific Crest Trail zu wandern, einen der berühmtesten und härtesten Wanderwege der Welt und ein lebensveränderndes Erlebnis zu vollbringen.

Die Verlosung der Start-Termine war wie jedes Jahr haarsträubend. 10 Tausend Menschen wollen zum Saison-Start zwischen Anfang und Ende April den Trail starten. Nur etwa 20 Prozent bekommen überhaupt einen Platz, da nur 50 Termine pro Tag verfügbar sind. Und ich habe einen Termin bekommen. Damit steht Startpunkt und Startdatum fest und beide sind ideal getroffen!

So viele Emotionen, die sich über Monate angesammelt haben, machen sich im Moment bemerkbar. Heulen vor Glück trifft es ganz gut :)

Nun beginnt eine Phase der konkreten Planung und das Ganze ist äußerst spannend. Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Einen speziellen Dank an meine Arbeitskollegen und Freunde, ohne dessen Hilfe dies nicht zustande gekommen wäre.


Tag 20 - Die Reise zurück beginnt. - 8 km

Ich schlafe lange in dem weißen Hotelzimmer, ich hab Zeit... Ich liege da rum, trocken und warm, bis ich keine Lust mehr habe. Was ziemlich schnell passiert:
Die Decke ist mir zu nahe, die abgestandene Luft im Zimmer zu unangenehm und es kribbelt mir in den Beinen. Ich muss raus und ich muss mich vorwärts bewegen!

Ich hab noch 6 Stunden bis ich den Bus nehmen muss und es scheint tatsächlich die Sonne.
Also pack ich schnell meinen Rucksack (Übung hab ich ja nun), und checke vorzeitig aus. Heute kann ich die schneebedeckten Gipfel der Berge ringsum sehen. Ich will da rauf.



Ich mache mich an den Anstieg, diesmal reiner Luxus, denn ich müsste nicht unbedingt da rauf. Ganz gemütlich steige ich über die Baumgrenze und komme an die Grenze nach Norwegen. Es geht höher auf 980 m . Aus einem kristallklaren Bach fülle ich 2 Liter, die ich mit nach Hause nehmen werde. Die Luft ist so frisch, so klar und wunderbar. 


Ganz klein ist das Hotel am See woher ich aufgestiegen bin. Ohne die üblichen grauen Wolken kann ich kilometerweit sehen, Berge über Berge, in immer anderen Schattierungen. Ein Foto gibt das kaum her, die Tiefe und Entfernung ist schwer zu erfassen.




Beim Aufstieg sehe ich auch 2 kleine Gruppen von Rentieren. Zum ersten mal im Leben live und in natura. Sie beäugen mich neugierig, während sie langsam an mir vorbeiziehen. Cool 😊




3 Stunden bin ich noch gewandert heute, dann zurück, Mittagessen und zum Bus. Die Reise zurück ist eine Odyssee: 31 Stunden bis ich zuhause bin. 6 Busse, 3 Züge. Es geht nach Idee, Älvdalen, Mora, Borlänge und Stockholm in den ersten 8 Stunden. Dann it Flixbus nach Göteborg, dann Kopenhagen, dann Hamburg.

Viel Zeit um die vergangenen 20 Tage Revue passieren zu lassen, zu begreifen, das das Wirklichkeit war und was ich da eigentlich geschafft habe. Und warum es trotz dieser Strapazen so beeindruckend und einzigartig war.

Hallo Süden, ich komme zurück! Ich hab den Winter vor mir hergeschoben und den Frühling in den Norden gebracht. Die Mission ist vollbracht.



Tag 19 - Bis zum Ende der Welt ! - 461 km (heute 20,8 km)

Der Vormittag war scheußlich, denn es war tierisch kalt und hat gegossen. Wir sind zusammen durch die tropfende Landschaft gestapft, müssten durch unzählige Pfützen und 3 kleinere Flüsse waten. Finger und Zehen taten so weh. Der Trail selbst war sehr wild und roh, ein dutzend umgekippter Bäume versperren den Weg. Wenn nicht gerade durch Wasser, ist der Untergrund steinig und sehr kurvenreich. Hat spass gemacht, als ich irgendwann vorne war und etwas Gas geben konnte, besonders weil mich das Tempo der Gruppe nicht warm genug machte.



Gott sei Dank war das Häuschen-Symbol auf der Karte eine echte, frei zugängliche Wanderhütte denn wir waren alle bis auf die Knochen nass und durchgefroren. Als erstes Feuer an, schön groß, nasse Sachen aufhängen und etwas warmes essen: ich habe erfunden: Linsensuppe in Katroffelpürree 😃

Die beiden waren erschöpft und demoralisiert von dem blöden Wetter. Sie wollten nur noch ins Hotel und in ein richtiges Bett. Und es waren noch 10 km bis Grövelsjön.
Dann legte der Mann sich hin und wollte erstmal schlafen. Waas ?? Aber.... Für mich war's der letzte Abschnitt, die letzten 10 km, ich war aufgeregt und hatte meine Energielevel hoch gehalten. Und doch: Ich habe gewartet. 
Wir entschieden dann nicht den Wanderweg zu gehen, sondern bei der ersten Kreuzung die Strasse zu nehmen. Dort angekommen, kamen die beiden nicht weiter, an einem Info Schild mit Tel-Nr der Hotels in der Umgebung. Sie wollten erst anrufen und buchen und wussten nicht mehr wohin. 



Unterdessen war es 17 Uhr und ich hatte noch 10 km Roadwalk vor mir. An dieser Stelle hab ich mich verabschiedet und der Strasse entlang  im Nieselregen den Anstieg nach Grövelsjön angegangen . 2 Stunden später bin ich am Ziel.


Ein begeistertes Ehepaar mit einem sehr misstrauischen Hund haben mich die letzten 50 Meter begleitet um den Symbolischen Endpunkt, die Windschutzhütte am Seeufer zu erreichen. 

Und das ist er, der Grövelsjön, das Ende der Welt. Dahinter beginnt Norwegen. So weit im Norden war ich noch nie.


Ich hab's tatsächlich geschafft!!! 461 km baby! KO aber überglücklich und auch stolz auf mich und meine Füße die Strapazen durchgehalten zu haben. 




Ich habe erst vor ein paar Tagen daran geglaubt dass ich es schaffen könnte. Die ersten zwei Wochen dachte ich immer wieder das schaffe ich nicht, das wird zu knapp. Gegen Ende, die Tage mit Jana und Craig, bin ich im Tempo stark runtergegangen um nicht Tage zu früh anzukommen. Geschafft, Wahnsinn!!

Morgen steht die Busreise nach Stockholm auf dem Plan. Mein Flixbusticket wurde gecancelt und mir wurde eine andere Strecke geschickt. Die geht erst um Mitternacht von Stockholm nach Göteborg und von da aus nach Hamburg weiter. Nun ja, im Süden soll tolles Wetter sein. 



Tag 18 - fast am Ziel- 20,2 km

Die Sonne hat sich verabschiedet. Ich habe um Zelt gut geschlafen aber morgens ist's natürlich kalt.
Wir haben uns an dem Laden noch einen gratis Kaffee geholt und sind los. Alles bewölkt und ein kalter, nasser Wind kommt auf. Mit der unterdessen klassischen Ironie dieses Trails, beginnt der Tag mit einer Sumpfüberquerung (nasse Füße/Socken).
Dann waren Schotterstraßen lange Zeit der Untergrund. Gut, weil trocken aber über Stunden hart auf die Füße.



Die Landschaft indes ist für mich ganz neu. Auf Ca 600 m Höhe, weit im Norden, zwischen höher werdenden und schneebedeckten Berggruppen. Grosse, dunkle Tannen prägen die Grundfarbe. Und immer wieder kuriose Felsformationen und Wasser. Klares, nicht mehr braunes Wasser. Grosse, starke Flüsse. Immer noch keine Elche.



Ich bin nach wie vor mit den beiden unterwegs. Die Gespräche lassen die Zeit schneller vergehen. Nach 20,2 km  sind wir in die Hütte eingezogen. Morgen noch mal 16 oder so und ich bin am Ziel.

Das Ende dieser Reise naht und das Wetter "wischt mir noch eins aus", lacht mir ins Gesicht. Ab heuten Nacht (3 Grad) soll es morgen den ganzen Tag durch regnen, bei Max 8 Grad!!

Also morgen nochmal pushen durch jeden Regen und jeden Sumpf und tropfend am Zielort auf der Matte stehen.


Tag 17 - Gruppenhiking mit Iana und Craig - 18 km

Ich bin heute zusammen mit Iana und Craig, die beiden Hiker, die ich in der Hütte angetroffen habe, gewandert. 



Es war lustig, weil so viele Geschichten gelaufen sind. Es war auch schnell, die Zeit verging wie im Fluge weil jemand zum plaudern da war. Die 5 Stunden waren schnell um und wir waren schon vor 16 Uhr am Ziel.
Und dann war es auch merkwürdig, ich bin bisher immer solo gewandert, habe meine eigene Gangart und Geschwindigkeit entwickelt und es ist erstaunlich wie anders andere Leute laufen. Beispielsweise dauert es bis zu einer halbe Stunde aufzuholen, wenn mal eine 40 Sekunden Pinkelpause sein muss.



Auch bleibe ich öfter stehen um die Natur anzuschauen. Ich meine Natur wie ich sie noch nie geshen habe, die ich Do auch nur ein mal im Leben erleben kann...da ist es mir zu schade, durchzulaufen und nur auf den Boden zu schauen. Und der trail heute war wunderschön.




Wie sind in Flötningen angekommen, ein winziger Ort und die vorletzte Station. Und es gibt hier einen Supermarkt. Wir haben uns eingedeckt mit Essen und in einer Gasse neben einem alten schuppen erstmal gut gegessen. Brot, Spiegeleier, Tomaten und massig Süßigkeiten. Wir sahen aus wie Obdachlose, aber welche die teures und hochspezialisiertes Equipment haben.





Pragmatischerweise haben wir ein paar hundert Meter weiter am Seeufer unsere Zelte aufgeschlagen und bleiben heute hier. 


Tag 16 - die schwedische Wildnis - 30 km

 Endlich hat es mal nicht den ganzen Tag geregnet. Um 7 bin ich los und habe schweren Herzen die Gemütliche Hütte verlassen. 

Den ersten berg hoch, dann kam so eine dunkle Wolke, dass ich mich in einer Windschutzhütte in die Ecke gekauert  und hab mich verkrochen. Alles in mir rief: nicht weitergehen, du wirst wieder klatschnass.



Aber zum Glück wurden die Löcher in den Wolken immer zahlreicher und grösser und mit Sonne hat alles mehr Farbe und mehr Geruch.



Ich bin heute durch ein Gebiet gezogen, dass mit das schönste war, dass ich je in meinem Leben gesehen habe. 



Bestimmt 5 oder 6 Stunden lang bin ich da durchgelaufen.

Die ganze Gegend hier ist so wild und weit weg, und es gehört alles mir.


Und klar, wenn es nicht regnet, dann sind eben mosquitos am Start. Gleich zu tausenden, nicht dass jemand glaubt, er kann ungestraft durch dieses Gebiet.



Nach einem letzten harten Push durch feuchte Schwämme habe ich eine Wanderhütte wo schon 2 Biker am Nudeln essen waren : Anna aus NL und Greg aus Südafrika. Beide gut ausgestattete Hiker, mit denselben Ziel wie ich: Grövelsjön. Trete Fußstapfen hatte ich schon den ganzen Tag gefolgt, schwere boots im Schlamm. Anna benutzt wie ich Salomon-Schuhe. Es wurden viele gute Gespräche an dem Abend über Dinge die sonst keiner versteht. 
Zum Beispiel die Fortbewegung im Moment ist von Busch zu Busch springen und von moospolster zu moospolster. Es fühlt sich an wie durch Daubenkissen zu schreiten oder narshmellows. Aber das Ding ist: zu wissen welche moossorten die richtigen sind! Braun oder grau ist ok, gelb kommt auf die Form und Höhe an, grün und gar rot, auf keinen Fall, die schwimmen nur. Alles um nicht bis zum Knöchel in Wasser zu versinken.

Fulufjället - Fotosession

Da ich die letzten Tage eine instabile oder gar keinen Empfang hatte, wurden keine Fotos hochgeladen.


  1. Hier nun ein paar Impressionen von "da oben auf dem Berg".

 (Die Bilder stammen natürlich von den Momenten, als es gerade nicht regnete...)












Tag 15 - das Dorf Gördalen - 21 km

Puh schwieriger Tag. 
Aber gestern kamen als ich schlafen ging 2 Hiker um in der Hütte zu übernachten (es war Platz für 12). Julia und Kevin machten ein kleine Wandertour. Wir hatten sehr nette Gespräche. Aber kurz, Hiker gesehen früh schlafen.
Schon im Morgengrauen heulte der Wind. Steife Brise um 6 als ich losging.Dazu graue Wolken so tief dass sie auf dem Boden vorveiwehten.  Kalt und nass. So war der ganze Tag. 
Ich hab mich nach Westen gewandt um den Berg hier wieder zu verlassen.Und hab mich durch diese merkwürdige Landschaft gekämpft. Überall ein Gebröckel von rotem Sanstein. Kugeln,  Scherben, in jeder Größe. Von etlichen Eiszeiten zertrümmert. Eine Stein-Einöde von Horizont bis Horizont. Nicht mein Ding.
Ohne Bäume pfeift hier der Wind rüber (von vorne den ganzen Tag), und der Regen und die Wolken. Den Naturgewalten ausgesetzt. Und da treiben sich Menschen rum. Eine Familie mit Kind, ein älteres Ehepaar hinter nem Busch ("I need food now!"). Ich glaube heute hatte keiner sonderlich Spaß.

Von Hütte zu Hütte hab ich mich die Strecke vom Berg runter gehangelt. Trotzdem haben mich etliche Regenwände erwischt. Der Weg geht bergab!! Schön bald ist der Wind weg und es wird milder. Ich trete auf Holz, so ein anderer Klang. Ich trete auf Gras, ich trete in die ganzen Wasserpfützen und prall gefüllten Moospolster. Ach ja hier unten, wo das ganze wasserbsich sammelt. 

Ich erreiche endlich Gördalen, das Dorf im Tal. Im Restaurant Pitt i Panna, eine Art schwedischen Bauernfrühstück und miete mir ein kleines Häuschen. Bin KO.





Morgen geht es wieder bergauf, vielleicht gibt's da wieder kein Signal. Wetterbericht zeigt nur Regen. Egal was kommt, eins ist gewiss: ich Krieg wieder Wasser in die Schuhe! Cheers!!






Tag 14 - Fulufjället Gebirge - 22,2 km

Heute bin ich nicht nass geworden!! Auch in den Schuhen nicht. Bin von der Hütte Ca 06:00 Uhr los, den Berg hoch. Es hat fast 3 Stunden gedauert, bis ich oben war. Rast nach 4,5 Stunden, um 10:30. 
Mein Frühstück war Haferkekse während ich auf das Essen warte, eine Portion Yaksoba, eine grosse schale Müsli, Nüsse und 2 Kaffee.

Ich arbeite mich langsam weiter durch die Sandstein-Geröllfelder. Hier oben ist es wie auf einem anderen Planeten. Die Vegetation ist max 40 cm hoch aber erstaunlich vielfältig. So viele verschiedene Moose hab ich noch nie gesehen. Das rote und das leuchtend grüne muss man vermeiden, da ist Wasser drunter. Das graue wächst nur auf Fels, da kann man sicher rauftreten. Voran kommen ist schwer, es gibt keinen ebenen Boden. Jeder Schritt muss vorsichtig platziert werden was tierisch anstrengend ist. Zahlreiche Schneefelder und Schmelzbäche gilt es zu durchqueren. Das Wasser ist wie Glas und eiskalt. Und das alles in einer flachen Mondlandschaft, wo es nur Himmel und Erde gibt. Meine Strecke geht von Horizont bis Horizont, immer geradeaus. 

Das Wetter kann hier oben extrem schnell umschwenken. Scheint die Sonne, ist es 25 Grad. Kommt ne Wolke, bohrt sich überallhin der eisige Wind. 

Schon um 15 Uhr erreiche ich mein Ziel: eine Hütte oben auf dem Berg-Plateau, auf 945 m Höhe. Habe mich mit dem Eiswasser gebadet und die haare gewaschen. Ich gab einen Sonnenbrand auf den Armen und den Waden.  Ich gab so viel gegessen, auch das ist neu. Bei mir hat wohl der Hiker-Hunger eingesetzt. Ich gab bestimmt ein Kilo essen (Nudelsuppe mir frischen zwiebeln und paprika mit geräucherter salami in Kartoffelpürree ) zu mir genommen, und ich konnte die ganze Zeit nur an die anderen leckeren Gerichte denken, die ich nun nicht essen könnte.

Strom ist voll und reicht für 5 Tage, Essen gab ich noch für 8-10 Tage, Wasser gibt's hier überall. Solange ich nachts einen Shelter finde, kann das ewig so weitergehen. Seit 14 Tagen bin ich nun unterwegs und einige Strapazen hinter mir. Ich habe mir die Tage oft überlegt, was so toll ist an dieser Art des wandern. Warum tut man sich das an? Warum nimmt man das Leid und die Strapazen auf sich? Nun zum einen ist es das Unberechenbare. Man weiss nie wie der Tag wird, was hinter dem nächsten Baum wartet. Es zwingt einen sofort ein Lösung zu finden, und das fast im Minutentakt. Dazu kommt das Gefühl von "acomplishment" hinzu. Es scheint man würde es nicht schaffen, es ist zu schwierig und man findet in einem eine Quelle purer Kraft, die durch Willenskraft gespeist wird. Hat man das Hindernis oder den Tag überstanden, blickt man zurück und sieht: man hat es dich geschafft und das aus eigenem Zutun. Man fühlt solche Lebenskraft in einem, solche Energie, dass man die ganze Welt erobern könnte. 
Und die Schönheit der Natur!! Ich habe so viele Erfahrungen gehabt und Dinge gesehen, die ich noch nie in meinem Leben erlebt habe. Und ich bin froh darüber, den Mut gefunden zu haben, diesen weg anzugehen. Am Ende ist es ganz einfach: immer einen Schritt nach dem anderen.



Ich habe auf dem Gipfel keinen Empfang. Nix mit nach Hause telefonieren oder den Blog abschicken. Mal sehen wo ich morgen hinkomme. Wenn ich Empfang habe sende ich dies nach....Fotos müssen dann später folgen.

Tag 13 - Geröll und Gewitter - 24,3 km

Ich bin sehr früh los (05:30 Uhr) von der Hütte auf dem Gipfel. und habe Ca 4,5 Stunden gebraucht, bis ich unten war. Witzig wie deutlich anders "oben" und "unten" doch sind: oben graubraun, felsig karg, alle Vegetation verkrüppelt durch die harten klimatischen Verhältnisse. Und im Tal, ist alles feucht, kaum Wind, alles so grün.



Unten sammelt sich natürlich das Wasser. Und füllt die schönen schwedischen Sümpfe. Manchmal, gibt es Planken zum ruberlaufen, und manchmal sind die Planken unter Wasser. Nun ja, die Absicht zählt, oder?



Über einen grossen Fluss ging's dann langsam wieder bergauf. Ich treffe auf dem weg Sabriba aus England, die erste Hikerin, die ich auf dem trail sehe, bisher war ich allein. Sie wandert in entgegengesetzte Richtung. Wir plaudern eine Weile und weiter geht's. 



Dann bricht das mega-Gewitter los und es regnet und donnert den Rest des Tages. Ich bin klatschnass und der Regen kauft mir überall rein. Aber ich wander weiter. Ich frage mich mehrmals, ob meine Gummisohlen mich noch vor den blitzen schützen, wenn ich zwei metallene Blituableiter in der Hand halte (meine Trekking-poles).





Nach 10,5 Stunden erreiche ich die Sudspitze des Fulufjället, ein berühmter Nationalpark. Und eine halbe Stunde später endlich die Wanderhütte wo ich übernachten werde. Alles rausnehmen und ausbreiten, Socken und Schuhe trocknen, denn morgen wird es wieder regnen. Und ich will die 2te Hütte schaffen,wird also noch ein sehr anstrengender Tag.

Die Meistgeklickten