Tag 11 - mein erstes Equipment fail - 28,5 km

 Um Mitternacht würde ich in meinem Zelt von Regen überrascht und musste die Regenplane befestigen. Am nächsten Morgen ein tropfnasses Zelte einzupacken ist widerlich. Und das Zelt wiegt das doppelte.

Ich schlage mich 5 stundenlangen durch nassen Wald und über einen echt schwierigen Trailabschnitt bis ich endlich Sixtorp erreicht habe. Ich wollte die ganze Zeit da sein, und das ist nicht gut zum hiken. Es ist besser wenn man sich darauf konzentriert, "hier"zu sein statt"dort".... Es fühlt sich so an als würde man nie ankommen. Es war eine anstrengende Episode. 



Als ich ankomme an der schönen Wiese, den tollen Strand, und meinen Rucksack absetze, kommen nach wenigen Minuten eine 20 köpfige party-Gruppe und etablierten sich 4 m von meinem Zelt - und sprechen nicht mit mir ( auch nach mehreren Versuchen meinerseits). Ich fühle mich nicht wohl, " Bad vibes".. pebble kurzerhand meine Sachen und ziehe los zum nächsten shelter, 10 km.



Diesmal laufe ich ruhiger und der hike war schön. Leider Bericht mir beim linken Trekkingpole plötzlich die Spitze ab !! Ich habe die Spritze mit Panzer-Tape umklebt, damit sie nicht abfällt. Aber wenn ich ein bisschen Druck mache, biegt die Spitze. Zum hiken benutzen kann ich Larry nicht mehr. Ich hoffe dass es reicht um mein Zelt aufzustellen, ich brauche dazu beide Trekkingpoles. Ich weiß noch nicht was ich machen soll ...




Gegen 18 Uhr erreichen ich eine ganz kleine Windschutzhütte an einem traumhaften See. Voller Leute. Voller super interessante Leute, wenn man sich für Mühe gibt, die in Gesprächen zu verwickeln. Mit drei Gruppen von sehr unterschiedlichen Menschen habe stundenlangen geredet. Nun ist es schon nach zehn und ich hab meinen Rucksack noch nicht Mal ausgepackt. Das wird nix mit früh aufstehen morgen. Ich hab so viel zugedrückt bekommen von so denen, gotta love free food. Es gab Kaffee, Bier, Tee, Cola, 3 angebrochene Packungen mit Keksen und 1,5 Liter Trinkwasser. 




Tja doof mit dem Trekkingpole, ich muss Mal sehen wie das geht morgen.


Tag 10 - eine alte Liebesgeschichte - 34,6 km

 Gestern Abend kamen noch die beiden Jungs, die ich mittags getroffen hatte, zu meiner Hütte und haben dort ihre Zelte aufgeschlagen. 

Heute morgen, als ich um 07:30 Uhr das Camp verlassen habe, haben sie noch tief geschlafen. 

Bis 10 Uhr bin ich gelaufen, und hab dann das Cafe in Ramundeboda erreicht, das "two sisters Cafe", wie ich es nenne. 2 belegte Brötchen und 3 Tassen Kaffee später war meine Stimme Pause um und ich bin wieder los. 

Auf der Strecke lag ein toter Elch, von Wölfen gerissen. Der riesige Kadaver stank wie die Pest und war gruselig anzusehen. 

Eine besondere Stelle möchte ich aber erwähnen, die war mir vor Jahren schon aufgefallen. Ganz oben auf dem Berg ist eine große, abschüssige Fläche ohne Bäume. Der Blick geht bis zum Horizont über Wellen und Wellen von Wald, bis in die Unendlichkeit. Dort oben steht eine hübsche Bank und ein kleiner Tisch mit frischen Blumen darauf. Etwa 30 m weiter, den Hang hinunter, steht ein weiterer kleiner Tisch mit einer weißen Urne. Dieser Ort ist etwas besonderes, jemand kommt regelmäßig und hat diesen Wahnsinns Ausblick. Dieser Ort sagt: " unsere Liebe ist für die Ewigkeit"!



Auf dem Weg zum nächsten shelter treffe ich 2 thruhiker aus der Schweiz, die den Bergslagsleden vor 13 Tagen von Norden aus gestartet sind. 13 Tage, und da will ich hin. Da muss ich aber schneller werden. Wie immer sind solche Begegnungen intensiv, man sieht ne halbe Stunde gegenüber, mag den Rucksack nicht ablegen (will man will ja weiter) und fragt und redet so viel wie möglich in der kurzen Zeit. Wie ist der trail voraus? Wir weit der nächste shelter, Vorsicht toter Elch in 1 km, habt ihr gehört von Bettina& Christian, die zum Nordkap wollen, die sind 6 Tage voraus. Ausrüstung, Gewicht, Essen, Blasen, Wetter, usw.... Immer fröhlich und gut gelaunt will es toll ist hier draußen Menschen zu treffen.



Gegen 14 Uhr am shelter hatte ich schon 23 km auf dem Tacho, es war mir aber nicht genug. Nur kurze Pause gemacht. Der shelter weckte Erinnerungen.

"Clouds", das Foto ist für dich:



Ich bin dann noch weitergelaufen, bis ich nicht mehr konnte. Und dann habe ich noch ne Stunde lang nach einem Platz Gesicht, wo ich mein Zelt aufstellen konnte. Endlich finde ich einer falsche Stelle zwischen ruhigen Bäumen mit Moospolstern. Hier übernachten ich heute im Zelt.

Gestern habe ich beim Kaffee kochen den Kocher vergessen.... Der hat fast 15 Minuten lang das Wasser für den Kaffee gekocht. Nun ist mein Gas Kanister halb voll. Ich hoffe sehr dass das Gas noch reicht. Daher werde ich heute schnell kochen und dann gleich schlafen gehen.

Tag 9 - der grüne Tunnel - 28 km

 Heute war es denn ganzen Tag grau, aber es bleibt trocken. Erst am späten Nachmittag ließ sich die Sonne blicken.

Ich bin früh los, um 07:30 war ich auf dem trail. Zum Glück war der nicht so brutal wie gestern, stattdessen bin ich fast den ganzen Tag auf Kiefernadeln gelaufen. Außerdem war ich den ganzen Tag tief im Wald. Kein Himmel zu sehen nur dass grüne Dach, die Stämme und der trail: der grüne Tunnel.




Ich laufe ja nun auf dem Bergslagsleden, der sehr populär ist, daher habe ich heute 3 Mal Menschen getroffen: eine 4er Gruppe die mit Kajaks unterwegs war, 2 junge Männer, die zum ersten Mal wandern waren ( sie hatten beide riesige Rucksäcke dabei, 27 und 30 Kilo schwer - die beiden haben gestern die Strecke von meinem Campsite zu den, wo ich die getroffen habe und haben dafür den ganzen Tag gebraucht. Ich hab die Strecke in 3,5 Stunden gemacht) und eine kleine ganz dünne ältere Dame mit PCT-würdiger Ausrüstung. Die hatte dieselbe Isomatte wie ich: z-lite von thermarest, und die Wüste sehr genau war ihr Rucksack wog: 870 Gramm! Das muss man erst Mal schaffen.

Gegen 16 Uhr hatte ich 28 km zurückgelegt und war dankbar die Windschutzhütte an Rand eines großen Sees umgesetzt vorzufinden. 




Ich habe mir Holz gesägt und werde heute Abend ein Feuerchen haben, für die Stimmung und um Mücken abzuschrecken. Und was kochen werde ich gleich, während mein Solarpanel noch für letzen Sonnenstrahlen in mein Handyakku drückt: frischer Paprika, Olivenöl, Salamis, das ganze anbraten, mit Zwiebelsuppe aufgießen und Kartoffelpüree hinzugeben. Mjam!



Tag 8 -es kostet einen Preis - 21,4 km

 Heute war mit Abstand der Tag mit der schönsten Landschaft und der härteste Tag bisher. Der trail war die ganze Zeit hammerhart. Nur Wurzeln, Felsen und Löcher. nirgends genug Platz für einen Fuß. Nicht einmal konnte ein Schritt einfach unbedacht gesetzt werden, jeder Schritt musste platziert und mit Aufwand durchgezogen werden, jeder Meter musste einer werden. Und dann hoch, runter, links rum, rechts rum, springen, ducken, seitlich vorbeischieben. hammerhart!





Gleichzeitig, war die Landschaft durchgehend atemberaubend schön, die ganze Zeit. Hinter jeder Ecke einer neue Aussicht/Ansicht, eine schöner als die andere. Ich hab mehr als 50 Fotos geschossen, die ganze Zeit im "Postkarten-Modus"
Zuerst bin ich ne Weile am Ufer des Vättersees gelaufen: Felsen, Kiefern und dieser riesige, über 200 km lange see, kristallklares Wasser, tiefgrün. Malerisch schön.



Dann ging es in den wilden Bergslags-Wald mit seinen zerklüfteten Schluchten und moosbedeckten Felswänden und den vielen plätschernden Bächen



Bei der wirklich beeindruckend schönen Landschaft und dem schwierigen trail bin ich nur langsam vorangekommen. 7,5 Stunden für 21,4 km und meine Füße schmerzen.

Ich liege in meiner Windschutzhütte (Kölnavattnet - malerischer Platz) und warte auf mein Essen: Nudeln mit Rindfleisch und Paprika von Travellunch.

Hier gibt es kein Internet, den Blog Eintrag muss ich vornehmen wenn ich wieder ein Signal habe.

Ich habe heute überlegt: es ist ein ziemlich tolles Gefühl, "auf dem trail" zu sein. Also, ich meine im Vergleich zu "sich verlaufen zu haben" und nicht zu wissen wo man ist. Ich meine ich weiss sowieso nicht so ich bin, aber bin ich"auf dem trail", bin ich richtig, bin ich Zuhause. Dieser schmale, kleine Pfad bringt mich dahin, wo ich hin will. Ich kann jederzeit stoppen, mich einigeln, mein Zelt aufstellen, aber jeder Meter den ich einer habe ist ein Meter mehr in die richtige Richtung.
Und meist gibt es nur den einen kleinen Pfad, stundenlang, bis Mal eine Kreuzung kommt. Auf dem trail bin ich sicher.
Mein Mikrokosmos, in dem ich mich bewege ist ziemlich klein. Ich und meine Tüte mit den Essen, ich mit dem Windschutz und der Sonnenstrahl der mich wärmt, ich und die nächsten paar Schritte die ich tun muss... Und wenn ich aufschaue, die Welt in der ich mich bewege, ist riesig, unendlich weit, überall Himmel, überall Wald und darin laufe ich Mini-hiker auf dem trail, allein.
Nun, ganz allein bin ich ja nicht, da ist mein Rucksack, meine Trekking poles ("Benny" und "Larry"), und meine Füße ("Rechts" und "Links"). Man merkt, bei mehr als 8 Tagen allein im Wald fängt man an, rumzuspinnen.

Tag 7 - Nearo in Granvik - 8 km

 Gestern Abend nachdem die Leute Weg waren, wurde es wieder still an meinem Campsite. Es fing auch an zu regnen und der Regen blieb die ganze Nacht. Ein wundervoller Frieden legte sich über den See, das leise Rauschen des Regens auf dem Wasser, das Pfeifen der Singschwäne, das über die Täler scholl und ich, warm und satt in meinem Schlafsack. Als die Wolken kurz aufbrachen konnte ich mich an meinem Ausblick aus dem Schlafsack kaum sattsehen.  Nebelschwaden tanzten über das Wasser, ein Biber (oder ein Otter - hab nur den Kopf gesehen) schwamm einmal durch die Szene und Himmel und See teilen sich dieselben wunderschönen Farben. In dem Moment wollte ich nirgendwo sonst sein.




Heute morgen war alles grau. Eine dicke Wolkendecke überzog den Himmel. Zum Glück war es nicht so kalt wie in den ersten Tagen, etwa 12 Grad. Aber feucht. Es hat die Nacht durchgeregnet, ganz leicht und der Wald hat sich vollgesogen.

Schon 15 Minuten nach dem Start waren meine Füße nass. Das allerdings zum ersten Mal seit Beginn der Wanderung!! 




Durch sehr felsiges Gelände ging es die letzten Kilometer Richtung Granvik.




Ich habe mich dort in das Wanderheim / Hostel für eine Nacht eingenistet. Heute ist damit ein "Nearo", also ein "near zero day", ein Tag an dem man nur wenig läuft und dann dem Körper für den Rest des Tages Ruhe gibt.

Und das hab ich getan. Heiß geduscht (mehrmals), auf dem Sofa gesessen, Füße hochgelegt, gelesen, und mir Gedanken gemacht habe über die nächsten Abschnitte: bisher bin ich 150 Kilometer gelaufen und damit den "västra Vätterleden" absolviert. Hier beginnt ein neuer trail, der "Bergslagsleden", der etwa 300 Kilometer nach Norden führt, alles entlang des E1. Danach folgen noch etwa 50 km um zu einer Stadt zu kommen und einen Zug nach Stockholm zu erwischen. So der grobe Plan. Viel feiner will ich ihn auch gar nicht stricken. Platz nach oben (Norden) ist allemal: der Sméleden, dann der Siljansleden an Mora vorbei, dann über den südlichen Kungsleden hoch in die Berge, eine E1-Strecke, die ich vor ein paar Jahren gelaufen bin.

Tja heute langweilen sich meine Beine, aber am Ende tut es ihnen gut. Morgen früh geht es weiter, das Gebiet hat allerdings des öfteren keinen Empfang. Ich bin nicht sicher ob ich regelmäßig Posten kann, oder ob es für den Upload von Fotos reicht. Sollte meistens gehen. 

Die Kommentare zu lesen ist ein Riesen-Highlight und ich freue mich sehr über sie. 








Tag 6 - thruhiking blues und trail-magic - 23,8 km

 Irgendwie konnte ich gestern Abend nicht einschlafen, selbst nach über 30 km. Erst als es ganz dunkel war (23 Uhr) funktionierte es einigermaßen. Es half nicht dass ich immer wieder Autos hörte, die drohten mein Zelt umzufahren (die Straße war 100 m wir weg) oder das nachts ein Elch zum Schnuppern kam und plötzlich weggalopierte und noch lange durch den sonst stillen Wald knackste.

Dadurch bin ich heute auch erst um 9 los. Die Schmerzen wahren Weg, ich war nach dem Kaffee each und gut drauf.

So langsam stellt sich bei mir der thruhiker-blues ein: aufwachen, einpacken, mein Zuhause für eine Nacht verlassen und sich auf den neuen Tag freuen. Einfach drauf los laufen, ohne Eile, ohne Ziel, Mal gucken was da kommt. Das geht erst nach einer Woche oder so, wenn die Schmerzen nicht mehr so Doll sind und ich den ganzen Tag laufen könnte. 




So habe ich heute fast 24 km zurückgelegt ( 8 Stunden gewandert) und war am Ende nicht so zeichnen wie die letzten Tage. Und wie wunderschön war heute der Wald! Dieser wundervolle Geruch von warmen Kiefern überall, die Landschaft schroffer, wilder, voller großer und kleiner Felsen. Die "Felsmonarchen", wie ich sie nenne, groß wie ein Haus.



Ich habe heute einen Waldabschnitt gesehen, wo der Boden minutenlang mit Lilien bedeckt war, dazwischen die silbrigen Blätter von Pappeln. Traumhaft.

Unterdessen geht es manchmal auch schon richtig hoch und erfordert einiges an klettern und Höhenmetern. Dafür gibt's dann oben meist einen tollen Blick: Himmel von der einen Schulter zur anderen und dazwischen Wellen über Wellen grüner Wälder. 

Etwa 2 Stunden vor meinem Etappenziel bin ich heute an einer tollen Windschutzhütte an See gestoppt. Ich habe mir sogar ein Lagerfeuer gemacht. Jetzt wird gekocht, und dann diesen tollen See und die Stille genießen.



Nachtrag: abends um halb sieben kam noch 2 Pärchen mit Kindern und Hund zum Grillen. Die haben gegrillt wie die Weltmeister: Pilze, Würste, Hamburger, falafel, Salate.... Und die haben mich eingeladen. Ich bin nun so was von papp satt.... Und glücklich. Das war echte "trail-magic".




Einer der leute läuft nächstes Jahr den PCT - wir haben natürlich ne halbe Stunde über nix anderes geredet: resupply Strategie, Gewicht, Ausrüstung. Ich wünsche ihm, das er nächste Jahr seinen permit bekommt.


Tag 5 - die Sonne ist endlich da - 30,8 km

 Was für ein langer Tag! Heute morgen war strahlend blauer Himmel, nicht einer Wolke. Um 08:00 bin ich los. Es waren zwar nur 8 Grad aber ich bin in shorts und T-Shirt gelaufen. 

Und ich bin heute  einfach nur gelaufen, ohne Eile, ohne Ziel und hab die Umgebung auf mich einwirken lassen und genossen wir die Landschaft an mir vorbeizog. 




Und was für ein wunderschöner Abschnitt, der Wald in all seinen Facetten lichtdurchflutet. Tolle Farben und ich finde es immer so beeindruckend wie dieser naturbelassene, wilde Wald alle 10 Minuten sein,"Look& feel" vollkommen verändert.




Kurz vor zwölf komme ich am einer Windschutzhütte an, nach 14 km, wo ich Pause mache. Es ist warm und die Sonne scheint. Mit dem Wasser aus dem See Wäsche ich mir den Oberkörper und die Haare (endlich!) Und esse Tortillas mit Erdnussbutter und eine große Portion Gulaschnudeln. Dann lege ich meine Matte auf den Waldboden und schlafe eine halbe Stunde. Das ist meine Aussicht:



Ausgeruht will ich weiterziehen, als plötzlich Claas aus Bremen auftaucht, den thru hiker von Tag 1. Er kam aus Hjo und ist schon 19 km gelaufen. Wir haben Geschichten der letzten Tage ausgetauscht und über die weitere Strecke geredet. Wir wollen zwar beide nach Norden auf dem E1 aber er macht einige Umwege weil er oft zu Campingplätzen und Städte muss um resupply zu machen. 

14 km ist mir heute zu wenig, ich will weiter, verabschiede mich und laufe los. In nochmal 14 km kommt die Stadt Mölltorp, da soll es eine gute Pizzeria geben. Das Bild der Pizza in meinem Kopf beflügelt meine Schritte und ich laufe die ganze Strecke trotz der Schmerzen in Füssen und Oberschenkeln. 

Irgendwie schaffe ich es, bekomme eine wundervolle Pizza und kaufe im Supermarkt Dr pepper, Nüsse, Salamis und Thunfisch (in der Tüte). 



Alles tut weh, ich kann nur noch langsam humpeln und ich brauche noch einen Platz zum Schlafen. Also humpel ich aus der Stadt raus, zurück auf den trail und in den Wald. Am Wegesrand schlage ich mein Zelt auf. Passt ich will nur noch schlafen.






Tag 4 - kurzer Tag mit Muskelkater . - 14 km

 Tja gestern hat mich noch der Teufel geritten. Ich war ja schon 18,4 km gelaufen, war um 12 aber schon im Camp. Ich hab mir den Bauch vollgeschlagen, mit meiner Family telefoniert, den Bild geschrieben und dann bin ich, im Schlafsack eingemummelt weil es so kalt war, eingeschlafen während es draußen regnete. 3 Stunden hab ich geschlafen, um 18:30 wieder aufgewacht. Draußen war es trocken. 

Spontan kann mir die Idee, ich könnte ja noch bis zur nächsten Hütte. Und während ich fieberhaft gepackt habe, Schritt in mir einer Stimme "bist du wahnsinnig? Sieh doch was du aufgibst, das sind mindestens 16 km, im Dunkel, lass es lieber sein". Aber mein Körper meine er hatte keine Schmerzen mehr.

Also im Rekordtempo gepackt und los, um 19:15 Uhr. Ich bin ziemlich schnell und angestrengt gelaufen, weil mir doch etwas mulmig zumute war, aber es war auch spannend. Ab 22:00 Uhr würde es im Wald sich sehr dunkel und ich bin mit Rotlicht gelaufen. Es wurde ganz still in Wald, meine Schritte waren die einzigen Geräusche. Um 23:00 bin ich an der Schutzhütte angekommen. Da schlief schon einer, ein Deutscher, der mit dem Motorrad unterwegs war. Viel geredet haben wir natürlich nicht, und gesehen hab ich ihn auch nicht, heuer morgen ist er schon um 6 weiter, während ich heute bis 9:30 geschlafen habe.

Damit bin ich gestern 34,5 km gelaufen. 

Heute war der Tag verregnet, den ganzen Tag. Ich bin in voller Regenmontur gelaufen durch den nassen Wald. Bei Regen habe ich auch nicht so viel fotografiert. Schade eigentlich, weil es war ein hübscher Abschnitt.



Die sandigen, breiten Wege von südlichen Vätterleden habe ich nun verlassen und in der Kommune Hjo angekommen. Da auch die Wanderwege kommunal verwaltet werden, merkt man den Unterschied: die Markierungen sind älter, die Wege auch, die sumpfigen stellen nicht überplankt. Aber auch die Landschaft wechselt: in den Tälern ist feuchter, sumpfigen Laubwald, höher sind felsige, wilde Kiefernwälder. 



Das Laufen fiel mir heute sehr schwer. Wahrscheinlich der Preis den ich für meine gestrige Nachtwanderung bezahlen muss. Jeder Schritt schmerzt, ich kann mich nicht entscheiden welcher schlimmer ist: der Schmerz in den Füßen, in den Schenkeln oder auf den Hüftknochen. Jedenfalls dauert das vorankommen ewig. 

Der Wind scheint langsam nachzulassen und es ist auch nicht mehr dieser eisige, fiese Wind wie in den ersten Tagen. Riechen tut der Wald noch nicht, dazu ist es zu kalt. Wir haben hier heute nur 6 Grad.

Ich habe heute einen Elch gesehen. Eine alte graue Elchkuh, besser gesagt. Sie rannte einmal quer durch die Bühne, vielleicht 20 m entfernt. Für ein Foto keine Zeit. 

Als ich gehen halb drei an eine Schutzhütte komme, freue ich mich, mal aus dem Regen zu kommen und Pause zu machen. Ich musste auch dringend was essen und hab mir die berühmte "Ramen-Bomb" zubereitet: ramen-Nudeln, Kartoffelpüree und Knoblauch. Es war wahnsinnig lecker und endlich ist mein Bauch voll.

Meiner Muskeln allerdings sind total steif, ich kann mich vor Muskelkater kaum bewegen.. Das heißt ich gehe heute nicht weiter. Irgendwann muss ich meinen Körper auch die Gelegenheit zur Regeneration geben. Also ein kurzer Tag heute. 50 Meter vor meinem Lagerplatz wohnen 2 Singschwäne. Toll diese riesigen Tiere Mal von nahen zu sehen.







Tag 3 - bitterkalt, und spontane Nachtwanderung - 34,5 km

 Um 06:30 habe ich mich aus dem Schlafsack getraut. Each war ich eigentlich stündlich, die ganze Nacht durch. Mal weckte mich der Steinsknochen, mal die Hüftknochen, mal die Kälte. Aber eigentlich habe ich neun Mal ne Stunde geschlafen.

Morgens schien noch die Sonne, also hab ich mein Handy noch mit dem Solarpanel aufgeladen. Um 07:30 find aber schon wieder an zu regnen, als ich aufgebrochen bin.

Der trail war heute wunderschön. Und ja, hervorragend markiert! Und trocken!!! Ich habe bisher keine nassen Füße gehabt.





Der Wald bestens hauptsächlich aus lichten Kieferwäldern. Der Boden flächendeckend mit Heidelbeeren bestückt und gesprenkelt mit weißen Flechten. Sehr sandig und wellig. wirklich hübsch zu durchwandern, hin und wieder allerdings sehr steil auf und ab.

Gestern nicht weiter zu gehen war eine gute Entscheidung. Ich war wieder ausgeheilt und konnte gut laufen, sogar ziemlich schnell, und hatte Spaß dabei und konnte die Umgebung genießen.
Das Training vor Abreise hat sich gelohnt: meine Beine sind kräftig und ich hab ne Menge Puste.

Allerdings machen die Füße, wie immer, als erste schlapp. Die Fussfohlen tun nach ein paar Stunden einfach höllisch weh.

Schon um 12:00 Uhr kam ich an einen See mit Windschutzhütte und werde wohl hierbleiben. Ja, der Tag ist gerade Mal zur Hälfte um, und ja ich bin ein Weichei. Aber nach vorne ist erst in weiteren 18 km ein guter Campsite (und 36 km schaffe ich nicht) und es soll ab 18 Uhr regnen. Eine Hütte Bieter bei Regen einfach den besseren Aufenthalt. Und eilig haben ich es eigentlich auch nicht. Ein bisschen schämen zur ich mich allerdings schon.




Aber der Spot ist einfach traumhaft schön. Dies Hütte liegt oberhalb eines klaren, dunkelgrünen Sees, es ist voller Vögel und Fische und wunderbar harmonisch.




Stören tut das ganze die Kälte!! Sei Tagen ist mir nur selten warm. Der Wind ist eisig und selbst mit gelegentlichen Sonnenstrahlen ist die Temperatur heute nicht über 10 Grad gekommen. Ich meine, wenn ich laufe, werde ich warm, aber ich kann (noch) keine 14 Stunden lang laufen. Selbst mit Handschuhen, langer Unterhose und Daunenjacke, friere ich die meiste Zeit.
Die Temperatur soll bis Sonnenuntergang auf 6-7 Grad fallen, morgen sollen es nur 4 Grad werden. Mit Regen in der ersten Tageshälfte. Na super... Sonntag soll dann der erste trockener Tag werden und ab Montag soll die Temperatur etwas bergauf gehen. Heute und morgen muss ich also noch aushalten und in voller Winter-Montur rumlaufen. 

Und dann hat mich der Teufel geritten. Aber davon erzählt ich an Tag 4

Tag 2 - langsamer ist schneller - 16,6 km

 Es war heute noch recht kalt 12° der Himmel voller dichter, tiefer und dunkler Wolken. Ein scharfer Wind fegt ständig durch den Wald und macht ziemlichen Krach. Nix mit Stille im Moment.

mit Claas aus Bremen habe ich mich den ganzen Abend unterhalten, bis ich während unseres Gesprächs eingeschlafen bin. Ich war übermüdet von 15 Stunden Anreise und den 22 km am ersten Tag.
früh morgens prasselte Regen auf unsere Hütte. Zum Glück hat der Wind nix auf meinen schlafsack gepustet.
Zwischen sieben und neun haben wir uns nicht rausgetraut In den Regen, sind aber dann in voller regenmontur losgezogen.

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Es war etwas besonderes mit einer anderen Person zu hiken. Interessante Gespräche und die Zeit vergeht deutlich schneller, aber es war mir auch zu schnell. Gestern schon an meinem ersten Abend war es wie ein Strudel zu reden, zuzuhören sich auszutauschen, bis ich erschöpft eingeschlafen bin. Zu Ruhe bzw anzukommen gelang mir nicht richtig.

Die Strecke heute waren 16,6 km und die haben wir in vier Stunden durchgezogen die ersten drei ohne Pause. Das ist nicht mein Stil. Ich mache gerne oft kleine Pausen, auch weil ich überzeugt bin, dass das weniger Schaden am Körper anrichtet, besonders bei einer langen Wanderung. Ich weiss, dass der Körper im Laufe der Zeit weniger Pausen braucht, aber gerade die ersten Tage sollten die subtilen Signale nicht ignoriert werden.
Einer der Leitsätze des PCT ist "hike your own hike " und den habe ich heute fälschlicherweise ignoriert. Ich bin mitgezogen und statt Pausen zu machen, immer weiter gelaufen. Damit habe ich mich letztlich überanstrengt und mein Körper schmerzt überall. Den Preis werde ich die nächsten Tage noch weiter zahlen. Nun, ich wollte ja auch die angenehme Gesellschaft und die Gespräche.




Jedenfalls kamen wir schon um 13 Uhr an dem See Ibbesjön an, wo wir eine hübsche stabile Windschutzhütte fanden. Klaas ist weitergezogen, wollte noch 15 km weiter zur nächsten Hütte ( Insgesamt fast 32 km... Ich glaube er wird auch Schmerzen haben. )
Ich allerdings bin geblieben und hatte einen ruhigen freien Nachmittag.
Ich habe zwei Anglern dabei zugesehen, wie sie zwei ellenlange Forellen rausgezogen haben. Am erstaunlichsten war zu sehen, wie sich zwei Erwachsenen Männer wie Kinder gefreut haben.
Ich habe in Ruhe gekocht (Heute gabs Gulaschnudeln - boah waren die lecker). Mir wurde da nach dem Essen zum ersten Mal warm.

Nun sitze ich hier, schaue stundenlang auf den See und lausche dem Wind wie er durch die Baumwipfel fegt während der Himmel zunehmend aufklart und blauer Himmel und Sonne immer öfter zu sehen sind. Und ich werde eins mit meiner neuen Umgebung, dem Wald und den Einzelheiten meiner Ausrüstung. Ich freue mich nachher auf meinen Schlafsack, möchte aber vorher noch ein paar yogaartige Dehnübungen machen.

P.S. ich habe sehr Probleme mit der Datenübertragung. Das Upload von jedem Bild dauert mehr als 20 Minuten und Frist zu viel Akku. Ich werde die Bilder nachliefern müssen, sorry

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